VonLisa Mayerhoferschließen
Die gesetzliche Rente spielt vor allem beim Vermögen ärmerer Haushalte eine große Rolle – das zeigt eine neue Studie. Rentenreformen können deshalb die Ungleichheit in Deutschland verstärken.
Berlin – Die Rente spielt beim Vermögen der meisten Menschen in Deutschland eine große Rolle, wie eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt. Den Berechnungen des DIW zufolge sind die Vermögen der Deutschen zwar weniger ungleich verteilt, wenn man die Rentenansprüche miteinbezieht. Das bedeutet aber auch, dass Änderungen bei der Rente große Auswirkungen auf ärmere Haushalte haben können.
DIW: Rentenansprüche machen ein Drittel des Vermögens aller Haushalte in Deutschland aus
Rentenansprüche machen den DIW-Zahlen zufolge ein Drittel des Vermögens aller Haushalte in Deutschland aus und sind damit nach Immobilien der wichtigste Baustein im erweiterten Vermögensportfolio der Haushalte. Üblicherweise seien diese Versicherungsansprüche nicht in der Vermögensverteilung berücksichtigt, denn es handelt sich nicht um beleihbares oder veräußerbares Geld oder Sachvermögen. Für viele Menschen seien sie aber ein wichtiger Baustein ihrer Altersvorsorge.
Deshalb haben die DIW-Forschenden in ihre Studie zur Vermögensungleichheit erstmals auch Ansprüche zur Altersvorsorge mit einfließen lassen. Rentenansprüche und damit Vermögen im breiteren Sinne würden 70 Prozent des Vermögens der ärmeren Hälfte der Bevölkerung ausmachen, so das Ergebnis der Analyse. Damit würde der Anteil der ärmeren Hälfte am Gesamtvermögen von zwei auf neun Prozent steigen. Bei dem reichsten Prozent – also den Top-Vermögenden – hätten Rentenansprüche hingegen nur einen Anteil von 2,6 Prozent. Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet.
Rentenreformen können Vermögensungleichheit in Deutschland verstärken
Das DIW mahnte aber an, dass die Rente für viele Menschen trotzdem sehr niedrig sei. „Dass die Ungleichheit bei Einbeziehung der Renten sinkt, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rentenansprüche in der unteren Verteilungshälfte oft so gering sind, dass sie nicht unbedingt vor Altersarmut schützen“, sagte die DIW-Ökonomin Charlotte Bartels in einer Mitteilung.
Stattdessen können Rentenreformen die Vermögensungleichheit in Deutschland sogar noch verstärken. Denn laut dem Studienautor Timm Bönke wirken Reformen, die das Rentenniveau senken, „ungleich stärker in der ärmeren Hälfte der Bevölkerung, deren Vermögen größtenteils aus – teils sehr geringen – Rentenansprüchen besteht“. Dieser Bedeutung müsse man sich bei künftigen Reformen der Alterssicherung immer bewusst sein: „Man muss sich um die unteren 50 Prozent Sorgen machen“, so Bönke gegenüber der SZ.
Über das deutsche Rentensystem ist in der Politik eine heftige Debatte entbrannt, die Finanzierung der Renten wird angesichts des demografischen Wandels immer schwieriger. Die Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich energisch gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ausgesprochen und plant eine Stabilisierung des Rentensystems mit der sogenannten Aktienrente.
Mit Material von dpa
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