„Lehne eine Schlichtung genauso lange ab“

Sechstägiger Bahnstreik der GDL, doch Weselsky droht schon mit neuem Rekord

  • schließen

Der aktuelle Bahnstreik der GDL ist der längste in der Geschichte. Doch Gewerkschaftschef Weselsky droht der Deutschen Bahn diesen Rekord zu brechen.

Update vom 27. Januar, 11.15 Uhr: Seit Mittwoch steht Deutschland im Bahnverkehr still. Der Bahnstreik der GDL ist der bisher längste in Geschichte. Und dennoch drohte GDL-Chef Claus Weselsky bereits mit dem nächsten Rekord-Streik. Doch nun könnte vielleicht Bewegung in die verworrenen Positionen im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft kommen. Allerdings betrifft dies offenbar nur den aktuellen GDL-Streik.

Bahnstreik der GDL: DB und GDL verhandeln offenbar über vorzeitiges Ende – Statement geplant

Kernforderung der GDL in Bezug auf den Bahnstreik der Lokführergewerkschaft ist die Absenkung der Wochenarbeitszeit. Gibt es in diesem Punkt nun etwa eine Annäherung? Jedenfalls scheinen beide Seiten wieder zu Verhandlungen bereit zu sein. Dies berichtet die dpa unter Berufung auf Verhandlungskreise. Demnach könnten im Hintergrund aktuell wieder Gespräche zwischen der Bahn und der GDL zu einem möglichen vorzeitigen Ende des GDL-Bahnstreiks laufen. Diese hätten bereits in der Nacht zum Samstag stattgefunden. Für Reisende könnten dies gute Nachrichten sein.

Wie die Bild nämlich weiter schreibt, könnten die erneuten Gespräche und Annäherungen für eine Verkürzung des sechstägigen Marathon-Streiks sorgen. Zu Inhalten oder möglichen Ergebnissen war zunächst allerdings nichts bekannt. GDL und Bahn wollen sich offenbar am Samstagnachmittag in einem Statement dazu äußern.

Bahnstreik der GDL: Weselsky tritt gegen die Bahn mit DDR-Vergleich nach

Update vom 26. Januar, 16.29 Uhr: Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky, trat im Zuge des Bahnstreiks der GDL vor Kollegen in Dresden auf. Dort teilte mitten im Bahnstreik-Chaos gegen die Deutsche Bahn, die nach seiner Ansicht offenbar der früheren DDR-Staatsbahn hinterherhinkt, aus.

Er komme ja von der Deutschen Reichsbahn, habe dann die Zusammenlegung mit der Bundesbahn zur Bahn AG erlebt. „Bei uns konnte man die Uhr nach der Bahn stellen. Die fuhr“, ließ Weselsky während des Bahnstreiks der GDL kein gutes Haar an dem DB-Konzern. Dessen Vorstand hatte er bereits einen Tag zuvor mit Generälen der DDR-Armee NVA verglichen.

Bahn-Streik der GDL: Weselsky teilt gegen „Nieten“ aus dem Bahn-Vorstand aus – „Eisenbahn in die Grütze fahren“

Doch damit nicht genug. Der GDL-Chef ließ noch zu einer weiteren Spitze hinreißen, die abermals offenlegt, wie tief die Gräben im Tarifkonflikt sind und ein weiterer Bahnstreik der GDL droht, der den aktuellen Arbeitskampf vielleicht noch in den Schatten stellen könnte. „Die Eisenbahner früher waren es gewohnt, mit den vier Jahreszeiten umzugehen. Alles Eigenschaften, die uns diese Nieten in Nadelstreifen kaputt gemacht haben. Das sind die, die diese Eisenbahn in die Grütze fahren!“

Nach Informationen der Bild könnte die aber vielleicht doch gar nicht so weit weg sein, wie der derzeitige Bahnstreik der GDL und die verhärteten Fronten im Tarifkonflikt vermuten lassen. Immerhin solle aus dem Umfeld des GDL-Chefs ans Licht gekommen sein, dass sich Weselsky am Nachmittag nach dem Auftritt zu geplanten „Hintergrundgesprächen mit der Bahn“ aufgemacht habe.

Bahnstreik der GDL: Weselsky droht mit Rekord-Bahnstreik der Lokführergewerkschaft

Erstmeldung vom 26. Januar, 9.49 Uhr: Berlin – Deutschland steckt im Bahnstreik-Chaos der GDL. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Denn während der aktuelle Bahnstreik der Lokführergewerkschaft noch bis Montag (29. Januar) läuft, stellte GDL-Gewerkschaftschef Claus Weselsky bereits den nächsten Arbeitskampf in den Raum und dieser könnte nach dem derzeitigen Rekordstreik der GDL noch länger dauern.

