Auswirkungen des Handelsstreits

Trumps Zölle: Diese deutschen Branchen schlagen im Handelskonflikt Alarm

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Trumps Zölle könnte einige deutsche Branchen schwer treffen. Vor allem deutschen Unternehmen in Mexiko prognostizieren Wirtschaftsinstitute negative Folgen.

Berlin – Unlängst machte Donald Trump mit seinen lange angekündigten Strafzöllen gegen die Handelspartner Kanada, Mexiko und China ernst – zumindest für kurz, bis er sie teilweise zurücknahm und auf Anfang April verschob. Vor allem Kanada und Mexiko verharren damit weiter in Sorge. Aber auch in Deutschland werden heftige ökonomische Folgen befürchtet, sollten die von ihm bereits angekündigten 25 Prozent auf europäische und damit auch deutsche Waren wirklich wirksam werden – und das branchenübergreifend.

Trumps massive Strafzölle könnte Jobs in zahlreichen Branchen gefährden

Besonders schwer treffen dürften Trumps Strafzölle die deutsche Automobilbranche, den Maschinen-Sektor und die Chemie- und Pharmaindustrie. Grundlegend sind in Deutschland rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze von Exporten in die USA abhängig. Das zeigte eine Studie des Prognos-Instituts, über die die Süddeutsche Zeitung im Januar berichtete. Insgesamt ist das ein Anteil von zehn Prozent aller zwölf Millionen Arbeitsplätze, die direkt und indirekt von Ausfuhren in die USA abhängig seien. 

Volkswagen-Autos am mexikanischen Hafen von Veracruz

Schon im Herbst des Vorjahres (23. September) warnten das ifo Institut und das Netzwerk EconPol Europe in einer gemeinsamen Pressemitteilung davor, infolge einer Wiederwahl des Republikaners könnten deutsche Exporte in die USA um 14,9 Prozent sinken. Auch wenn deutsche Exporte in die US-Nachbarländer Kanada (3,3 Prozent) und Mexiko (3,1 Prozent) laut ifo-Prognose steigen dürften, sollten die US-Zölle gegen sie wirksam werden, dürfte es nicht ausreichen, einen grundlegenden Export-Rückgang zu verhindern. Denn selbst gegeben dem Fall, dass Exporte in übrige Länder sich kaum verändern, dürften die deutschen Exporte damit insgesamt um zwei Prozent zurückgehen.

Trumps Strafzölle – deutsche Pharmaindustrie dürfte besonders unter ihnen leiden

Gut ein Viertel der deutschen Pharmaindustrie-Exporte gehen laut dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) in die Vereinigten Staaten. Damit sind die USA eindeutig der wichtigste Absatzmarkt der Branche. Keine deutsche Branche exportiert mehr in die USA. Im Umkehrschluss dürften Handelszölle der deutschen Pharmaindustrie „enormen Schaden“zufügen, wie Martin Lück von der unabhängigen Beratungsgesellschaft Macro Monkey. Als weitere Folgen der Zölle Trumps befürchtet er einen „drastischen Rückgang der Produktion und entsprechende Werkschließungen“, daneben seien „Insolvenzen und der Verlust von Arbeitsplätzen“ als Resultate wahrscheinlich.

Zwar setzten sich deutsche Pharmakonzerne wie Bayer oder Merck bereits dafür ein, Gegenzölle gegen die USA zu etablieren, sollte Trump seine geplanten Zölle in die Tat umsetzen. Doch ein Blick zurück ins Jahr 2018 zeigt, dass die Situation um gegenseitig erhobene Zölle ein hohes Potenzial zur Eskalation aufweist: Schon damals reagierten von Trumps Strafzöllen betroffene Länder, darunter besonders China, mit Gegenzöllen.

Im Falle der Beziehungen zwischen den USA und seinem asiatischen Handelspartner uferten die von Trump initiierten Zölle und die Vergeltungszölle Chinas gar zu einem regelrechten Handelskrieg aus. Trump belegte chinesische Exportprodukte in die USA mit einem Zollsatz von 25 Prozent, insbesondere auf Elektronik, Maschinen und Konsumgüter, woraufhin es in den USA zu markantem Preissteigerungen kam. China reagierte mit Gegenzöllen, vor alle, auf Elektronik, Maschinen und Konsumgüter. Die USA lenkten ihren Handel hiernach auf südostasiatische Länder um, doch deren Lieferketten erwiesen sich als ineffizienter und kostspieliger.

Trumps Strafzölle könnten deutsche Autobauer in Mexiko schwer treffen

Doch auch die ohnehin gebeutelte deutsche Autoindustrie dürfte schwer unter Trumps Zöllen leiden, denn auch sie hat ihre bedeutendsten Handelspartner in den USA. Wie schwer genau, bleibt abzuwarten, doch ein Vorgeschmack bieten bereits erste Effekte auf deutsche Unternehmen und darunter vor allem Autobauer, die seit Jahren in Mexiko produzieren und ihre Waren von dort aus in die USA exportieren. 

Rund 2100 Unternehmen mit deutschem Kapital stellen ihre Produkte in Mexiko her. An ihnen hängen rund 300.000 Arbeitsplätze, wie die ARD-Tagesschau unlängst berichtete. Die Unternehmen stammen vor allem aus den Branchen Chemie, Elektronik, Logistik, Maschinenbau oder Pharmazie. In besonderem Maße produzieren deutsche Autobauer in Mexiko, darunter Konzerne wie Audi, BMW, Mercedes oder VW

Sie alle werden von Trumps kürzlich verhängten Zöllen stark getroffen, erläutert Johannes Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer in Mexiko-Stadt. Rund 50 Prozent der in Mexiko produzierten Fahrzeuge deutscher Autobauer gingen über die Grenze in die USA, weshalb die Betroffenheit aktuell groß sei: „Es ist ein harter Schlag“, wird Hauser von der Tagesschau zitiert. (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Felix Marquez

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