VonBenjamin Strokaschließen
Züge stehen still, Fahrgäste stranden: Die beiden GDL-Streiks der vergangenen Wochen testen die Geduld der Bahnreisenden. Und es könnten weitere Streiks folgen.
Köln – Schon zweimal hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im aktuellen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn den Zugverkehr in Deutschland fast komplett lahmgelegt. Der jüngste Bahnstreik fand vom 7. auf den 8. Dezember statt und dauerte 24 Stunden. Allein in NRW fielen dutzende Bahnlinien komplett aus. Und aktuell spricht wenig dafür, dass es der letzte Streik war. Ganz im Gegenteil: GDL-Chef Claus Weselsky hat sogar schon längere und intensivere Arbeitskämpfe angekündigt.
Sogar unbefristete Streiks könnten im neuen Jahr möglich sein. Das Ergebnis einer entsprechenden Urabstimmung wird für den 19. Dezember erwartet. Ein Überblick, was über weitere Streiks bereits bekannt ist – und was nicht.
Droht noch in diesem Jahr ein neuer Bahnstreik?
Nein. Die GDL um ihren Chef Claus Weselsky hat für den Rest des Jahres, bis einschließlich 7. Januar, weitere Streiks ausgeschlossen. Somit droht auch um die Weihnachtstage und den Jahreswechsel kein Streik-Chaos bei der Bahn. Allerdings könnte es nach dem 7. Januar deutlich anders aussehen. Dann steigt die Gefahr für neue Streiks nach aktuellem Stand wohl wieder rapide an.
Könnte es dann auch längere Streiks bei der Bahn geben?
Bislang sieht es ganz danach aus. Weselsky hat längere und intensivere Arbeitskämpfe für das neue Jahr angekündigt. Mit anderen Worten: Viel spricht dafür, dass ein weiterer Bahnstreik sogar länger als einen Tag dauern könnte.
Drohen auch unbefristete GDL-Streiks?
Ja, bei der GDL läuft seit Wochen eine entsprechende Urabstimmung. Für unbefristete Streiks braucht die Gewerkschaftsführung mindestens 75 Prozent Zustimmung. Weselsky rechnet laut eigenen Aussagen sogar mit rund 90 Prozent. Ein Ergebnis der Urabstimmung wurde für den 19. Dezember angekündigt. Sollte es die entsprechende Zustimmung geben, dann könnten tatsächlich auch unbefristete Bahnstreiks folgen.
Können weitere Bahnstreiks noch vermieden werden?
Die Fronten zwischen Bahn und GDL scheinen aktuell so verhärtet zu sein, dass man damit eher nicht rechnen sollte. Die Gewerkschaft hatte die Verhandlungen Ende November für gescheitert erklärt. Und das, nach gerade mal zwei Verhandlungsrunden. Die Bahn kritisierte das GDL-Vorgehen scharf. Für zusätzlichen Zündstoff dürften nun noch die bekanntgewordenen Bonuszahlungen für Manager der Bahn sorgen.
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Bahn, trotz Inanspruchnahme der Strompreisbremse, zurückgehaltene Boni an Führungskräfte auszahlen werde. So soll Bahn-Chef Richard Lutz einen Bonus von mehr als 1,26 Millionen Euro für 2022 erhalten. Zuvor galt wegen der staatlichen Hilfe ein Boni-Verbot. „Der Tarifkonflikt wird nach dem Bekanntwerden der Boni keineswegs entschärft. Er wird noch härter“, sagte Weselsky daraufhin dem Tagesspiegel. Schon im November schoss der GDL-Chef in Richtung des Bahn-Managements. „Nieten in Nadelstreifen, mit Millionengehältern, sitzen im Bahntower, machen sich einen Fetten und haben keine Ahnung, wie man eine Eisenbahn organisiert“, sagte er damals.
Worum geht es im Tarifstreit zwischen Bahn und GDL?
Die GDL hat für die Tarifrunde mit der Deutschen Bahn insgesamt 35 Forderungen aufgestellt. Neben mehr Geld und einer Inflationsausgleichsprämie fordert die Gewerkschaft dabei auch eine Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Diese Forderung scheint bislang der größte Knackpunkt der Verhandlungen zu sein. Denn die Bahn hält das aufgrund des Fachkräftemangels für nicht umsetzbar. Die GDL rückt bislang aber ebenfalls nicht von ihrem Standpunkt ab und sieht diese Forderung als wichtigen Punkt, um den Job für die Zukunft attraktiver zu machen. Eine Einigung ist daher aktuell nicht in Sicht. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