Bahnstreik der GDL: Weselsky zieht positive Bilanz

Doch zunächst zog der GDL-Chef eine positive Zwischenbilanz des laufenden Bahnstreiks, obwohl die Kritik gegenüber der Lokführergewerkschaft von allen Seiten nicht abreißt. Jüngst hatte eine Sprecherin der Deutschen Bahn dem GDL-Chef vorgeworfen, dass „Herr Weselsky gerne etwas verschweigt“.

Von der Kritik lässt sich der GDL-Chef aber offenbar nicht aus der Bahn werfen. Immerhin fiel seine erste Bilanz zum aktuellen Bahnstreik sehr positiv aus. „Ich erlebe Disziplin auf breiter Front. Die Stimmung ist exzellent“, sagte Weselsky Rheinischen Post. Außerdem gebe es Solidarität mit den Eisenbahnern in der Bevölkerung: „Viel mehr Kunden haben Verständnis für den Streik als mancher behauptet“, erklärte Weselsky. Auch wenn die Ansicht nicht überall herrscht und DB-Kunden ihrem Ärger über den GDL-Bahnstreik zunehmend Luft machten.

Nächster Bahnstreik der GDL könnte laut Weselsky „vielleicht noch länger“ dauern

„Wir werden diesen Streik erfolgreich zu Ende bringen, und dann schauen wir, was passiert“, sagte Weselsky weiter. Eine weitere Spitze in Richtung Deutsche Bahn hatte der GDL-Chef aber auch parat, die Bahn-Kunden und dem Staatsunternehmen nicht unbedingt erfreuen dürfen. Sollte keine Bewegung seitens der Bahn-Spitze zu erkennen sein, „werden wir wieder streiken – und dann vielleicht noch länger“, wagte er einen Ausblick auf einen möglichen nächsten Bahnstreik der GDL. Zuvor hatte sich Weselsky auch ähnlich über den aktuellen Streik geäußert und seine Drohung am Ende wahrgemacht.

Weselsky wies zugleich Vorwürfe zurück, die GDL verursache mit ihrem Ausstand einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. „Das ist doch Unfug. Für den angeblichen, wirtschaftlichen Schaden sind nicht wir, sondern ist das Bahn-Management verantwortlich.“

Bahnstreik der GDL: Verschärfung des Streikrechts ist „unverfroren“ – CDU hat Bahn „heruntergewirtschaftet“

Weselsky kritisierte in der „Rheinischen Post“ auch Forderungen nach einer Verschärfung des Streikrechts. Es sei „unverfroren“, die Rechte der Arbeitnehmer beschneiden zu wollen, nur weil sie für bessere Arbeitszeiten und ein höheres Einkommen kämpfen würden. „Wir werden beim Streikrecht kein einziges Zugeständnis machen. Dann wären wir doch bescheuert.“

„Wenn gerade die Union darüber nachdenkt, ist das zugleich bezeichnend“, sagte der GDL-Chef weiter. „Denn es war die CDU, die die Bahn im Privatisierungswahn mit heruntergewirtschaftet hat.“ Die Union habe zu verantworten, dass aus der Bahn ein marodes Unternehmen geworden sei, „das nicht in der Lage ist, seine Kunden pünktlich an die Zielorte zu bringen“. Dafür seien nicht die Arbeitnehmer verantwortlich. Weselsky und die GDL bemängeln in ihrem Arbeitskampf die hohe Stundenbelastung und wollen eine Reduzierung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Arbeitsstunden. Gleichzeitig schlägt ein FDP-Plan vor, Lokführer durch KI zu ersetzen, um den Personalmangel aufzufangen.

GDL-Bahnstreik: Laut Weselsky ist ein Ende des Tarifkonflikts nicht in Sicht

Einer Schlichtung des Tarifkonflikts erteilte Weselsky zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage. „Bisher sehe ich die nicht. Ich lehne eine Schlichtung auch genauso lange ab, wie Personalvorstand Seiler es ablehnt, mit mir Tarifverträge über andere Berufsgruppen im Konzern zu schließen“, stellte Weselsky kein endgültiges Ende, sondern vielmehr weitere Bahnstreiks der GDL in Zukunft in Aussicht, die eine klare Botschaft im Tarifpoker zwischen Bahn und GDL darstellt. Auch den bayerischen GDL-Chef macht das Verhalten der Bahn „rasend“, sodass er „einen weiteren Streik“ befürchtet.

Die Lokführergewerkschaft hatte kurz vor Beginn des aktuellen Streiks ein weiteres Angebot der Deutschen Bahn abgelehnt. Die GDL bestreikt seit Dienstagabend den Güterverkehr und seit Mittwochmorgen den Personenverkehr der Deutschen Bahn. Der Ausstand soll erst am kommenden Montagabend enden und wäre damit der längste GDL-Streik in der Geschichte der Bahn. (mit Material der afp)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

Kommentare