„Arbeiten unter Volldampf“

Traditionsbetrieb in Gefahr: Cyberangriff treibt deutschen Maschinenbauer in Insolvenz

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Die wirtschaftliche Notlage in Deutschland trifft immer mehr Firmen. Jetzt ist ein weiterer Maschinenbauer insolvent. Ein Cyberangriff ist ebenfalls ein Faktor.

Krauschwitz – Die Flaute in der deutschen Wirtschaft hält nun schon seit mehreren Jahren an. Verschärft wurde die Stagnation seit 2019 durch die multiplen Krisen der vergangenen Jahre: Erst die Corona-Pandemie, dann die Energiekrise durch den Ukraine-Krieg, nun die Bedrohung durch mögliche Handelszölle von US-Präsident Donald Trump. Hinzu kommen Fachkräftemangel, Inflation und die grüne Transformation, die Betriebe vor riesige Herausforderungen stellt.

Deutscher Maschinenbauer meldet Insolvenz an: Flaute trifft viele Unternehmen

Wenig überraschend ist es in dieser Lage daher auch, dass zahlreiche Unternehmen in die Knie gezwungen werden. 2024 meldeten laut Creditreform 22.400 Unternehmen eine Insolvenz an, das waren 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch für 2025 gibt es keine erfreuliche Prognose: „Der wirtschaftspolitische Stillstand und die rückläufige Innovationskraft haben den Wirtschaftsstandort Deutschland geschwächt. Daher rechnen wir in 2025 mit einem weiteren Anstieg der Fälle“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Kennen Sie diese Modemarken noch? Diese Firmen sind aus Deutschland verschwunden

22.10.2024, Deutschland, NRW, Einzelhandel, Mode, Die Esprit Filiale am Limbecker Platz in Essen steht vor der Schliessu
Einst war Esprit ein deutsches Vorzeigeunternehmen. Die deutsche Modemarke kannte so gut wie jeder und galt lange als begehrt. Doch dann kam 2024 der Schock: Esprit Europe hat die Insolvenz im Frühsommer angemeldet, bis zum Jahresende wurden alle Läden geschlossen. Die Marke wurde zwischenzeitlich zwar übernommen, doch ein Stück deutsche Geschichte ist damit von der Bildfläche verschwunden.  © IMAGO/D. Kerlekin/Snowfield Photograph
Bench Modelabel *** bench fashion label
Kennen Sie diese Marke noch? In den 2000er Jahren gab es um Bench einen regelrechten Hype. Doch 2018 geriet das britische Unternehmen in Schieflage und meldete Insolvenz an. Das Ladengeschäft wurde abgewickelt und die Marke verschwand aus den Innenstädten. Doch es gibt Bench noch immer: Wer die alte Skateboard-Marke noch vermisst, kann Kleidungsstücke im Online-Store kaufen.  ©  via www.imago-images.de
Escada Store in London Chelsea - LONDON, UNITED KINGDOM - DECEMBER 20, 2022
Sogar Luxusunternehmen sind nicht von den Schwierigkeiten in der Modewelt verschont. Escada gehörte einst zu den bekanntesten Luxuslabels der Welt. Sie wurde 1976 von Margaretha Ley gegründet und war bis in die 1990er Jahre erfolgreich. Escada verkaufte Damenbekleidung, Accessoires, Schmuck und Düfte. Es gab in den 2000er Jahren dann mehrere Insolvenzen, die erste 2009, eine weitere folgte 2020. Escada als Marke existiert zwar heute noch, doch eigene Filialen sind so gut wie verschwunden. Die besten Jahren sind wohl vorbei.  © 4kclips via imago-images.de
Oberhausen, Germany - February 11. 2020: View on entrance of Topshop fashion chain store
Topshop ist eine britische Modefirma, die durch ihren rasenden Erfolg in der Heimat in den 2000er Jahren Filialen auf der ganzen Welt hatte. Topshop war als Fast Fashion Unternehmen bekannt, die ihre Produkte zu Tiefpreisen anbot. Dabei arbeitete die Firma auch mit Berühmtheiten wie Beyoncé und Kate Moss zusammen. 2020 geriet der Mutterkonzern durch die Pandemie aber in Schieflage und meldete in Großbritannien die Insolvenz an. 2021 wurden Topshop von Asos gekauft, die meisten Filialen wurden damals aber schon aufgegeben – auch in Deutschland. Asoso hat 2024 weitere Anteile der Marke verkauft.  © Copyright: xmobilinchenx via ima
Scotch & Soda, Kurfürstendamm, Charlottenburg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin, Deutschland *** Scotch Soda, Kurfürst
An diese Marke müssten sich die meisten noch erinnern können, denn sie ist erst 2024 in die Insolvenz gerutscht. Die niederländische Marke Scotch & Soda hat in diesem Zusammenhang beschlossen, alle deutschen Filialen zu schließen. Hierzulande kann man Kleidung der Marke aber noch online kaufen, zum Beispiel bei Breuninger oder Zalando.  © Schoening via www.imago-images.de
RECORD DATE NOT STATED The Forever 21 store is one of AR Holdings brands EDITORIAL USE ONLY Photography PUBLICATIONxNOT
Forever 21 war eine weitere Erfolgsmarke in der Welt von Fast Fashion. Die US-amerikanische Firma hatte einst Filialen auf der ganzen Welt – auch in Deutschland. 2019 geriet die Firma aber in Schieflage. 178 Geschäfte in den USA mussten damals schließen und es wurden alle Standorte in Europa und Asien komplett aufgegeben. Heute gibt es die Marke nur noch in Amerika.  © IMAGO/PHOTOFILMCR
Paris, France - February 27, 2023: Exterior view of a Promod store, a French clothing company specia
Promod war eine Modemarke aus Frankreich, die 1975 schon gegründet wurde und dort jahrzehntelang erfolgreich war. Die Firma hatte zunächst nur Standorte in Frankreich und Belgien, doch in den 90er Jahren wagte Promod dann die weitere Expansion. 2014 hatte die Marke weltweit über 1000 Filialen in 52 Ländern. Dann kam die Insolvenz und 2016 wurde die Hälfte aller Filialen geschlossen. In Deutschland wurden alle Standorte geschlossen – die Firma bleibt aber in Frankreich noch bestehen.  © HJBC via imago-images.de
Gegen die Firma RENO aus Osnabrueck wurde beim Amtsgericht Hameln ein Insolvenzverfahren eroeffnet, betroffen sind der M
Für den Schuhhändler Reno ging es 2023 in die Insolvenz. Den Händler gibt es tatsächlich auch noch vereinzelt, aber im Zuge des Insolvenzverfahrens wurden die meisten Filialen geschlossen. Alle Standorte im Ausland wurden dichtgemacht und in Deutschland bleiben von den einst 150 Läden nur noch 26.  © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON
Die Hallhuber GmbH ist ein Bekleidungshaus in München, das 1977 gegründet wurde. Es verkauft Oberbekleidung für Frauen.
Dieses 1977 gegründete Unternehmen stand einst auch für Eleganz und Professionalität. Hallhuber war eine deutsche Qualitätsmarke. Doch mit den Jahren ist die Marke immer wieder in die Pleite gerutscht. 2020 hat es eine Insolvenz gegeben, die Firma wurde aber gerettet. Doch das währte nicht lange und 2023 musste ein neues Insolvenzverfahren gestartet werden. Es konnte kein Investor gefunden werden – und die Marke verschwand von der Bildfläche. Wie im Fall von Esprit wurden auch von Hallhuber die Namensrechte gekauft, sodass man Kleidung unter diesem Namen noch kaufen kann. Mit dem Ursprungsunternehmen hat dies aber nichts mehr zu tun.  © IMAGO/Manfred Segerer
P&C exisitiert noch in Deutschland.
Keine Sorge: Peek und Cloppenburg ist nicht verschwunden, die Firma hat ihre Insolvenz im Jahr 2023 erfolgreich abgeschlossen. Es wurden zwar Stellen abgebaut, doch das Kaufhaus existiert noch. Vielmehr steht P&C hier in dieser Reihe für eine Vielzahl an Unternehmen aus der Modebranche, die es erstmal geschafft haben. So wie SportScheck, Galeria, und Gerry Weber, die es ebenfalls jüngst geschafft haben. Die Modebranche befindet sich in ständigem Wandel – einst erfolgreich Unternehmen können von einem Tag auf den anderen verschwinden.  © IMAGO/imageBROKER/Wilfried Wirth

