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Das Lufttaxi-Unternehmen Lilium steckt in der Krise. Staatliche Kredite in Millionenhöhe sollen es retten. Dabei hieß es vor kurzem noch: „Brauchen Deutschland und Europa nicht“.
Wessling – Krisensituation beim Flugtaxi-Hersteller Lilium aus der Umgebung München. Dem Unternehmen fehlt es an Geld, die Verluste liegen in Milliardenhöhe. Aktuell ist unklar, wie es weitergehen soll. Staatliche Darlehen in der Höhe von 100 Millionen Euro sollen das Unternehmen nun retten – andernfalls droht dem Start-up eigenen Angaben nach die Insolvenz.
Insolvenz-Gefahr bei deutschem Flugtaxi-Unternehmen: Staat soll 100-Millionen-Euro bereitstellen
Lilium wurde 2015 von TU München-Absolventen gegründet und entwickelt einen Lilium Jet, der elektrisch betrieben wird und in der Lage ist, senkrecht zu starten und zu landen. Das Flugtaxi könnte bis zu 250 Kilometer weit fliegen und Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h erreichen. Doch das Unternehmen weist Verluste in der Höhe von fast 1,5 Milliarden Euro vor, ohne nennenswerte Einnahmen zu erzielen.
Der operative Verlust bei Lilium, das seinen Sitz in unmittelbarer Nähe zu München hat, beläuft sich laut Welt im ersten Halbjahr 2024 auf 185,9 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es noch 128,5 Millionen Euro gewesen. Insgesamt betragen die Verluste 1,446 Milliarden Euro. Dank einer positiven Neubewertung von Finanzanlagen belief sich der Nettoverlust im ersten Halbjahr auf 86,9 Millionen Euro. Zum Ende des zweiten Quartals verfügte das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von knapp 110 Millionen Euro.
Im Halbjahresbericht, der der US-Börsenaufsicht SEC vorgelegt wurde, warnt der Flugtaxi-Pionier vor einer möglichen Insolvenz. Das Unternehmen erziele zwar Fortschritte bei der Entwicklung seines elektrischen Senkrechtstarters, benötige jedoch dringend zusätzliches Kapital. Sollte die staatliche finanzielle Unterstützung, die jeweils zur Hälfte von Bund und Bayern abgesichert und über eine Wandelanleihe der Staatsbank KfW bereitgestellt werden soll, nicht erfolgen, drohen laut Welt erhebliche Einschnitte im Geschäftsbetrieb, bis hin zur Anwendung des „geltenden Insolvenzrechts“. Bestehende Investoren würden bereit sein, rund 30 Millionen Euro in das Start-up zu investieren, vorausgesetzt, das Darlehen in Höhe von 100 Millionen von Bund und Bayern wird genehmigt.
Hälfte, Hälfte: 50 Millionen Euro je von Bund und Bayern?
Während Bayern bereits eine Haftungsübernahme von 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat, zögert der Bund noch. Im Halbjahresbericht steht, dass „die Gruppe sofort zusätzliches Kapital benötigt, um ihre laufenden Geschäfte weiter zu finanzieren“. Dieses Jahr sollte der erste bemannte Flug stattfinden, der jedoch auf Anfang 2025 verschoben wurde. Auch die Markteinführung, die eigentlich für 2026 geplant war, wird nicht mehr per Datum im jüngsten Bericht erwähnt.
Die Zusage des Bundes steht noch aus: Laut Spiegel gibt es Bedenken aufgrund der unklaren wirtschaftlichen Lage. Darüber hinaus könnte der Kapitalbedarf bis 2026 zwischen 300 und 500 Millionen Euro liegen. Einige Abgeordnete zeigen sich besorgt, dass Lilium zu glauben scheint, ausschließlich mit staatlicher Unterstützung in der Lage zu sein, zusätzliches privates Kapital einzusammeln. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) spricht sich laut Deutscher Presseagentur für eine Kreditbürgschaft des Bundes aus, er sehe „großes Potenzial in dieser Form der Luftmobilität“, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin.
Erst vor wenigen Monaten kritisierte Lilium Deutschland scharf
Lilium verweist hingegen darauf, dass auch ausländische Konkurrenten von heimischen Regierungen gefördert würden: „Alle unsere internationalen Wettbewerber haben längst Fördergelder erhalten - und zwar Zuschüsse und keine Darlehen“, meinte ein Lilium-Sprecher zum Spiegel. „Es gibt in der Luftfahrtindustrie kein erfolgreiches Flugzeugprogramm ohne Staatshilfe.“
Noch vor wenigen Monaten warnte Lilium davor, dass das Unternehmen Deutschland den Rücken kehren könnte, da von der deutschen Politik kaum positive Signale kämen. „Wir brauchen Deutschland und Europa nicht“, hieß es aus dem Management. Dabei braucht Europa dringend Lösungen für den CO₂-Ausstoß im Luftverkehr. Synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels sind keine wirkliche Alternative. Elektrische Antriebe hingegen könnten hier einen vielversprechenden Ausweg bieten.
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