VonMarcel Reichschließen
Die GdL erhöht den Druck auf die Deutsche Bahn und streikt. Ein Notfallplan soll Reisenden trotz Streiks eine Heimfahrt an Weihnachten ermöglichen.
München – Die Verhandlungen mit der Bahn sind erst mal gescheitert: Schon ab Mittwochabend wird die Deutsche Bahn bestreikt. Die Lokführergewerkscahft GdL nahm das Angebot der Bahn nicht an. Bereits ab 22 Uhr am Mittwoch, 15.11.2023, wollen die Lokführer die Arbeit für 20 Stunden niederlegen. Der Streik wird dementsprechend bis Donnerstag um 18 Uhr andauern. Claus Weselsky, der Vorsitzende der GdL, warnte letzte Woche vor neuen Streikaktionen. In Bezug auf Streiks während der Weihnachtszeit äußerte er gegenüber der Frankfurter Rundschau und Merkur.de, einem Medium von IPPEN.MEDIA: „Das will ich nicht ausschließen. Wenn Sie sagen, an Weihnachten selbst, äußere ich mich nicht dazu. Man sagt zwar, dass ich beinhart, aber nie, dass ich bescheuert bin.“
Die Deutsche Bahn hat derweil einen Notfallplan für Streiks erstellt, um Reisenden die Heimfahrt zu ihren Liebsten an Weihnachten zu ermöglichen. „Wie auch bei früheren Streiks der GDL hat die DB einen Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten erarbeitet“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Sonntag in Berlin. Im Fernverkehr sollen dann anstelle von 700 Zügen pro Tag nur noch etwa 140 Züge verkehren. Das entspricht lediglich 20 Prozent des regulären Angebots. Bei Bedarf könnten in diesen Zügen auch Lokführer aus den Nachbarländern Deutschlands zum Einsatz kommen, berichtete der WDR.
Streik zu Weihnachten: XXL-ICE, aber kein Ersatzverkehr auf der Schiene
Für besonders gefragte Strecken, beispielsweise von Hamburg über Köln, Frankfurt und Stuttgart nach München, sollen zudem XXL-ICE-Züge eingesetzt werden. Diese sind bis zu 376 Meter lang und bieten 918 Sitzplätze. Einige grenzüberschreitende Verbindungen könnten laut Angaben durch den Einsatz ausländischer Lokführer aufrechterhalten werden. Der Einsatz von Bussen sei jedoch nicht machbar. Es gebe weder genügend Busse noch ausreichend Fahrpersonal, um im Streikfall spontan und flächendeckend Zugkapazitäten zu ersetzen, erklärte die Bahnsprecherin am Sonntag.
Die Drohung mit Streiks zur Weihnachtszeit stößt auf heftige Kritik: „Weihnachten gilt als die Zeit des Friedens - darüber sollten sich alle Tarifparteien Gedanken machen“, äußerte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gerade an den Weihnachtsfeiertagen möchten die Menschen ihre Verwandten und Freunde besuchen. Daher könne er nur „an alle Tarifparteien appellieren, sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst zu sein und mögliche Maßnahmen so zu gestalten, dass Menschen nicht darunter leiden müssen“.
Kritik an Weihnachtsstreiks
Der Fahrgastverband Pro Bahn äußert sich noch klarer: „Die GDL sollte sich hüten, Millionen Menschen das Weihnachts- und Silvesterfest durch Streiks zu verderben“, so der Vorsitzende von Pro Bahn, Detlef Neuß, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat in ihrer Tarifrunde auf Streiks in den Sommerferien verzichtet, die GDL sollte jetzt dasselbe tun.“, fügte Detlef Neuß hinzu: „Wenn zu den weihnachtlichen Familientreffen keine Züge fahren, wäre das eine extreme Belastung für sehr viele Menschen.“.
Gewerkschaft verlangt 35-Stunden-Woche
Die Bahn unterbreitete zum Verhandlungsauftakt am 9. November ein Angebot von elf Prozent mehr Gehalt sowie einer Inflationsprämie von bis zu 2850 Euro bei einer Laufzeit von 32 Monaten. Die von der Gewerkschaft geforderte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wurde jedoch als nicht realisierbar bezeichnet. „Ohne Arbeitszeitabsenkung wird es keine Tarifeinigung geben“, betonte Claus Weselsky gegenüber der Frankfurter Rundschau und Merkur.de von IPPEN.MEDIA: „Die Zeichen scheinen auf Sturm zu stehen.“
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