VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die Wirtschaft der Ukraine soll schwächer wachsen. Eine wichtige Bank passt die entsprechende Prognose an. Das steckt dahinter.
Kiew – Erst vor wenigen Tagen bekam die Ukraine eine weitere Tranche über eine Milliarde Euro von der Europäischen Union. Diese speiste sich aus Gewinnen, die ein Schatz eingefrorenen russischen Vermögens generiert. Gleichzeitig erstarkt die Hoffnung, dass die Regierung unter Neukanzler Friedrich Merz (CDU) Taurus-Raketen an die Ukraine liefern könnte. Es sieht jedoch nicht nur rosig für die Ukraine aus: Ihre Wirtschaft ist laut Prognose angeschlagener als gedacht.
Ukraine-Wirtschaft schwächer als gedacht? – Bank passt Prognose an
Jetzt hat die European Bank for Development and Reconstruction (EBRD) ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum der Ukraine angepasst. Dieses soll im laufenden Jahr nur noch um 3,3 Prozent steigen, statt um – wie vorher prognostiziert – um 3,5 Prozent. Das teilte die Bank am 13. Mai mit. Unter anderem seien dafür die weltweiten Verwerfungen im Handel verantwortlich. Diese hätten die ohnehin schon schweren wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich für die Ukraine aus dem russischen Angriffskrieg ergeben, noch verschlimmert.
Es ist nicht die erste Anpassung, die die EBRD für die Ukraine vornimmt. Schon im Februar senkte die Bank den wirtschaftlichen Ausblick. Damals schraubte sie das prognostizierte Wachstum der Ukraine-Wirtschaft von 4,7 Prozent auf 3,5 Prozent herunter. Gleichzeitig geht die Bank davon aus, dass die ukrainische Wirtschaft im Jahr 2026 um 5,0 Prozent wachsen soll. Dafür seien aber erfolgreiche Friedensverhandlungen und Rekonstruktionsmaßnahmen notwendig.
Inflation und russische Angriffe schwächen ukrainische Wirtschaft – in anderen Sektoren „stabiles Wachstum“
Neben den Handelshemmnissen nannte die EBRD die hohe Inflation in der Ukraine und eine wirtschaftliche Verlangsamung als Gründe für die neue Einschätzung. Außerdem tragen Engpässe bei der Elektrizität, die sich aus russischen Angriffen ergeben, schwache Ernten und akuter Arbeitskräftemangel zu der schwächelnden Wirtschaft bei. Die ukrainische Zentralbank musste den Leitzins zuletzt auf 15,5 Prozent heben. Im März noch stand die ukrainische Inflationsrate bei 14,6 Prozent.
Gleichzeitig aber hätten andere Sektoren ein erstaunliches Wachstum hingelegt. „Während die Landwirtschaft, Energieproduktion und der Handel zurückgingen, haben andere Sektoren ein stabiles Wachstum gezeigt, und das trotz der herausfordernden Umstände und dem Krieg“, hieß es in einem Statement der Bank.
OECD fordert „Verringerung der Steuerlast“ – Chance für Ukraines Wirtschaft?
Die internationalen Handelsbeziehungen stecken seit Anfang April in einer Zerreißprobe. Am sogenannten „Liberation Day“ hat US-Präsident Donald Trump auf Dutzende Nationen hohe Zölle gelegt, die bei der Einfuhr ihrer Waren fällig werden. Die Ukraine hatte dabei lediglich den Basiszoll von zehn Prozent abgekriegt; auf Stahlprodukte galt ohnehin bereits ein 25-prozentiger Zoll.
Aus der Ukraine selbst kamen Anfang des Jahres noch etwas pessimistischere Töne. Der ukrainische Regierungsoffizielle Andrii Teliupa sagte im Januar noch, dass das Wirtschaftswachstum der Ukraine sich 2025 auf 2,7 Prozent verlangsamen werden. Die Regierung versuche, weiter Mittel in die ukrainischen Unternehmen zu pumpen, die sich gerade an die kriegsbedingten Herausforderungen anpassen.
Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gab in einer Analyse an, die Ukraine müsse, um eine nachhaltige Haushaltspolitik zu erreichen, inländische Einnahmen mobilisieren, die Ausgabeneffizienz verbessern und nachhaltige externe Unterstützung sichern. „Eine Verringerung der Steuerlast und eine Einschränkung vereinfachter Steuersysteme würden die Einnahmen erhöhen und Steuerverzerrungen verringern“, hieß es in einer Analyse. Währenddessen investieren deutsche Unternehmen weiter stark in die Ukraine.
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