Ungeachtet der Krisen: Tesla zeigt neuestes Projekt in Paris – und kann erneut beeindrucken
VonPatrick Freiwah
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Tesla will mit dem Robotaxi Cybercab die Mobilität revolutionieren. Während das autonome Fahren an Dynamik gewinnt, sorgt das Roboterprojekt Optimus für Wirbel.
Austin/Paris - In letzter Zeit war es ruhig geworden um das geplante Robotaxi-Projekt von Elon Musk, abseits der Debatte um seine Verflechtungen zu US-Präsident Donald Trump und Absatzeinbußen seiner E-Auto-Firma Tesla.
Doch wer glaubte, Tesla ziehe sich zurück, wurde auf der Technikmesse VivaTech in Paris eines Besseren belehrt: Der E-Auto-Pionier stellte eine blechgewordene Vision von Elon Musk vor, die nicht nur Lenkräder, sondern auch Grenzen sprengen soll: das Robotaxi Cybercab – ein Fahrzeug, das nicht nur elektrisch fährt, sondern auch selbstständig denkt und Passagiere befördert.
Ein Star der Technikmesse – das Robotaxi Tesla Cybercab
Mitten zwischen blinkenden Bildschirmen, humanoiden Robotern und digitalen Spielereien war es ein Fahrzeug, das mit die größte Aufmerksamkeit auf sich zog. Das liegt neben dem stromlinienförmigen Design mitunter daran, dass weder Pedale noch Lenkrad und Außenspiegel vorhanden sind. Ein minimalistisches Mobil für maximalen Fortschritt sozusagen.
Das Cybercab ist Teslas neuester Wurf, ein komplett autonomes Robotaxi zum Preis eines Klein- bis Kompaktklassewagens anzubieten. Die Rede ist von etwa 30.000 US-Dollar – ein Kampfpreis, der vor allem Ride-Sharing-Anbieter, Pendler und urbane Mobilitätsstrategen interessieren dürfte. Inwieweit diese Preisebene letztlich realisiert werden kann, ist wiederum eine andere Frage.
Tesla will 2026 das Cybercap bringen: Der Countdown läuft
Laut dem französischen Portal Capital.fr ist der Start der Massenproduktion weiterhin für 2026 angesetzt. Die texanische Gigafactory soll als Produktionsstandort dienen – dort, wo schon das Model Y und der schwergewichtige, bislang enttäuschende Cybertruck vom Band laufen. Dass Tesla trotz aller Turbulenzen um autonomes Fahren an diesem Zeitplan festhält verdeutlicht, dass der Hersteller fest an den eigenen Erfolg glaubt.
Unterstützung kommt von außen: Die jüngste, politisch vorangetriebene Entspannung zwischen den USA und China dürfte Tesla bei der Teilebeschaffung massiv entlasten. Denn obwohl Tesla zunehmend auf eigene Entwicklungen setzt, stammen viele Komponenten – Berichten zufolge auch für das Cybercab – weiterhin aus Fernost.
Robotaxis von Tesla: Ein wichtiger Schritt bahnt sich schon jetzt an
Dass Teslas Weg zum autonomen Fahren kein Wunschdenken mehr ist, zeigen aktuelle Entwicklungen nahe der Hauptzentrale in Austin, Texas: Dort wurden am 10. Juni erste selbstfahrende Model Y auf öffentlichen Straßen gesichtet – ganz ohne Eingreifen eines Fahrers. Der nächste Meilenstein ist der geplante Beginn des Robotaxi-Services am 22. Juni.
Tesla vor dem Niedergang: Wie Elon Musk den Ruf seines Goldesels zerstörte
Das grüne Licht der Behörden soll demnach erfolgt sein. Das wird dann noch nicht im Tesla Cybercab stattfinden, aber einem seriennahen Tesla-Modell. Es ist eine Art Soft-Launch für Musks große Vision: ein fahrerloses Netzwerk, bei dem Besitzer ihre Teslas vermieten können, wenn sie selbst nicht unterwegs sind – sozusagen ein „Airbnb auf Rädern“.
Tesla auf der VivaTech in Paris: Ohne Elon, aber mit Optimus
Der sonst omnipräsente Elon Musk ließ sich im Vergleich zum Vorjahr nicht auf der VivaTech blicken. Dennoch war Tesla mit einer weiteren Zukunftsvision vertreten: Optimus, der humanoide Roboter. Diese KI-Errungenschaft ist – wie das Cybercab – Teil von Musks größerem Plan, Tesla zu einem Robotikunternehmen umzuwandeln.
Warum es hinter den Kulissen derzeit jedoch kriselt: Der Leiter des Projekts, Milan Kovac, verkündete kürzlich seinen Rücktritt – aus persönlichen Gründen, wie er betont. Hinzu kommt ein möglicher Datenskandal: Ein ehemaliger Tesla-Ingenieur des Optimus-Teams soll vertrauliche Informationen gestohlen und ein eigenes Start-up gegründet haben. Der Fall liegt inzwischen vor Gericht – und verleiht dem ohnehin anspruchsvollen Projekt weiteren Druck.
Elon Musk wandelt mit Tesla zwischen Vision und Wirklichkeit
Tesla bewegt sich also an der Schwelle zur nächsten Mobilitätsrevolution. Die Pariser Technikmesse zeigte deutlich: Das Cybercab ist mehr als ein PR-Stunt – es ist der Beginn einer neuen Ära, in der Mobilität autonom, vernetzt und vermietbar wird.
Ob der Plan aufgeht? Das dürfte lediglich eine Frage des Zeitpunkts sein. Wenn Musk eines kann, dann ist es, Visionen greifbar zu machen – auch wenn sie manchmal ohne Lenkrad kommen. Derweil wird das Image des gebürtigen Südafrikaners mancherorts als „rechtsextrem“ belastet. Das hat Folgen für den Absatz und Leasingverträge. (PF)