Forscher wollen USA verlassen

Trumps Kampagne gegen die Wissenschaft: Eine Gelegenheit für Europa – sollte Deutschland handeln?

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Donald Trump hat einen beispiellosen Angriff auf die Wissenschaft gestartet. Zahlreiche Wissenschaftler planen nun, die USA zu verlassen – könnte die EU zur neuen globalen Spitze aufsteigen?

In nur 50 Tagen Amtszeit hat US-Präsident Donald Trump nicht nur die westliche Außenpolitik, sondern auch die amerikanische Wissenschaftswelt erschüttert - mit Folgen, die bis nach Europa reichen: In großem Maßstab wurden und werden Forschungsgelder gestrichen, vor allem in politisch von der Trump-Regierung abgelehnten Disziplinen. Der Schock sitzt so tief, dass deutsche und europäische Institutionen überlegen, verzweifelte Wissenschaftler aus den USA anzuwerben.

Trump kürzt bei der Forschung – Frankreich startet mit großem Programm für US-Forscher

In Deutschland gab es dazu im Februar bereits ein Treffen von Wissenschaftsminister Cem Özdemir mit den großen Wissenschaftsorganisationen, ein weiteres ist nach Angaben seines Sprechers für den 26. März geplant. „Wir müssen solidarisch sein und deutlich machen: Wenn Spitzenforscher in den USA keine Möglichkeiten mehr für sich sehen, frei dort zu forschen, sind sie in Deutschland willkommen“, hatte Özdemir schon Ende Februar gesagt. Am Montag (17. März) telefonierte er mit seinem französischen Kollegen dazu.

Einige Universitäten in Frankreich reagieren schneller: Die Universität Aix-Marseille hat bereits am 7. März offiziell ein Programm mit 15 Millionen Euro mit dem Titel „Safe place for science“ aufgelegt, um Wissenschaftler aus den USA anzulocken - offenbar mit Erfolg, weil sich nach eigenen Angaben bereits Dutzende Interessenten selbst von US-Top-Unis wie Yale gemeldet hätten.

Kürzungen bei der Forschung: Sogar die Krebsforschung ist nicht mehr vor Trump sicher

Auslöser sind vor allem Anordnungen der neuen US-Administration, im Wissenschaftsbereich Forschungsförderung nach politisch unerwünschten Stichworten wie „gender“ oder „diversity“ zu durchsuchen - und zu streichen. Das macht auch Wissenschaftsexperten in Deutschland fassungslos. „Es sind viele Forschungsfelder betroffen, von denen man dachte, da gehen die Republikaner nicht ran – etwa die Gesundheitsforschung“, sagt etwa Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der Klimaforschung sei es klar gewesen, dass das ein unliebsames Feld für die Trump-Regierung sei. „Aber auch die Einschnitte des National Institutes of Health (NIH) bei der Gesundheitsforschung sind massiv – sogar in der Krebsforschung.“

Sorge um Kürzungen treibt Wissenschaftler auf die Straße

Mittlerweile seien sogar die mRNA-Impfstoffe betroffen, die gerade auch im Kampf gegen Hautkrebs entwickelt werden. Der Kreuzzug gegen ungeliebte Forschung nimmt teilweise absurde Züge an. Mal verwechselt Trump „transgenetic“ Forschung an Mäusen mit „transgender“, mal wird übersehen, dass sich hinter dem Begriff „diversity“ auch Forschung zur Artenvielfalt versteckt. „Stark betroffen ist auch die Geschlechterforschung, die aber gerade für die Medizinforschung sehr wichtig ist“, kritisiert Cramer.

Viele US-Forscher könnten die USA verlassen: Eine Chance für Deutschland?

Die Verunsicherung führt dazu, dass Wissenschaftler überlegen, das frühere Forschungs-Eldorado USA zu verlassen. Christian Strowa, Direktor des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) in Nordamerika, berichtet von einer wachsenden Zahl von Anfragen deutscher Forschender, die sich wegen Rückkehroptionen ins deutsche Hochschulsystem melden. „Natürlich wird es Menschen geben, zum Beispiel aus Asien, die entweder in den USA sind oder eigentlich in die USA gehen wollten und jetzt sich umentscheiden und in Europa vielleicht eine Stelle annehmen“, sagt MPG-Chef Cramer. Das werde man aber erst in ein, zwei Monaten sehen. „Wir haben jetzt gerade ein Postdoc-Programm aufgelegt. Es kann gut sein, dass wir da Hunderte oder noch mehr Bewerbungen sehen aus den USA.“ Bei den Gruppenleiterstellen sehe man diesen Trend schon jetzt.

