Tesla-Kunden droht Kostenschock: Neue Baumethode hilft wohl vorerst nur Musk
VonPatrick Freiwah
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Tesla ist einer der innovativsten Autohersteller. Bei Elektroautos wendet das Unternehmen ein neues Produktionsverfahren an. Das soll sich gravierend auf die Kosten auswirken.
Austin/München - Reparaturen können bei neuen Autos teuer sein, das gilt mitunter umso mehr für kostenträchtige E-Autos. Bei Tesla erhält demnächst eine innovative Produktionsmethode Einzug, die sich finanziell auf mehrere Arten bemerkbar machen soll. „Gigacasting“ heißt die neue Fertigungsart, die dem Vernehmen nach auch bei anderen Herstellern (darunter Volvo und Toyota) Anwendung finden wird:
Das Fahrzeug-Chassis ist dann nicht mehr aus etwa 70 einzelnen Komponenten zusammengefügt, stattdessen erfolgt die Herstellung zu einem Gußteil aus Aluminium. Das Magazin Auto Straßenverkehr erläutert, wie sich das auf die Kosten von E-Autos wie dem Tesla Model Y auswirken könnte. Denn unter anderem bei dem SUV-Verkaufsschlager soll die neue Produktionsmethode - angeblich auch in Grünheide (Brandenburg) - zum Einsatz kommen.
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Zwar senke dies - und das ist wohl der entscheidende Punkt - die Produktionskosten der Modelle. Andererseits erscheint es fraglich, inwieweit dieser Effekt sich auch auf die Neuwagenpreise auswirkt. Denn in Sachen Reparatur und Versicherungsbeitrag soll die Maßnahme dem Bericht zufolge nicht wirklich kundenfreundlich sein. „Großgussteile müssen bei einem Schaden komplett getauscht werden“, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dieser erhebliche Mehraufwand würde sich unweigerlich auf die Reparaturkosten niederschlagen, als weiterer Effekt würden die Versicherungsbeiträge steigen.
Außerdem ist die Rede davon, dass wesentlich schneller ein wirtschaftlicher Totalschaden drohe, wenn das betroffene Auto schwer beschädigt ist. Die Ausnahme: „Es sei denn, der Hersteller entwickelt ein Reparaturkonzept, bei dem diese Teile mit in Reparaturwerkstätten beherrschbaren Prozessen instandgesetzt werden können“, so Jürgen Redlich, Leiter im Bereich Kfz-Technik beim GDV. Dies sei vonseiten Teslas bis dato jedoch nicht geschehen, führt der Experte aus.
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Das Schweißen von Gussteilen aus Alu würden ihm zufolge lediglich spezialisierte Werkstätten beherrschen. Dass der US-Autobauer schon bald mit einem Reparaturkonzept aufwarten kann, wird bezweifelt: „Die Erarbeitung eines entsprechenden Verfahrens erfordert viele Crashtests, um zu klären, wie eine fachgerechte Reparatur durchzuführen ist.“
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Der Gesprächspartner des GDV nennt ein Positivbeispiel, wie trotz einer innovativen Fertigungsmethode unangenehme Auswirkungen auf die Kfz-Versicherung erspart bleiben: BMW habe bereits länger vor der Markteinführung der Elektro-Ikone i3 mit dem Versicherungsverband ein Reparaturkonzept vereinbart, um eine höhere Einstufung für die Kundschaft zu verhindern. Damals ging es um die serielle Einführung einer Karosserie aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). (PF)