Trump-Zölle treffen Schweiz: Börsenkurse auf Talfahrt – Bundesrat erörtert Not-Deal
VonJakob Koch
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Trumps geplante Zölle drücken die Börsen der Schweiz ins Minus. Unternehmen machen Druck auf die Regierung. Kommt es doch noch zur Einigung?
Update 22.23 Uhr: Die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hat in einem diplomatischen Telefonat mit Donald Trump am 31. Juli offenbar einen diplomatischen Eklat verursacht, der zu den drastischen 39-Prozent-Strafzöllen für die Schweiz führte. Das 35-minütige Gespräch, das ursprünglich die drohenden Zölle abwenden sollte, eskalierte, als Keller-Sutter Trump „oberlehrerhaft“ über das Handelsdefizit zwischen beiden Ländern belehren wollte. Trump reagierte zunehmend ungehalten auf diese Erklärungen, und eine Person aus seinem Umfeld schickte sogar eine Notfall-SMS mit der Warnung „Beendet das Gespräch!“ an eine Schweizer Staatssekretärin.
Streit um Trump-Zölle: „Die Schweiz ist in Geiselhaft der Pharmaindustrie“
Update 19.25 Uhr: Trumps Zollankündigungen führen zu Spannungen zwischen verschiedenen Schweizer Industriezweigen, wobei die Pharmaindustrie eine zentrale Rolle spielt. Die großen Medikamentenhersteller sind hauptverantwortlich für den Handelsüberschuss mit den USA, da etwa 60 Prozent ihrer Exporte dorthin gehen, sind aber aktuell von den Tarifen ausgenommen. Breitling-Geschäftsführer Georges Kern kritisierte gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung diese Situation scharf: „Die Schweiz ist in Geiselhaft der Pharmaindustrie“ und „Zynischerweise ist die Pharma, welcher wir die Situation zu verdanken haben, von den hohen Zöllen vorerst ausgenommen.“ Doch auch die Pharmaunternehmen könnten bald von Zöllen betroffen sein, nachdem Trump am Wochenende Briefe an Pharmakonzerne verschickt und deutliche Preissenkungen gefordert hat.
News zu Trump-Zöllen: Aktienkurse in der Schweiz auf Talfahrt – Unternehmen machen Druck
Update 18.30 Uhr: Trumps Zolldrohungen haben bereits deutliche Auswirkungen auf die Schweizer Börsen: Am Montag fielen die Aktienwerte auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten, der Schweizer Leitindex SMI um 0,8 Prozent. Die zehn größten Verlierer im europäischen Index STOXX 600 waren Schweizer Unternehmen, darunter die Luxusunternehmen Richemont und Swatch sowie die Pharmakonzerne Novartis und Roche.
Swatch-Chef Nick Hayek forderte Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter zu einem raschen Treffen mit Trump auf: „Sie sollte das Flugzeug nehmen und nach Washington fliegen. Das würde die Chancen auf eine Einigung enorm erhöhen.“ Die Schweizer Regierung setzt auf schnelle Nachverhandlungen und will das Schweizer Angebot an die USA überarbeiten, bevor die Zölle am Donnerstag in Kraft treten. Konjunkturexperten prognostizieren, dass das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz um mindestens etwa 0,7 Prozent sinken würde, sollten die US-Zölle auch für Pharmakonzerne gelten. Hayek zeigte sich dennoch optimistisch: „Es ist nicht der Weltuntergang. Natürlich kann eine Einigung erzielt werden.“
Update 4. August, 18.19 Uhr: US-Präsident Donald Trump droht der Schweiz mit Einfuhrzöllen von 39 Prozent, die bereits am Donnerstag in Kraft treten sollen - deutlich höher als die für die EU angekündigten Zölle. Konjunkturexperten erwarten bei entsprechenden Zöllen auf Medikamente und Pharmaprodukte einen BIP-Rückgang von mindestens 0,7 Prozent. Der Schweizer Bundesrat traf sich am Montag zu einer Krisensitzung und will „den USA in dieser neuen Verhandlungsphase ein noch attraktiveres Angebot zu unterbreiten“. Laut Schweizer Medien denkt man dabei an zusätzliche Investitionen in den USA, Verhandlungen über Medikamentenpreise oder Zollsenkungen für Rindfleisch.
Als Reaktion auf die Zolldrohung bereitet sich der Molkereikonzern Emmi bereits auf den Ernstfall vor und erhöht die Preise für aus der Schweiz importierte Käsesorten mit geschützter Herkunftsbezeichnung wie Gruyère auf dem US-Markt. Dies betrifft besonders den für Gruyère wichtigsten internationalen Absatzmarkt, wo erst vor wenigen Wochen neue Rekordexporte gefeiert wurden. Die Boulevardzeitung Blick orakelte angesichts der Preiserhöhungen bereits: „Das dürfte amerikanischen Käseliebhabern gar nicht schmecken!“
Update, 14.26 Uhr: Nachdem US-Präsident Donald Trump die Schweiz mit Zöllen von 39 Prozent belegen will, sieht ein Experte ein gefährliches Szenario für das Land. Hans Gersbach, Co-Direktor der Schweizer Konjunkturforschungsstelle KOF schloss gegenüber dem Spiegel eine Rezession nicht aus. Wenn die Zölle auch für die Pharmabranche gelten, was der wichtigste Exportsektor sei, würde das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz um 0,7 Prozent sinken, sagte Gersbach.
