VonAndreas Hößschließen
Mit Solarzellen auf dem Balkon kann man eigenen Strom herstellen – zumindest in der Theorie. In der Praxis gibt es leider einige Probleme, denn viele Anlagen überzeugen nicht.
München – Solaranlage an den Balkon, Stecker in die Steckdose, schon steht die Versorgung mit heimatlichem Grünstrom: Das wünschen sich angesichts hoher Strompreise viele Bundesbürger und die Politik will das fördern, schließlich ist Sonnenenergie gut für das Klima. Mit dem Solarpaket hat die Bundesnetzagentur die Registrierung vereinfacht, ein Eintrag ins Marktstammdatenregister genügt nun. Zudem dürfen Solaranlagen für den Balkon künftig bis zu 800 Watt und einen normalen Schukostecker haben und übergangsweise alte Zähler nutzen.
Drei Geräte fallen krachend durch
Gute Zeiten also, um sich ein Balkonkraftwerk zu kaufen. Doch welche sind empfehlenswert? Gar nicht so viele, wie eine aktuelle Auswertung der Stiftung Warentest zeigt. Dort fallen drei von acht getesteten Geräten krachend durch, nämlich die Anlagen von Maxxisun, PV und SO sowie die von Yuma (siehe Tabelle). Der Grund: In den Geräten sind Wechselrichter von Holymiles verbaut, welche die Bundesnetzagentur jüngst vom Markt genommen hat. Sie können im Betrieb nämlich andere Elektrogeräte mit ihren elektromagnetischen Feldern stören und seien vor allem für den Funkverkehr ein „hohes Risiko“.
Anlagen stören andere Elektrogeräte
Doch Elektromagnetismus ist nicht das einzige Problem, mit dem die Anlagen kämpfen. Im Bestfall kann ein einziges Kraftwerk mühelos genug Strom erzeugen, um einen Kühlschrank, einen Fernseher, eine Klimaanlage und einen Internet-Router gleichzeitig zu betreiben und parallel ein E-Bike zu laden. Doch das geht nur, wenn die Sonne voll auf das Gerät scheint. Verdeckt Schatten einen Teil oder ist die Anlage mit Vogelkot, Moos oder Laub verdreckt, kann die Leistung schnell sinken. Besonders stark ging die Leistung dann bei den Kraftwerken von EPP, Anker und Mysolarplant zurück. Insgesamt liefern aber alle Anlagen keine Energie mehr, wenn sie mehr als zur Hälfte im Schatten sind.
Vorsicht vor Sturmschäden
Auch Sturm und Schnee können den Geräten schaden. Die Panels von PV und SO sowie jene von Anker und Maxxisun können sogar unter bestimmten Bedingungen brechen. Immerhin: Regen und Hagel halten sie alle aus. Und auch bei der Sicherheit gibt es nichts zu meckern. Was die Elektrik betrifft, erhielten alle sehr gute Noten. Man muss also keine Panik haben, dass ein Gerät durchbrennt oder Stromschläge verteilt. Auch Rost war im Test kein Problem für die Halterungen und Montageteile. Und die Verletzungsgefahr bei der Montage selbst ist relativ gering. Beim Aufbau sollte man aber mindestens zu zweit sein, denn die Panels sind mit etwa 20 Kilo relativ schwer.
Testsieger ist ein günstiges Auslaufmodell
Die gute Nachricht: Man muss nicht zwingend viel Geld ausgeben. Obwohl nur ein Balkonkraftwerk die Note „gut“ erreichte, ist es ausgerechnet das günstigste. Das EPP Solar kostet lediglich 505 Euro, der letztplatzierte im Test (Yuma Blacony) dagegen 895 Euro. Die Stromerzeugung des EPP-Gerätes ist nicht grandios, ist aber vor allem bei viel Sonne völlig in Ordnung. Wind und Wetter können ihm nichts anhaben und es irritiert andere Geräte auch nicht zu stark. Wer zuschlagen will, sollte aber schnell sein. Die Anlage ist ein Auslaufmodell. Das zweitplatzierte Gerät von Absaar kostet hingegen schon 880 Euro. Allerdings sollte man die Preise im Internet genau prüfen. Von manchen Testgeräten gibt es bereits Nachfolgemodelle, die etwas günstiger zu haben sind.
Standort der Anlage ist entscheidend
Ist die Anlage gekauft, entscheidet der Standort darüber, wie viel Strom man tatsächlich herausbekommt. Optimal sind Südlagen, die fast den ganzen Tag in der Sonne sind. In einem Winkel von 30 bis 40 Grad fangen die Panele am meisten Strom ein. Vorsicht: Solarpanels mit Glasabdeckung dürfen nicht in über vier Metern Höhe außen befestigt werden, sondern nur leichte Kunststoffmodule, die etwas teurer sind, warnt der ADAC.
Anlage lohnt sich nach fünf Jahren
Wie schnell sich eine Anlage amortisiert, hängt von vielen Dingen ab: der erzeugten Strommenge ebenso wie vom Preis und der Förderung. Die ist leider von Ort zu Ort verschieden. Beispiel Bayern: Augsburg und Ingolstadt schießen bis zu 200 Euro dazu, Memmingen bis zu 100 Euro, Peiting 120 Euro, Weilheim bis zu 200 Euro, München bis zu 240 Euro. Laut Stiftung Warentest können Nutzer die Kosten der Anlage im besten Fall schon nach fünf Jahren hereingeholt haben, die Verbraucherzentrale Bayern geht von acht Jahren aus. Egal ob fünf oder acht Jahre: Da kleine Solaranlagen leicht 15 bis 20 Jahre halten können, winken danach viele Jahre kostenlose Sonnenenergie.
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