Drohender Handelskrieg

Trump-Zölle: USA vor Rezession? Präsident und Handelsminister verwirren mit gegenteiligen Aussagen

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Donald Trump wirbelt die internationale Politik durcheinander. Seine neuen Zölle sorgen weltweit für Aufsehen. Doch die Auswirkungen könnten die USA selbst hart treffen.

Berlin – US-Präsident Donald Trump wirbelt weiterhin wie ein Orkan durch die globale Politik und stellt langjährig etablierte Prozesse komplett auf den Kopf. Vor allem die neu eingeführten Zölle auf ausländische Produkte verursachen weltweit erhebliche Beunruhigung. Gleichzeitig stellt sich die kritische Frage, ob nicht letztendlich die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger selbst am schwersten unter den Eingriffen in die Marktwirtschaft leiden werden.

Die USA seien „von fast jedem Land der Welt betrogen worden“ – so rechtfertigt Trump seine Zollpolitik. Er beschuldigt zudem Länder wie Mexiko und Kanada, nicht entschieden genug gegen den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten vorzugehen. Diese Vorwürfe reichten Trump als Begründung, um Zölle von 25 Prozent auf sämtliche Importe aus Mexiko und Kanada sowie 20 Prozent auf alle Einfuhren aus China anzukündigen. Allerdings werden durch die zu erwartenden Vergeltungszölle aus dem Ausland neben den Unternehmen vermutlich auch die amerikanischen Verbraucher erheblich belastet werden.

Trump bereitet USA auf mögliche Wirtschaftskrise vor

Führt Donald Trump die USA also in eine Rezession? Hierzu folgte am Sonntagabend eine bemerkenswerte Aussage – direkt vom US-Präsidenten selbst. „Ich hasse es, Dinge so vorherzusagen“, erklärte Trump am Sonntag in einem Interview mit dem konservativen Sender Fox News auf die Frage, ob er mit einer Rezession in den USA rechne. Stattdessen betonte Trump: „Es gibt eine Übergangszeit, denn was wir tun, ist sehr groß – wir bringen den Wohlstand zurück nach Amerika“, sagte Trump. „Es braucht ein wenig Zeit“, fügte er hinzu.

US-Präsident Donald Trump hält eine Rede im Oval Office des Weißen Hauses.

Besonders bezeichnend für das Durcheinander in der Trump-Administration ist jedoch die Tatsache, dass Trumps eigener Handelsminister Howard Lutnick eine völlig gegensätzliche Position vertritt. Ebenfalls am Sonntagabend antwortete Lutnick bei NBC auf die Frage, ob sich Amerikanerinnen und Amerikaner auf eine Rezession vorbereiten müssen: „Absolut nicht“.

Trump im Zickzackkurs durch die US-Wirtschaft: Experten zurückhaltend

Erst vergangenen Donnerstag hatte Trump im Zollkonflikt mit Mexiko und Kanada einen Rückzieher gemacht und die Strafzölle gegen beide Nationen teilweise aufgehoben. Trumps unberechenbarer Kurs verunsichert die Verbraucher in den USA, da die offensichtlichsten Folgen seiner Zollpolitik die Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten betreffen dürften. Zusätzliche Verunsicherung entsteht durch den massiven Stellenabbau in staatlichen Behörden, der vom US-Präsidenten und seinem Berater Elon Musk energisch vorangetrieben wird.

Angesichts dieser Unwägbarkeiten halten sich Wirtschaftsexperten mit konkreten Prognosen weitgehend zurück. Die Analysten von Goldman Sachs haben aufgrund von Trumps Politik die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden zwölf Monaten von 15 Prozent auf 20 Prozent angehoben. Der US-Risikokapitalgeber Morgan Stanley prognostizierte für dieses Jahr ein „schwächeres Wachstum“ als zuvor erwartet.

Gerade die Tatsache, dass Trump seine Zölle nun bis April ausgesetzt hat, macht eine Vermutung einiger Experten plausibler: Der Republikaner könnte die Zolldrohungen als strategisches Verhandlungsinstrument einsetzen, um von anderen Regierungen in verschiedenen Bereichen Zugeständnisse zu erzwingen. (rjs/afp)

Rubriklistenbild: © Pool/dpa

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