Lohn

Tarifrunde auf dem Bau: Gewerkschaft fordert 500 Euro brutto mehr auf dem Lohnzettel

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Die Baubranche hat in den vergangenen Jahren viel Personal aufgebaut.
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Die Tarifrunde im Bauhauptgewerbe startet. Höhere Gehälter sollen die Branche attraktiver machen und den Personalmangel lindern - zumindest aus Sicht der Gewerkschaft IG BAU.

Die Lohntüten auf dem Bau sind ziemlich leer, zumindest aus Sicht der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Wenn an diesem Donnerstag (22. Februar) die Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe beginnen, hat die Gewerkschaft deshalb vor allem ein Ziel: ein kräftiges Plus für die eigenen Mitglieder zu verhandeln. „500 Euro mehr im Portemonnaie – das ist der Lohn-Magnet, den der Bau jetzt braucht“, teilte Carsten Burckhardt mit, der die Verhandlungen auf Seiten der Gewerkschaft führen wird und im IG-BAU-Vorstand sitzt.

930.000 Menschen im Baugewerbe tätig

Einerseits geht es der Gewerkschaft darum, Löcher zu stopfen, die die Inflation in den vergangenen zwei Jahren gerissen hat. Andererseits geht der Blick in die Zukunft: Die Branche soll attraktiver werden; es gilt die Beschäftigten bei der Stange zu halten. Denn Arbeit gibt es zwar genug, das Personal aber ist in Zeiten eines zunehmenden Arbeitskräftemangels heftig umworben. „Die Bauarbeiter wissen schließlich genau, was woanders los ist – was da zu holen ist“, so Burckhardt.

Rund 930.000 Menschen arbeiten im Bauhauptgewerbe als Helfer, Poliererinnen, Kranführer, Straßenbauerinnen oder als Angestellte in den Büros. Der Festbetrag von 500 Euro soll vor allem Beschäftigten der unteren Lohngruppen mehr Geld aufs Konto spülen. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen – zumindest aus Sicht der IG BAU.

Ob der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) das ähnlich sehen? Die Arbeitgeberseite äußert sich zunächst nicht: Vor Verhandlungsbeginn wolle man die Forderungen der Gewerkschaft nicht kommentieren, teilte ein ZDB-Sprecher der FR mit. Tarifverhandlungen führe man generell hinter verschlossenen Türen am Verhandlungstisch und nicht vorab öffentlich.

Die IG BAU wird sich auf harte Verhandlungen einstellen müssen: Burckhardt bereitete die eigenen Mitglieder in einem Infoschreiben bereits auf die „professionelle Schwarzmalerei“ der Arbeitgeber vor. Die solle helfen, Ängste zu schüren und die Lohn-Erwartung der Beschäftigten zu drücken. Tatsächlich ist die Baubranche in der Krise: Unternehmen klagen über eine ausufernde Bürokratie, explodierende Baukosten, stornierte Aufträge und schlechte Finanzierungsbedingungen.

Hinter der Branche aber liegen Jahre des Booms: Seit 2009 haben ihre Betriebe kräftig Personal aufgebaut. Laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) wurden zwischen 2009 und 2022 knapp 500 000 Menschen eingestellt. Abzüglich der Rentenabgänge bleibt ein Plus von 222 000 Menschen.

Fachkräftemangel belastet die Branche akut

Inzwischen scheint ein Höhepunkt beim Personalaufbau erreicht, die Beschäftigtenzahlen stagnieren. „Die Arbeitskräftereserven auf dem deutschen Bauarbeitsmarkt sind nur noch begrenzt vorhanden“, schreibt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie auf seiner Internetseite. Im Jahr 2010 waren noch mehr als 85.000 Baufacharbeiter:innen arbeitslos. 2024 gab es laut HDB nur noch 24.700 Arbeitslose. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen in den bauhauptgewerblichen Berufen gestiegen auf zuletzt 13.900. Der Pool wird kleiner. In einer Umfrage der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Jahresbeginn 2023 beurteilten 72 Prozent der Bauunternehmen den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko.

„Der Fach- und Arbeitskräftemangel wird doch allenthalben reklamiert, jetzt kann man konkret etwas dagegen tun“, sagt Burckhardt. Der IG-BAU-Gewerkschafter warnt vor dem „Gastro-Effekt“ – also davor, dass viele Beschäftigte die Branche verlassen, weil andere Arbeitgeber mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen locken. So haben es viele Kneipen und Restaurants erlebt. „Das darf auf keinen Fall passieren, denn Arbeit gibt es genug“, sagt Burckhardt. „Es müssen Wohnungen gebaut, Straßen und Brücken saniert und Schienen erneuert werden. Das ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.“

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