Wenn die Zölle länger in Kraft blieben, könnte es sogar „noch schlimmer kommen“, so der Ökonom. Die Wirtschaft in der Schweiz könne um mehr als ein Prozent schrumpfen. „Es besteht die Gefahr einer Rezession. Es würden auch zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen“, schilderte Gersbach dem Spiegel.
Angesprochen darauf, was die Schweiz „falsch gemacht“ habe, dass Trump mit einem derartig hohen Zollsatz droht, stellt der Experte klar: „Wir haben nun mal eins der größten Handelsdefizite im Warenhandel mit den USA, das ist kein Geheimnis.“ Trump wolle jetzt „die maximale Drohkulisse aufbauen“, um Zugeständnisse von der Schweiz zu bekommen. Man habe sich eigentlich auf einem guten Weg gefühlt, es habe Gespräche über ein Abkommen gegeben. „Aber Trump will den Konflikt eskalieren und der Schweiz vor Augen führen, was es kostet, Zutritt zum amerikanischen Markt zu bekommen. Er will herausfinden, welchen Preis wir dafür zu zahlen bereit sind.“
Trump belegt Länder mit neuen Zöllen
Update, 13.35 Uhr: Auf Importe dieser Länder werden folgende Zölle erhoben (Auswahl):
Europäische Union
15 Prozent
Großbritannien
10 Prozent
Schweiz
39 Prozent
Israel
15 Prozent
Indien
25 Prozent
Brasilien
50 Prozent
Update, 9.34 Uhr: Die Schweiz zeigt sich erschüttert über die drastischen Zollmaßnahmen aus den USA. Sie findet sich auf der neuen US-Liste mit 39 Prozent Abgaben auf Schweizer Exporte in die USA wieder. Das übersteigt die schlimmsten Erwartungen. Im April hatte US-Präsident Trump noch 31 Prozent für die Schweiz angesetzt.
Die Regierung nehme dies mit großem Bedauern zur Kenntnis, teilte sie mit. Die erhoffte Einigung auf einen niedrigeren Satz blieb aus, wie Bundespräsidentin Karin Keller-Suter auf der Plattform X schrieb .Für die EU gilt ein Zollsatz von 15 Prozent. Alles soll nach derzeitigem Stand am 7. August in Kraft treten.
Erstmeldung: Washington/Mar-a-Lago – Die Erleichterung dürfte nur von kurzer Dauer sein: US-Präsident Donald Trump hat das Inkrafttreten seiner angekündigten Mega-Zölle um eine Woche verschoben. Statt am 1. August 2025 treten die neuen Strafzölle erst am 7. August in Kraft. Ein US-Berufungsgericht prüft derzeit noch die Rechtmäßigkeit der Zölle.
Trump-Zölle News: Schweiz mit 39 Prozent belegt – schwere Zeiten brechen an
Und auch die neuen Zollsätze haben es in sich: Kanada wird mit 35 Prozent Strafzöllen belegt, die Schweiz sogar mit 39 Prozent. Trump begründete die harten Maßnahmen gegen Kanada damit, dass das Land bei der Bekämpfung des Fentanyl-Schmuggels nicht kooperiert habe. Brasilien trifft es mit 50 Prozent am härtesten, während für die EU 15 Prozent gelten sollen. Trump begründet die Verzögerung damit, dass den Grenz- und Zollbehörden Zeit gegeben werden soll, das neue System umzusetzen.
Experten warnen vor Folgen der Trump-Zölle – auch für die USA
Ökonomen warnen bereits vor den verheerenden Folgen für Verbraucher und Unternehmen. Viele Experten erwarten, dass US-Verbraucher und Firmen mindestens einen Teil der enormen Kosten tragen werden, die durch die neuen Zölle entstehen. Die Preise für importierte Waren dürften drastisch steigen – von Elektronik über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln. Für Amerikaner werden Pakete teurer – wen Trumps Zoll-Entscheidung besonders trifft.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Besonders hart trifft es Unternehmen, die auf Importe angewiesen sind. Trump hatte bereits im April 2025 wegen des hohen Handelsdefizits erste Zölle eingeführt. Die jetzige Verschärfung bringt viele Firmen an den Rand der Verzweiflung.
Wie hoch sind die Zölle von Amerika nach Deutschland?
Statt der ursprünglich geplanten 20 Prozent Strafzölle gelten für Deutschland als EU-Mitglied ab dem 7. August nur 15 Prozent Zölle auf Waren, die in die USA exportiert werden. Vor kurzem konnte die EU eine Einigung mit Trump erzielen. Im Gegenzug verpflichtete sich die Europäische Union zum Kauf amerikanischen Flüssiggases und Militärtechnik im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar. Damit kommt Deutschland glimpflicher davon als andere Länder. Doch Nach „größtem Zoll-Deal von allen“ droht das Abkommen noch zu kippen.
Wichtige Handelspartner haben noch Fristverlängerungen für weitere Verhandlungen erhalten. Pakistan, Thailand und Kambodscha sollen sich kurz vor Fristende auf Handelsabkommen verständigt haben – Details zu den beschlossenen Zollsätzen sind jedoch noch nicht bekannt.
Die einwöchige Verschiebung gibt Unternehmen noch Zeit für letzte Vorbereitungen. Importeure sollten ihre Lieferketten überprüfen und alternative Beschaffungswege prüfen. Der 7. August wird zum Stichtag für eine neue Ära im Welthandel.