Besonders betroffen sind die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe. Seit 2021 sind die Insolvenzen in der Autobranche, im Maschinenbau sowie in der Metallverarbeitung und ähnlichen Bereichen um 80 Prozent angestiegen. Am härtesten trifft es laut Creditreform aktuell kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.

Maschinenbauer aus Sachsen ist insolvent: Unternehmen mit 112 Jahren Geschichte

In die Reihe der Unternehmensinsolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe reiht sich nun auch die Firma Kreisel GmbH &Co. KG aus dem sächsischen Krauschwitz. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, hat die Firma am 31. Januar eine Sanierung in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Dresden eröffnet. Das Unternehmen blickt auf eine 112-jährige Geschichte zurück und hat aktuell 139 Mitarbeiter, die an vier Standorten in Deutschland arbeiten. Kreisel GmbH & Co. KG ist ein Anlagenbauer mit einer besonderen Spezialisierung auf Schüttguttechnik.

Flaute im Maschinenbau hält an. (Archivbild)

Unterstützt wird die Firma von Rechtsanwalt und Steuerberater Enrico Schwartz von der Kanzlei Schwartz Consulting. Er blickt optimistisch auf die Zukunft des Unternehmens: „Alle Zeichen stehen für Kreisel auf Neuaufstellung. Die Weichen dafür wurden mit der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Auszahlung der Löhne und Gehälter über das vorfinanzierte Insolvenzgeld bereits gestellt. Jetzt arbeiten wir unter Volldampf an einer Lösung, bleiben dabei aber ergebnisoffen. Die Neuaufstellung des Unternehmens über einen Insolvenzplan ist für uns ebenso eine Option wie die übertragende Sanierung durch einen Investor“, so Schwartz laut Mitteilung. Die Gläubigerinteressen werden von Rüdiger Wienberg als Sachwalter vertreten.

Insolvenz von Kreisel GmbH & Co. KG: Cyberangriff legte Firma 2024 lahm

In Schieflage geraten ist Kreisel GmbH & Co. KG auf der einen Seite durch die eingangs erwähnten Krisen, die alle Unternehmen gerade beschäftigen, aber auch durch einen Cyberangriff im ersten Quartal des Jahres 2024, der die Firma lahmgelegt hat. Die Firma war dadurch über mehrere Wochen nur eingeschränkt handlungsfähig. Nun sucht der insolvente Maschinenbauer einen Investor. Die Suche dafür laufe schon auf Hochtouren.

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa

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