Umsatzeinbruch 2024

Deutscher Weltmarktführer steckt in der Krise: 150 Mitarbeiter weg, weiterer Stellenabbau droht

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Der Präzisionswerkzeughersteller Groz-Beckert muss einen deutlichen Umsatzrückgang verkraften und steuert gegen. 150 Mitarbeiter haben den Konzern bereits verlassen, weitere könnten folgen.

Albstadt - Beim Traditionsunternehmen Groz-Beckert mit Sitz in Albstadt (Baden-Württemberg) kehrt keine Ruhe ein. Der Weltmarktführer für Präzisionswerkzeuge für die Textilindustrie hatte jüngst die Schließung eines Tochterunternehmens verkündet und verzeichnete einen deutlichen Umsatzrückgang im vergangenen Geschäftsjahr 2024. Konkret sank der Umsatz laut dem vorläufigen Jahresabschluss von 880 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 839 Millionen Euro im Jahr 2024, wie das Unternehmen am 24. Februar in einer Pressemitteilung erklärte.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Den Grund für den Umsatzrückgang sieht Groz-Beckert laut Mitteilung in den diversen Krisen der vergangenen Jahre und den aktuellen geopolitischen Herausforderungen, die einen spürbaren Einfluss auf Konsumenten und Unternehmen hatten und haben. Das 1852 gegründete Unternehmen steuert deshalb mit Maßnahmen dagegen und hat bereits im Oktober einen Stellenabbau angekündigt. Neben der Fortsetzung der Kurzarbeit am Stammsitz in Albstadt (Zollernalbkreis) ist auch eine Ausweitung des Personalabbaus denkbar. Groz-Beckert hatte bereits Anfang 2024 tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Groz-Beckert setzt auf Freiwilligenprogramm – 150 Mitarbeiter haben Unternehmen bereits verlassen

Durch die im vergangenen Jahr eingeleiteten Maßnahmen zur Kostenreduktion – Groz-Beckert will in den kommenden zwei Jahren im Geschäftsbereich Textil Tools rund 50 Millionen Euro einsparen – ist auch die Anzahl an Mitarbeitern im Konzern gesunken. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe weltweit 176, am Stammsitz Albstadt 56 Mitarbeiter weniger als im Vorjahreszeitraum. Von dem Stellenabbau sind laut Mitteilung vor allem die technisch und kaufmännisch administrativen Funktionen in Albstadt betroffen, während in der Nadelproduktion die Kurzarbeit fortgesetzt wird.

Name Groz-Beckert KG
Gründung 1853
Sitz Albstadt, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau, Textilindustrie
Umsatz 839 Millionen Euro (2024, vorläufiges Ergebnis)
Mitarbeiter 9.419 (Stand: 31. Dezember 2024)

Der notwendige Personalabbau soll sozial verträglich gestaltet werden, weshalb Groz-Beckert bereits im November ein Freiwilligenprogramm ausgerufen hatte. Die Resonanz der Belegschaft auf dieses Programm ist der Mitteilung zufolge positiv; das Unternehmen konnte sich bereits mit 150 Mitarbeitern auf eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses einigen. Ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen, oder ob zur Kostenreduktion weitere Schritte notwendig sind, will das Unternehmen im ersten Quartal 2025 entscheiden. Im vergangenen Jahr hatte auch der kriselnde Batteriekonzern Varta mithilfe eines Freiwilligenprogramms Stellen am Stammsitz abgebaut.

Das Traditionsunternehmen Groz-Beckert setzt für einen notwendigen Personalabbau auf Freiwilligkeit.

Groz-Beckert kämpft mit Branchenkrise – Nachfrage nach Präzisionswerkzeugen sinkt

Die Groz-Beckert KG, die mit 2.194 Mitarbeitern am Stammsitz als größter Arbeitnehmer im Zollernalbkreis gilt, bekommt derzeit mehrere Branchenkrisen zu spüren. Im zentralen Geschäftsfeld Textil Tools machen sich die Probleme der Maschinenbauindustrie genauso bemerkbar wie die Herausforderungen im Textilbereich. Die Textilbranche kämpft mit deutlichen Umsatzeinbußen, was in der Konsequenz die Nachfrage nach den Präzisionswerkzeugen des Albstädter Traditionsunternehmens reduziert. Ähnliche Gründe belasteten auch den Geschäftsbereich Cutting Tools, also die Herstellung und den Vertrieb von industriellen Schneidlösungen.

Rubriklistenbild: © Groz-Beckert KG

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