Chinesischer Konkurrent schnappt sich deutsches Traditionsunternehmen – Mitarbeiter in Sorge
VonJulian Baumann
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Beyerdynamic, bekannter Audio-Spezialist, wird von chinesischem Konkurrenten aufgekauft. Die Übernahme löst massive Unruhe bei den Mitarbeitern aus.
Heilbronn – Nachdem erst vor wenigen Tagen ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg von einem chinesischen Konzern übernommen wurde, erwischt es nun auch ein deutsches Traditionsunternehmen aus dem Südwesten. Bereits seit einigen Tagen geisterte hauptsächlich durch die Fachpresse das Gerücht, dass das chinesische Technologieunternehmen Cosonic Intelligent den bekannten Elektroakustikhersteller Beyerdynamic mit Sitz in Heilbronn (Baden-Württemberg) übernehmen könnte. Eine solche Übernahme ist inzwischen offiziell bestätigt, aber was bedeutet das konkret für die 360 Mitarbeiter?
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Das Traditionsunternehmen Beyerdynamic wurde im Jahr 1924 von dem in Stockholm (Schweden) geborenen und in St. Petersburg (Russland) aufgewachsenen Eugen Beyer in Berlin gegründet und entwickelte sich schnell zu einem führenden Hersteller von Kopfhörern und Mikrofonen. Nach der Zerstörung der Berliner Fabrik im Zweiten Weltkrieg siedelte das Unternehmen im Jahr 1948 in die baden-württembergische Großstadt Heilbronn um. Endet mit der Übernahme durch Cosonic Intelligent nun eine 100-jährige deutsche Firmentradition?
China-Konkurrent schluckt Traditionsunternehmen Beyerdynamic – Vertrag ist unterzeichnet
Sowohl in Deutschland als auch in China wurden bereits ab dem 5. Juni Artikel publiziert, die über die geplante Übernahme von Beyerdynamic durch Cosonic Intelligent für die Summe von 122 Millionen Euro berichteten. Gegenüber der Heilbronner Stimme bestätigte das Traditionsunternehmen nun, dass die Gesellschafter alle Anteile an dem Spezialisten für Elektro- und Audioakustik an den chinesischen Konkurrenten verkauft haben. Die 360 Mitarbeiter am Stammsitz in der Heilbronner Theresienstraße wurden demnach bereits informiert und der Kaufvertrag unterzeichnet. Die behördliche Genehmigung für die Übernahme steht noch aus.
Name
beyerdynamic GmbH & Co. KG
Gründung
1924 in Berlin
Sitz
Heilbronn, Baden-Württemberg
Branche
Audiotechnik / Elektroakustik
Mitarbeiter
375, davon rund 360 am Hauptsitz (2025)
Aktuell werden Unternehmen vor allem aus einer Zahlungsunfähigkeit heraus von Konkurrenten oder Investoren übernommen, bei Beyerdynamic gestaltet sich die Sachlage aber anders. „Die Gesellschafter haben erkannt, dass die zukünftigen Investitionen mit der aktuellen Struktur nicht finanzierbar sind und haben sich deshalb dazu entschieden, das Unternehmen an einen Interessenten zu verkaufen, der die 100-jährige Geschichte von Beyerdynamic nicht nur weiterführen, sondern auch voranbringen wird, um in den internationalen Märkten weiterhin bestehen zu können“, erklärte Geschäftsführer Andreas Rapp auf Anfrage der Stimme.
Beyerdynamic-Übernahme soll für Mitarbeiter nichts ändern – Betriebsrat und IG Metall skeptisch
Laut dem Geschäftsführer soll die Übernahme demnach nicht eine 100-jährige Firmengeschichte beenden, sondern diese erfolgreich fortführen. Auch für die 360 Mitarbeiter in Heilbronn sowie für die Angestellten an den weiteren Standorten soll sich laut Rapp nichts ändern. „Alle Verträge und Vereinbarungen haben weiterhin ihre Gültigkeit“, erklärte er. Zudem sei Cosonic Intelligent sehr am Standort Heilbronn interessiert. „Beyerdynamic wird auch in Zukunft als selbstständiges Unternehmen agieren“, erklärte der Geschäftsführer weiter. So weit, so gut also?
Die IG Metall und der Betriebsrat von Beyerdynamic in Heilbronn sind davon offenbar nicht ganz überzeugt. Der Betriebsratsvorsitzende Johann Albach erklärte gegenüber der Stimme, dass der Verkauf sehr überraschend gekommen sei und es zuvor auch keinerlei Anzeichen für einen solchen gegeben habe. „Das ist schon sehr ungewöhnlich“, sagte er und erklärte, dass die Belegschaft sehr beunruhigt sei. „Wir erwarten von der Geschäftsführung, dass sie den Betriebsrat stärker mit einbezieht, und wir erwarten ein Standortbekenntnis.“