VonLisa Mayerhoferschließen
Die Deutschen sollen angesichts des Fachkräftemangels nicht so früh in Rente gehen, fordern zahlreiche Politiker und Ökonomen. Dabei gehen die Menschen hierzulande im Schnitt immer später in Rente.
Berlin – Die sogenannte „Rente mit 63“ steht immer wieder zur Diskussion: Angesichts des Fachkräftemangels wollen zahlreiche Politiker, Arbeitgeber-Vertreter und Ökonomen die Möglichkeit, ohne Abschläge früher in den Ruhestand zu gehen, abschaffen. Die Menschen in Deutschland gehen aber jetzt schon im Schnitt immer später in Rente.
Rentenatlas: Menschen in Deutschland gehen immer später in Rente
So stieg im vergangenen Jahr das Alter des Rentenbeginns im Schnitt auf 64,4 Jahre, wie der neue Rentenatlas der Rentenversicherung zeigt. Das liegt nicht nur an der schrittweisen Anhebung des Rentenalters auf 67. Ein weiterer wichtiger Grund für den Anstieg ist, dass die Altersgrenze für eine abschlagsfreie Rente – auch etwas irreführend „Rente mit 63“ genannt – für besonders langjährige Versicherte gestiegen ist, wie ein Sprecher der Rentenversicherung in Berlin sagte.
Was ist die „Rente mit 63“?
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren galt zunächst als „Rente mit 63“, weil Menschen mit Geburtsjahr vor 1953 so bereits mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen konnten. Im vergangenen Jahr lag die Altersgrenze bei 64 Jahren. Ab Geburtsjahrgang 1964 gibt es die abschlagsfreie Rente dann frühestens mit 65 Jahren.
Laut Rentenatlas lag das Zugangsalter zu Altersrenten bei Männern im Jahr zuvor noch 64,1 Jahren und 2001 erst bei 62,4 Jahre. Bei den Frauen stieg das Rentenzugangsalter von 62,5 Jahren 2001 und 64,2 Jahren 2021 auf wie bei den Männern 64,4 Jahre im vergangenen Jahr.
Gleichzeitig haben die Rentnerinnen und Rentner in den vergangenen Jahren aber im Schnitt immer länger ihre Bezüge erhalten. Bei den Männern stieg die Dauer des Rentenbezugs binnen zehn Jahren von 16,7 auf 18,8 Jahre im vergangenen Jahr und blieb damit im Vergleich zum Vorjahr konstant. Die Frauen erhielten im Schnitt 22,2 Jahre lang ihre Rente, etwas länger als im Vorjahr und knapp ein Jahr länger als zehn Jahre zuvor.
Rente: Finanzierungsprobleme und Fachkräftemangel durch demographischen Wandel
Doch Politik wie Ökonomen treibt das Problem herum, dass nun immer mehr ältere Menschen über einen immer längeren Zeitraum auf immer weniger Erwerbstätige kommen. Denn der demographische Wandel macht das Rentensystem damit immer teurer, bis es sich kaum mehr finanzieren lässt. Mit Blick auf die enormen Summen, die die Rentenkasse aus Beiträgen und Steuern braucht, fordert unter anderem der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger deshalb schon länger eine sofortige Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährige Versicherte.
Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, hatte vergangene Woche in einem Interview zudem eine Abschaffung von Frühverrentungsprogrammen für ältere Beschäftigte in deutschen Firmen ins Spiel gebracht. Die Beschäftigungsquoten Älterer seien zwar seit 2015 spürbar gestiegen – bei den Senioren stecke aber noch ein erhebliches Arbeitskräftepotenzial gegen den Fachkräftemangel.
Mit Material der dpa
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