VonAmy Walkerschließen
Die Zölle, die Trump eingeführt hat, könnten der US-Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Deutschland und Europa äußern ihre Besorgnis. Eine Krise steht bevor.
US-Präsident Donald Trump plant, am Mittwoch, dem 2. April, mit viel Aufsehen seinen neuen Zollplan zu präsentieren. Im Rosengarten des Weißen Hauses wird er eine Pressekonferenz abhalten, um die Details der Zölle zu erläutern, die gegen verschiedene Länder erhoben werden sollen. Er hat diesen Tag als „Liberation Day“ (Tag der Befreiung) für die USA bezeichnet. Währenddessen wächst die Sorge vor einer möglichen Rezession, und ein Börsencrash ist nicht mehr auszuschließen.
Trump plant neue Zölle am „Liberation Day“: USA kehren zurück in die 1930er
Bisher hat Trump nur wenige Details zu den geplanten Zöllen preisgegeben. Es sollen sogenannte Gegenzölle eingeführt werden, die den Zollsatz anderer Länder spiegeln. Zudem könnten zusätzliche Zölle auf bestimmte Produkte erhoben werden. Berater haben laut dem britischen Guardian einen allgemeinen Zollsatz von 20 Prozent auf alle Importe weltweit vorgeschlagen, doch Trump hat dies nicht bestätigt.
Die US-Denkfabrik Tax Foundation hat die bisher bekannten Maßnahmen zusammengetragen und ihre Auswirkungen analysiert. Am „Tag der Befreiung“ sollen folgende Zölle verkündet werden:
- Kanada und Mexiko: Diese Zölle wurden bereits mehrmals verschoben, zuletzt Anfang März. Gut möglich, dass sie einen neuen Aufschub bekommen.
- Zölle gegen alle Länder, die Öl oder Gas aus Venezuela kaufen sowie 25 Prozent auf alle Waren aus dem südamerikanischen Land.
- EU: Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Importe
- China: Zölle in Höhe von 20 Prozent (sind bereits in Kraft)
- Russland: Sollte es keine Einigung im Ukraine-Krieg geben, will Trump russisches Öl mit weiteren Zöllen belegen.
- Landwirtschaftliche Produkte: Zölle auf alle „ausländischen“ Produkte, Höhe unbekannt
- Stahl und Aluminium: 25 Prozent auf Importe (bereits in Kraft)
- Autos und Autoteile: 25 Prozent auf alle Importe
- Halbleiter und Pharmaprodukte: Unklar, ob diese Zölle am 2. April auch verkündet werden, Höhe soll laut Trump „25 Prozent und höher“ liegen
Je nach Höhe der Zollsätze könnte der durchschnittliche Zollsatz der USA auf über 16 Prozent steigen, der höchste Stand seit den 1930er Jahren, als er über 19 Prozent erreichte.
Wirtschaftsexperten sind der Ansicht, dass die damalige Zollpolitik der USA und die Gegenmaßnahmen die Große Depression verschärften. Das US-Wirtschaftsmagazin Barrons berichtet, dass die hohen Zölle letztlich die Weltwirtschaft tiefer in die Krise stürzten. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA dann mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen, um Handelsbarrieren abzubauen. „Hoffentlich braucht es diesmal keine Weltwirtschaftskrise und keinen Weltkrieg, bis das wieder passiert“, warnt der Autor.
Trumps Zölle haben verheerende Wirkung auf die US-Wirtschaft: Rezession befürchtet
Die EU, Kanada und China haben bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, ähnlich wie in den 1930er Jahren. Europa plant ab dem 13. April, US-Produkte wie Harley-Davidson-Motorräder und Bourbon mit höheren Zöllen zu belegen. Selbst ohne diese Gegenmaßnahmen würde die US-Wirtschaft laut der Tax Foundation erheblich leiden: Ein Verlust von über 350.000 Arbeitsplätzen wird erwartet, ebenso wie höhere Preise und ein Rückgang der Produktion in vielen Sektoren. Auch wenn Trumps Ziel, mehr Industrie in die USA zurückzuholen, erreicht wird, würde dies Jahre dauern, während die Zölle sofort wirken.
Auch Deutschland und Europa wären von den Zöllen stark betroffen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Gefahr eines weiteren wirtschaftlichen Rückgangs in diesem Jahr. „Meine größte Sorge sind nicht per se die nun angekündigten Zölle der USA, sondern die dadurch entstehende Unsicherheit über eine Eskalation und fehlende Planungssicherheit“, erklärte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. „Dies dürfte die Investitionen der deutschen Unternehmen weiter schwächen und könnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr erneut in die Rezession treiben.“
Fratzscher rät zu einer besonnenen Reaktion auf Trumps Maßnahmen. „Wir sollten auf die Androhung der Handelszölle durch Donald Trump nicht hysterisch reagieren, sondern nüchtern und deeskalierend“, betonte er. Die neue Bundesregierung müsse die Stärkung Europas und der gemeinsamen europäischen Kompetenzen in den Vordergrund stellen. „Wir Deutschen müssen verstehen, dass wir eine kleine Volkswirtschaft haben und unsere Interessen nur als Teil eines starken Europas schützen können.“
EU hat ein Ass gegen Trump-Zölle im Ärmel: Doch die „Bazooka“ würde auch Europa schwächen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versicherte, dass die EU entschlossen handeln werde, falls Trump seine Pläne umsetzt. „Wir wollen nicht unbedingt zurückschlagen, aber wenn es notwendig wird, haben wir einen starken Plan, um zurückzuschlagen“, erklärte sie im EU-Parlament. Europa verfüge über „alle Mittel“, um „die Menschen in Europa und unseren Wohlstand zu schützen“.
Zu den möglichen Maßnahmen der EU gehört das Anti-Coercion Instrument (ACI), das in Brüssel auch als „die Bazooka“ bekannt ist. Dieses Instrument erlaubt es der EU, im Notfall den Handel mit einem Land, das Europa wirtschaftlich bedroht, vollständig zu stoppen. Dies wird jedoch als letztes Mittel betrachtet, da es auch der europäischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen könnte.
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