Es werde oft vergessen, dass nicht nur Wissenschaftler in den USA betroffen seien. „Viele Wissenschaftler sind ja schon bei uns“, sagt Cramer zu der internationalen Vernetzung und verweist auf die Forscher mit Anfang, Mitte 30 aus aller Welt, die derzeit in Deutschland eine Doktorarbeit schreiben oder einen Post-Doc-Aufenthalt absolvieren und nun nicht mehr zurück wollen. „Ich hatte gerade einige Fälle auf dem Schreibtisch, wo wir gerade aus den USA einige junge Forschende auf Gruppenleiter-Stellen einstellen.“

Deutsche Unis zögern: Brain-Drain in den USA will keiner herbeiführen

Eine aktive Anwerbung könnte einen Boost für die deutsche Wissenschaftsszene bedeuten. Aber anders als die französische Uni zögert man hierzulande. „Ich bin dagegen, nun ein großes Abwerbungsprogramm zu starten. Dies würde das amerikanische System schwächen“, sagt Uwe Cantner, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung, zu Reuters. Es gebe in den USA auch Wissenschaftler, die versuchten, Freiheit in Forschung und Lehre hochzuhalten und gegen Vorgaben der US-Regierung zu opponieren. „Es kann nicht in unserem Interesse sein, das amerikanische Wissenschaftssystem zu schwächen“, sagt er mit Blick auf einen Brain-Drain-Effekt - und eine mögliche Zeit nach Trump. „Wir sollten eine Entwicklung vermeiden, in der der eine Zölle erhebt und die anderen Wissenschaftler abwerben“, warnt Cantner.

„Eine kleinere Variante wäre, tolle deutsche Wissenschaftler in allen Disziplinen, die in die USA gegangen sind, zu fragen, ob sie zurück möchten.“ Forschungsminister Özdemir schlägt „temporäre Angebote“ vor, die auf die Bedürfnisse der unter Druck stehenden Wissenschaftler zugeschnitten sein müssten.

Deutsche Wissenschaftler besorgt: Könnte das Trump noch mehr erzürnen?

Zurückhaltend reagiert auch Walter Rosenthal, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, der die Entwicklung „mit großer Sorge“ verfolgt. Man wolle vor allem Solidarität mit den US-amerikanischen Hochschulen zeigen, mit denen man eng zusammenarbeite, sagt er. Dies schließe allerdings nicht aus, US-Kolleginnen und -Kollegen „an unseren Hochschulen willkommen zu heißen und gute Rahmenbedingungen dafür zu bieten“.

MPG-Präsident Cramer wiederum warnt, dass man die Folgen beachten müsse, nun großangelegte Abwerbekampagnen zu starten. „Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht Schaden anrichten, wenn wir in Europa jetzt massiv gegen die Trump-Regierung Leute positionieren. Das könnte unseren Kolleginnen und Kollegen auch schaden“, sagt er. „Wir müssen solidarisch sein. Aber wir dürfen nicht aggressiv auftreten.“ Thomas Hofmann, Präsident der Technischen Universität München, spricht sich im Bayerischen Rundfunk dagegen aus, nun „Kolonialismus zu betreiben“.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago

CDU-Chef und Kanzler-in-spe Friedrich Merz klingt dagegen schon offensiver - was ein Hinweis darauf sein könnte, dass sich die Tonlage der Bundesregierung nach dem Regierungswechsel ändern könnte. Er habe einen Professor im Krebsforschungszentrum am Universitätsklinikum in Köln gefragt, was man tun müsse, um Forscher aus den USA anzulocken, erzählte Merz Ende Februar.

Merz will mehr für Forscher aus den USA tun: Deutschland muss moderner werden

Die Antwort darauf fällt allerdings nicht einfach aus. Zwar gibt es schon seit den Zeiten von Kanzlerin Angela Merkel ein durchaus erfolgreiches Programm, einzelne Top-Wissenschaftler aus den USA zurückzuholen. Aber für eine breite Anwerbekampagne gab es angesichts der bisher eher angespannten Finanzlage in Bund und Ländern keine Töpfe - privates Geld finanziert in den USA zu einem viel größeren Teil die Forschung als hierzulande. Und zumindest an staatlichen Universitäten fehlt laut Cantner oft die Flexibilität, Professoren mit dem Beamtenstatus Gehälter zu zahlen, die mit den USA mithalten können. Immerhin: Sprache gilt dagegen nicht mehr als Barriere. Große Wissenschaftsorganisationen wie die Max-Planck-, Helmholtz- oder Leibniz-Gesellschaft haben mittlerweile zumindest für Einzelfälle Pakete geschnürt, die etwa auch Jobs für Lebenspartner umfassen, meint Cramer.

Aber es lauern weitere, wichtigere Hürden. Der Medizin-Professor in Köln habe zwei davon genannt, sagte CDU-Chef Merz: „Seine Antwort war ganz einfach: Erstens, ihr müsst das Gentechnikgesetz ändern, das ist 30 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß. Zweitens, ihr müsst in Deutschland den Datenschutz ändern.“ Auch Expertenkommissionschef Cantner sieht die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland als Bremse in einzelnen Disziplinen. „Ein Gen-Wissenschaftler aus den USA dürfte nur schwer für Deutschland zu gewinnen sein, weil er viele Experimente, die er in den USA machen kann und darf, bei uns aus rechtlichen Gründen nicht fortsetzen kann“, sagt er. „Das Gleiche gilt übrigens für KI-Forscher, die große Datensätze und Rechenkapazitäten brauchen. Wir haben da schon noch ein paar Standortnachteile.“ Auch das wolle man anpacken, sagte Merz. (wal/reuters)

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