VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Am Montag rief ein Netzbetreiber in Baden-Württemberg zum Stromsparen auf. Die Leitungen waren ausgelastet. Ein wiederkehrendes Problem – und das Wetter ist schuld.
Stuttgart – Zum Wochenbeginn hatte der Baden-Württembergische Netzbetreiber TransnetBW die Bevölkerung zum Stromsparen aufgerufen. Die Maßnahmen sollten zwischen 6 Uhr und 14 Uhr anhalten. Als Grund nannte der Betreiber Stromengpässe in den Leitungen, die jederzeit wieder auftauchen könnte – sobald es in Norddeutschland stürmt.
| Kosten von Netzengpassmaßnahmen 2022 | 4,2 Milliarden Euro |
| Netzkosten im Durchschnitt | 529 Euro |
| Erhöhung der Netzkosten im Durchschnitt (2024) | 24 Prozent |
Sturm im Norden führt zu Stromengpässen im Süden
Der Grund für diese Sparmaßnahme war der starke Wind im Norden Deutschlands. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin von TransnetBW mit, dass die Windparks im Norden viel Strom ins Netz eingespeist hatten – durch das hohe Stromangebot sanken dann die Großhandelspreise an der Strombörse. Daraufhin hatten Marktteilnehmer im Süden der Nation, etwa die Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken, die Chance ergriffen und sich mit günstigem erneuerbaren Strom eingedeckt.
„Das bestehende Stromnetz ist für diese windreichen Stunden noch nicht ausgelegt“, erklärte TransnetBW dazu. „Netzengpass-Situationen drohen die Leitungen zu überlasten.“ Damit die eingekauften Strommengen bei den Käufern ankommen, weise TransnetBW Kraftwerke im Süden an, die Stromproduktion anzupassen. Dafür setze der Betreiber meistens konventionelle Kraftwerke ein.
„Wenn der Netzausbau nicht mit den erneuerbaren Energien Schritt hält, wird es zu Engpässen kommen“
Für den Fall, dass das innerdeutsche Potenzial nicht ausreicht – wie es zum Beispiel am Montag geschah – holt TransnetBW Stromimporte aus dem Ausland dazu. In Fachkreisen heißt dieses Netzengpassmanagement Redispatch. „Solang der Netzausbau nicht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt hält, wird es wie in den vergangenen Jahren zu mehr Netzengpässen kommen“, erklärte die Unternehmenssprecherin.
Schon im vergangenen Januar war es zu Engpässen bei der Stromversorgung und zu einem Aufruf zum Stromsparen gekommen. Eine Lösung sieht TransnetBW vorrangig im Ausbau des Übertragungsnetzes: „Insgesamt besteht bis 2037 ein Bedarf von über 20.000 Kilometern an neu zu bauenden oder zu erneuernden Höchstspannungsleitungen.“ Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben dazu einen ausführlichen Netzentwicklungsplan vorgelegt.
Stromnetz bleibt stabil – auf Kosten der CO₂-Bilanz
Trotz dieser zeitweiligen Überlastungen versicherte TransnetBW, dass das Stromnetz weiter stabil bleibt. Den Übertragungsnetzbetreibern stünden „viele Instrumente“ zur Verfügung, die sie nutzen können, sobald ein Stromüberschuss aus dem Norden kommt. „In diesem Fall wurde kurzfristig 1 Gigawatt Redispatch-Leistung aus der Schweiz abgerufen, um den Netzengpass zu beheben“, sagte die Sprecherin uns auf Anfrage. Diese Maßnahmen seien jedoch kostenintensiv – und nicht gut für die CO₂-Bilanz.
„Für Netzengpassmaßnahmen wurden im Jahr 2022 in Deutschland 4,2 Milliarden Euro ausgegeben“, lässt TransnetBW verlauten. Am Ende landen diese Kosten beim Bürger selbst – umgelegt auf die Netzentgelte, die in diesem Jahr wieder gestiegen sind. Wenn ausreichend Bürger ihren Stromverbrauch von den kritischen Netzengpass-Phasen in andere Zeiten verschöben, würde das sowohl die Kosten für die Allgemeinheit als auch die CO₂-Emissionen senken.
„Stromabschaltungen waren zu keiner Zeit zu befürchten“
Zu Stromabschaltungen, da gibt der Netzbetreiber Entwarnung, kam es nicht und sie waren „zu keiner Zeit zu befürchten“. Aufgrund der Masse an verschiedenen Mitteln der Betreiber kann das Stromnetz auch in Engpasssituationen stabil bleiben. „Erst, wenn all diese Möglichkeiten ausgeschöpft wären, müssten sie die Verteilnetzbetreiber anweisen, Strom vorübergehend für wenige Stunden und nur regional begrenzt abzuschalten.“
