Schäden in Milliardenhöhe?

Trumps neue Pläne für Importzölle bedrohen Europas Pharmaindustrie

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Donald Trump plant neue US-Importzölle auf Pharmaprodukte: Doch statt Preissenkungen drohen Versorgungsengpässe und zusätzliche Kosten – auch in Europa.

Washington – Nach einer kurzen Entspannungsphase nimmt US-Präsident Donald Trump nun erneut die Pharmabranche ins Visier seiner Strafzölle. Bei einem Abendessen des National Republican Congressional Committee kündigte er an, dass seine Regierung in Kürze „hohe Zölle auf Pharmazeutika“ erheben werde.

Trumps neue Strafzölle: Pharmaindustrie soll in die USA kommen und Medikamente günstiger werden

Wie hoch die Zölle ausfallen und was konkret sanktioniert werden würde, blieb vorerst offen – doch das Ziel von Trump ist klar: „Die meisten ihrer Produkte werden hier verkauft und sie werden ihre Fabriken überall eröffnen“, ergänzte er bei dem Gala-Dinner und verwies darauf, dass künftig wieder alle relevanten pharmazeutischen Produkte in den USA gefertigt werden sollen. Dadurch erhofft sich der US-Präsident den Effekt, dass die Pharmazeutika günstiger werden. Im ohnehin schon teuren US-amerikanischen Gesundheitssystem zahlen die Patienten laut einem Bericht von RAND zwei- bis dreimal so viel für verschreibungspflichtige Medikamente als in Europa oder anderen Industrieländern weltweit.

Donald Trump macht wohl bei den Strafzöllen für Pharma-Importe ernst – zu Lasten der Patienten in den USA und der EU. (Archivfoto)

Die Strategie Trumps, dieses Ungleichgewicht mit Import-Zöllen zu verhindern, könnte besonders die EU hart treffen. Laut einer DZ-Studie stammen rund drei Viertel der Pharma-Einfuhren aus der EU. Aus Deutschland beläuft sich der Exportwert auf fast 28 Milliarden Euro pro Jahr, was laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) rund 24 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren umfasst.

EU als Hauptbetroffene: Lieferketten, Standorte und Preise geraten massiv unter Druck

Besonders bei komplexen Pharmazeutika ist es üblich, dass diese an verschiedenen Standorten in Etappen produziert werden. So „pendelt“ ein Medikament, bis es tatsächlich marktreif ist, mehrmals zwischen nordamerikanischen und europäischen Produktionsstätten hin und her. Unklar ist noch, inwiefern US-Zölle jede einzelne Einfuhr eines Bestandteiles neu sanktionieren würden. Der Preis könnte aufgrund der komplexen Lieferkette deutlich steigen – für die US- und die EU-Konsumenten.

Trump bemängelte besonders die Verfügbarkeiten von Marken-Medikamenten in den USA, die entweder, wie Antibiotika, nicht in ausreichenden Mengen verfügbar seien, oder aufgrund der Importe aus der EU für US-Amerikaner viel höhere Kosten verursachten. In der EU würden die US-amerikanischen Strafzölle besonders Irland treffen: Hier haben US-Pharma-Riesen wie Pfizer, Johnson & Johnson, Eli Lilly, Bristol-Myers Squibb und AbbVie aufgrund der niedrigen Körperschaftssteuer große Produktionsstandorte. Trump will diese Verhältnisse umkehren – und die großen Firmen dazu zwingen, ihre Medikamente wieder zuerst in den USA zu registrieren.

Produktion in den USA? Hohe Hürden, lange Bauzeiten und Milliardenkosten für die Industrie

Doch diese Verlagerung kann Jahre dauern. Marta Wosińska vom Thinktank Brookings Institute erklärte gegenüber CNBC, dass der Aufbau neuer Produktionsstätten meist drei bis fünf Jahre in Anspruch nimmt – vor allem wegen langwieriger Genehmigungen und hoher Kosten. Der Branchenverband PhRMA geht sogar von bis zu zehn Jahren aus. Einige Marktführer investieren bereits in neue US-Werke: Eli Lilly kündigte Anlagen im Wert von 27 Milliarden Dollar an, Johnson & Johnson plant sogar Investitionen über 55 Milliarden Dollar. Dennoch könnten viele Konzerne versuchen, die Zölle politisch auszusitzen, bis sich die Lage nach Trumps möglicher Amtszeit wieder ändert.

Der europäische Industrieverband EFPIA warnte, dass US-Zölle europäische Forschungsstandorte schwächen und die pharmazeutische Autonomie der EU gefährden könnten. Sie fordert im Namen der Pharmazie-Branche der EU einen raschen politischen Kurswechsel – etwa durch stärkeren Patentschutz und attraktivere Rahmenbedingungen für Innovationen. Nur so lasse sich verhindern, dass große Hersteller ihre Standorte aus Europa abziehen – und potenzielle US-Zölle schlicht aussitzen.

Bei Zöllen auf Generika drohen Versorgungslücken – und das Ende für viele mittelständische Betriebe

Problematisch wird es hingegen für kleinere Unternehmen: Alexander Natz, Generalsekretär von Eucope, einem Beratungsunternehmen mittelgroßer Pharmaunternehmen, warnt sogar vor einem Betriebssterben innerhalb der Branche. „Viele unserer Mitglieder haben keine Fabriken in den USA. Wir können nicht einfach innerhalb von zwei Monaten Fabriken in den USA bauen.“ Viele Firmen hätten nur ein kleines Portfolio von bis zu zwei Produkten, sodass sie etwaige Verluste nicht so einfach ausgleichen könnten wie die Branchenführer.

Besonders ungewiss sind die Auswirkungen auf den Markt für Generika – also patentfreie Medikamente. Sie machen rund 90 Prozent aller in den USA verschriebenen Medikamente aus – häufig hergestellt in China oder Indien. Dennoch sind diese technisch sehr aufwendig in der Herstellung, bringen allerdings geringe Margen und sind bereits heute anfällig für Engpässe. Zölle könnten dazu führen, dass Hersteller sich vom US-Markt zurückziehen oder an der Qualität sparen – mit potenziell gefährlichen Folgen. Firmen-Verlagerungen sind auch wenig realistisch, immerhin würden die Herstellungskosten in den USA ein Vielfaches höher liegen und sich für die Branche kaum lohnen.

EU könnte in abhängiger von China werden – Forschung und Entwicklung würden weltweit schrumpfen

Realistischer ist dagegen das Szenario, dass Generika verstärkt in den europäischen Markt gelangen – und dort Engpässe zumindest teilweise lindern könnten. Branchenexperten wie Bork Bretthauer, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika, warnt dagegen davor, dass dann die Abhängigkeit von China noch größer werden könnte: „US-Zölle könnten mittelfristig dazu führen, dass China seine Arzneimittel noch aggressiver in den deutschen Markt drückt.“

Doch der Widerstand gegen die Strafzölle wächst – mittlerweile selbst in den Reihen der US-Pharmaindustrie. Eli-Lilly-Chef Dave Ricks warnte, dass Zölle zu internen Kürzungen führen könnten – zuerst bei Forschung und Entwicklung. Gegenüber der BBC sagte er: „Das ist ein enttäuschendes Ergebnis.“

Rubriklistenbild: © Manuel Balce Ceneta/dpa

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