- VonBettina Menzelschließen
Auszubildende sind in Deutschland Mangelware. Einige Unternehmen stemmen sich aber erfolgreich gegen den Trend – auch mit Zusatzanreizen wie Prämien, gratis Wohnen oder Tankgutscheinen.
Berlin – In Deutschland herrscht Fachkräftemangel und auch der Nachwuchs ist knapp: Immer mehr Betriebe finden nicht genügend Auszubildende, wie eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer jüngst ergab. Während die Wirtschaft Alarm schlägt, gelingt es einigen Unternehmen weiterhin, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern. Das Handelsblatt ermittelte in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut SWI Human Resources (SWI HR) nun die besten Ausbildungsbetriebe Deutschlands – und ihre Methoden.
Studie: Das sind die besten Ausbildungsbetriebe Deutschlands
Jedes Jahr bleiben Zehntausende Ausbildungsstellen in Deutschland unbesetzt: Im Jahr 2022 fanden sich für 68.868 Stellen keine Azubis, wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Besonders Unternehmen in ländlicheren Gegenden haben Probleme, Lehrlinge zu finden. Unter anderem wegen der teils schlechten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Statistiken zeigen außerdem: Jede vierte Ausbildung wird abgebrochen.
Doch nicht alle Firmen in Deutschland haben offenbar Probleme, Nachwuchs zu finden. Bei einer Untersuchung von etwa 2.400 Unternehmen fand das Marktforschungsunternehmen SWI HR heraus, welche Unternehmen die besten Ausbildungsbedingungen boten und fasste diese in einem Deutschland-Ranking zusammen.
| Top 5 Firmen unter 100 Beschäftigte | |||
| Unternehmen | Branche | Punkte | Duale Ausbildung |
| Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien | Banken | 94,0 | |
| Lebensplus | ambulante Pflege | 91,5 | |
| Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing | Banken | 88,0 | Ja |
| roth Werkzeugbau | Metall | 87,7 | Ja |
| Lausitzer Stahlbau Ruhland | Stahlbau | 86,9 | |
| Top 5 Firmen über 1000 Beschäftigte | |||
| Unternehmen | Branche | Punkte | Duale Ausbildung |
| Alfred Kärcher | Reinigungstechnik | 96,2 | Ja |
| Engbers | Textiler Einzelhandel | 95,7 | Nein |
| Allianz | Versicherungen | 93,4 | Ja |
| HUK-COBURG | Versicherungen | 93,2 | Ja |
| Hannoversche Volksbank | Banken | 92,7 | Ja |
Quelle: Handelsblatt, basierend auf Studie des SWI HR; Auswahl, Original-Studie zeichnete 206 von über 2000 Unternehmen aus.
Diese Anreize bieten die besten Ausbildungsunternehmen: Tankgutscheine, Kleinbus und Wohnung
Um Auszubildende zu locken, bieten viele der untersuchten Unternehmen freiwillige Zusatzleistungen an. Der Kreativität sind dabei offenbar keine Grenzen gesetzt. Der Reinigungsgerätehersteller Kärcher offeriert seinen Azubis Sportangebote, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, ein Patenprogramm, Prämien für gute Leistungen, einen Laptop oder die Möglichkeit eines Praktikums im Ausland, wie Handelsblatt unter Berufung auf die Studie mitteilte. Tendenziell hätten es kleine Betriebe da schwerer als große Unternehmen, so die Studienautoren. Dass es auch kleinen Firmen gelingen kann, Zusatzanreize zu schaffen, zeigt etwa roth Werkzeugbau, ein Betrieb mit weniger als hundert Beschäftigten.
Zu den Extra-Leistungen des Unternehmens gehören kostenfreies Wohnen, sowie Tankgutscheine oder ein 49-Euro-Ticket. Für alle, die nicht mit dem Auto oder der Bahn anreisen wollen oder können, stellt das Unternehmen sogar einen Kleinbus zur Verfügung. Damit können die Azubis als Fahrgemeinschaft zur Berufsschule fahren – oder zu gemeinsamen Events, wie die Assistentin der Geschäftsführung gegenüber Handelsblatt erklärte. Als weiteren Anreiz bieten viele der untersuchten Unternehmen ihren Azubis eine sichere Zukunft: Einige der Top-Unternehmen versprechen eine Übernahmegarantie.
Einen Einfluss auf die Berufswahl haben auch andere Faktoren, etwa die künftigen Gehaltsaussichten – oder die Branche. Trotz der insgesamt rückläufigen Auszubildendenzahlen stieg der Anteil an Berufen mit umweltfreundlichen Tätigkeiten zuletzt, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigte. Dazu gehören etwa Jobs in der regenerativen Energie- und Umweltschutztechnik, in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, aber auch Dachdecker und Schornsteinfegerinnen. Einen Unterschied können auch die Rekrutierungsmethoden machen. Viele Unternehmen holen die Azubis deshalb dort ab, wo sie viel Freizeit verbringen: bei TikTok, Instagram und Co.