Elektroautomobilität

Umdenken bei der EU? Mindestpreis könnte Zölle für chinesische E-Autos ersetzen

Chinesische Hersteller könnten künftig Mindestpreise für E-Autos einhalten. Die EU-Kommission bestätigt entsprechende Gespräche.

Brüssel – Seit Oktober 2024 gelten in der Europäischen Union drastische Strafzölle auf Elektrofahrzeuge aus China - bis zu 35,3 Prozent zusätzlich zum regulären Importzoll von zehn Prozent. Diese Maßnahmen sollten in den nächsten fünf Jahren unfaire Wettbewerbsvorteile durch staatliche Subventionen ausgleichen. Doch nun deutet sich eine Alternative an, die den gesamten Handelskonflikt neu ordnen könnte.

Chinesische Hersteller zahlen aktuell noch Strafzölle in der EU.

Ein Sprecher der Europäischen Kommission bestätigte am Montag (22. Dezember), dass Preisuntergrenzen für chinesische Elektroautos als „praktikable Alternative“ zu den bestehenden Zöllen diskutiert werden. „In den vergangenen Wochen hatten wir erste positive Anzeichen für ⁠Preiszusagen ​bei batterieelektrischen Fahrzeugen“, erklärte er gegenüber Reuters.

Mindestpreise statt Zölle auf chinesische Elektroautos: Ein neuer Weg aus dem Handelsstreit?

Die Idee dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Anstatt hohe Zölle zu erheben, würden chinesische Hersteller sich verpflichten, ihre Elektroautos nicht unter einem bestimmten Mindestpreis in Europa zu verkaufen. Der entscheidende Unterschied zu den aktuellen Strafzöllen liegt darin, dass die chinesischen Autobauer die Differenz zwischen ihrem ursprünglichen Preis und dem vereinbarten Mindestpreis selbst behalten könnten – anstatt Zollgebühren an die EU zu zahlen.

EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hatte laut der Auto Motor und Sport bereits im Frühjahr 2025 Gespräche mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Wentao geführt, der zusagte, die Pläne zu prüfen und sofort Verhandlungen aufzunehmen. Šefčovič betonte damals, es müsse mehrere verschiedene Mindestpreise geben, da Elektroautos ein komplexes Produkt seien.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle. © Sven Simon/Imago
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota mit 87.578 Neuzulassungen. © Thales Antonio/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen. © Pond5 Images/Imago
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen. © Hyundai
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen. © Ford
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen. © Ford
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen. © Opel
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen. © Seat
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen. © Audi
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen. © Audi
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen. © Skoda
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen. © Skoda
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen. © BMW
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen. © BMW
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen. © Volkswagen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen. © Volkswagen

EU lehnte China-Angebot ab – Industriekommissar will „unbürokratisches Autokonzept“

Auch EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné plädierte zuletzt im November für schnelle Entscheidungen. „Wenn wir nicht handeln, wird die Zahl der in Europa produzierten und verkauften Autos in zehn Jahren von dreizehn auf neun Millionen sinken“, betonte er gegenüber der italienischen Zeitung La Stampa.

Er glaube nicht an Zölle, „weil sie die Wertschöpfungskette zerstören und Handelsspannungen erzeugen“, so Séjourné. Europa müsse außerdem ein eigenes, unkompliziertes und unbürokratisches Auto-Konzept entwickeln, um im Wettbewerb mit China zu bestehen. Ein früherer Versuch Chinas, eine Mindestpreisregelung zu etablieren, scheiterte im Oktober 2024. Peking hatte vorgeschlagen, importierte Elektroautos in der EU nicht unter 30.000 Euro zu verkaufen - ein Angebot, das Brüssel als unzureichend ablehnte .

Nicht nur chinesische Hersteller müssen zahlen: Auch deutsche Unternehmen von Strafzöllen betroffen

Aktuell muss BYD laut investing.com 17 Prozent entrichten, Geely 18,8 Prozent und der als „nicht kooperativ“ eingestufte SAIC-Konzern sogar 35,3 Prozent. Diese Zölle treffen nicht nur chinesische Unternehmen, sondern auch deutsche Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes, die ihre Elektrofahrzeuge in China produzieren und nach Europa bringen.

Während die USA bereits Zölle von bis zu 100 Prozent auf chinesische Elektroautos verhängt haben, wählte die EU zunächst einen moderateren Ansatz. China reagierte jedoch mit eigenen Strafmaßnahmen und drohte mit Zusatzzöllen auf europäische Produkte wie Branntwein, Milcherzeugnisse und Schweinefleisch, so der Deutschlandfunk.

Deutsche E-Auto-Förderung könnte ungewollte Hilfe für chinesische Konkurrenz darstellen

Parallel zu den Handelsspannungen plant Deutschland eine Wiederbelebung der Elektroauto-Förderung, die jedoch unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben könnte. Ab 2026 sollen aus dem Klima- und Transformationsfonds drei Milliarden Euro fließen, um vor allem Haushalten mit kleinem oder mittlerem Einkommen den Kauf von Elektroautos zu ermöglichen. Die Unternehmensberatung Deloitte warnt jedoch vor einem paradoxen Effekt: Die deutsche Kaufprämie könnte auch chinesischen Herstellern zugutekommen.

Deloitte-Experten schätzen, dass jährlich bis zu 180.000 zusätzliche Elektroautos in Deutschland abgesetzt werden könnten, wobei der Fördertopf bis 2030 für etwa 750.000 zusätzliche E-Fahrzeuge reichen würde. Das Problem: Die europäische Elektroauto-Produktion wird nach Einschätzung der Berater nicht ausreichen, um diesen Bedarf vollständig zu decken.

„Um die europäische Automobilwirtschaft tatsächlich zu fördern, müssen jedoch Local-Content-Kriterien definiert werden, damit wir nicht Gefahr laufen, mit deutschen Steuergeldern Importfahrzeuge aus China zu subventionieren“, erklärte Harald Proff, Autobranchenfachmann bei Deloitte. (Quellen: Reuters, dpa-AFX, Auto Motor und Sport, La Stampa, investing.com, Deutschlandfunk) (jaka)

Rubriklistenbild: © Aleksander Kalka/IMAGO

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