Traditionsbetrieb in Gefahr: Cyberangriff treibt deutschen Maschinenbauer in Insolvenz
VonAmy Walker
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Die wirtschaftliche Notlage in Deutschland trifft immer mehr Firmen. Jetzt ist ein weiterer Maschinenbauer insolvent. Ein Cyberangriff ist ebenfalls ein Faktor.
Krauschwitz – Die Flaute in der deutschen Wirtschaft hält nun schon seit mehreren Jahren an. Verschärft wurde die Stagnation seit 2019 durch die multiplen Krisen der vergangenen Jahre: Erst die Corona-Pandemie, dann die Energiekrise durch den Ukraine-Krieg, nun die Bedrohung durch mögliche Handelszölle von US-Präsident Donald Trump. Hinzu kommen Fachkräftemangel, Inflation und die grüne Transformation, die Betriebe vor riesige Herausforderungen stellt.
Deutscher Maschinenbauer meldet Insolvenz an: Flaute trifft viele Unternehmen
Wenig überraschend ist es in dieser Lage daher auch, dass zahlreiche Unternehmen in die Knie gezwungen werden. 2024 meldeten laut Creditreform 22.400 Unternehmen eine Insolvenz an, das waren 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch für 2025 gibt es keine erfreuliche Prognose: „Der wirtschaftspolitische Stillstand und die rückläufige Innovationskraft haben den Wirtschaftsstandort Deutschland geschwächt. Daher rechnen wir in 2025 mit einem weiteren Anstieg der Fälle“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
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Besonders betroffen sind die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe. Seit 2021 sind die Insolvenzen in der Autobranche, im Maschinenbau sowie in der Metallverarbeitung und ähnlichen Bereichen um 80 Prozent angestiegen. Am härtesten trifft es laut Creditreform aktuell kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.
Maschinenbauer aus Sachsen ist insolvent: Unternehmen mit 112 Jahren Geschichte
In die Reihe der Unternehmensinsolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe reiht sich nun auch die Firma Kreisel GmbH &Co. KG aus dem sächsischen Krauschwitz. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, hat die Firma am 31. Januar eine Sanierung in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Dresden eröffnet. Das Unternehmen blickt auf eine 112-jährige Geschichte zurück und hat aktuell 139 Mitarbeiter, die an vier Standorten in Deutschland arbeiten. Kreisel GmbH & Co. KG ist ein Anlagenbauer mit einer besonderen Spezialisierung auf Schüttguttechnik.
Unterstützt wird die Firma von Rechtsanwalt und Steuerberater Enrico Schwartz von der Kanzlei Schwartz Consulting. Er blickt optimistisch auf die Zukunft des Unternehmens: „Alle Zeichen stehen für Kreisel auf Neuaufstellung. Die Weichen dafür wurden mit der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Auszahlung der Löhne und Gehälter über das vorfinanzierte Insolvenzgeld bereits gestellt. Jetzt arbeiten wir unter Volldampf an einer Lösung, bleiben dabei aber ergebnisoffen. Die Neuaufstellung des Unternehmens über einen Insolvenzplan ist für uns ebenso eine Option wie die übertragende Sanierung durch einen Investor“, so Schwartz laut Mitteilung. Die Gläubigerinteressen werden von Rüdiger Wienberg als Sachwalter vertreten.
Insolvenz von Kreisel GmbH & Co. KG: Cyberangriff legte Firma 2024 lahm
In Schieflage geraten ist Kreisel GmbH & Co. KG auf der einen Seite durch die eingangs erwähnten Krisen, die alle Unternehmen gerade beschäftigen, aber auch durch einen Cyberangriff im ersten Quartal des Jahres 2024, der die Firma lahmgelegt hat. Die Firma war dadurch über mehrere Wochen nur eingeschränkt handlungsfähig. Nun sucht der insolvente Maschinenbauer einen Investor. Die Suche dafür laufe schon auf Hochtouren.