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Union und SPD möchten Steuerzahler entlasten. Welche Szenarien möglich sind und wie sie sich auf das Konto der Bürger auswirken können.
Berlin – Im Koalitionsvertrag haben die SPD und Union sich auf einige Entlastungen geeinigt. Viele Steuerzahler könnten davon profitieren. Die schwarz-roten Pläne wollen unter anderem Anpassungen bei den Energiepreisen und der Entfernungspauschale. Was die neue Regierung unter Friedrich Merz plant und wie sich die Pläne steuerlich auswirken.
Pläne von Union und SPD entlasten Steuerzahler – was die Pläne für Ihren Geldbeutel bedeuten
Die Stromsteuer wollen die Koalitionspartner „auf das europäische Mindestmaß senken“ und die Übertragungsnetzentgelte reduzieren. Ziel ist eine Entlastung von Unternehmen und auch Verbrauchern „um mindestens fünf Cent“ pro Kilowattstunde. Darüber hinaus soll es einen Industriestrompreis für energieintensive Firmen geben.
Der designierte Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) erwartet, dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland „sehr schnell“ erste Ergebnisse der neuen Regierungsarbeit von Union und SPD spüren werden. „Wir haben einige Maßnahmen, die wir unmittelbar umsetzen möchten“, sagte Frei am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“ und betonte das Ziel, die Stromsteuer reduzieren zu wollen.
Der Bund der Steuerzahler hat die potenzielle Entlastung für die Stromsteuerpläne berechnet. So würde ein Single mit einem Jahresverbrauch von 2.000 kWh müsste künftig 46 Euro weniger Stromsteuer bezahlen. Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh würde immerhin 116 Euro sparen. Der finale Effekt der Stromsteuersenkung hängt natürlich vom individuellen Stromverbrauch ab.
Union und SPD wollen höhere Pendlerpauschale – was das an Steuern sparen könnte
Sie wird als teuer und klimaschädlich kritisiert, könnte aber unter einer neuen Bundesregierung noch steigen: Millionen Beschäftigte bekommen die Pendlerpauschale. Gefahren wird oft mit dem Auto. Die Entfernungspauschale wird überwiegend von Beschäftigten mit mittlerem Einkommen genutzt. Im Jahr 2020 erhielten 13,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland die sogenannte Entfernungspauschale, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtet.
2020 betrug die Pendlerpauschale 30 Cent pro Kilometer des einfachen Arbeitswegs. Nach einer Reform im Mai 2022 liegt sie ab dem 21. Kilometer bei 38 Cent. Nach den Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPD auf eine Erhöhung geeinigt: Ab 2026 soll die Pendlerpauschale bereits vom ersten Kilometer an bei 38 Cent liegen.
Laut dem Bund der Steuerzahler würde ein Single bei 35 km und einem Monatsbrutto von 3.500 Euro rund 99 Euro weniger Einkommensteuer pro Jahr bezahlen müssen.
| Musterhaushalte | Jahresbruttoeinkommen | Potenzielle Entlastung im Jahr |
| Single | 42.000 Euro | 99 Euro |
| Kinderlos | 60.000 Euro | 116 Euro |
Quelle: Bund der Steuerzahler
Wirbel um Entlastung der Einkommensteuer – mögliche Entlastungen für Steuerzahler
„Wir werden die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zur Mitte der Legislatur senken“, heißt es im Koalitionsvertrag. Details werden nicht genannt. Merz sagte im April der Bild-Zeitung, diese Maßnahme sei nicht fix. Man hätte das mit den Sozialdemokraten gerne von Anfang an verabredet, es habe jedoch Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die Einkommensteuer solle gesenkt werden, wenn es der öffentliche Haushalt hergebe.
Der Bund der Steuerzahler hat auch für den Fall einer Entlastung bei der Einkommensteuer potenzielle Entlastungen berechnet, „Ein Szenario könnte beispielsweise sein, den steuerlichen Grundfreibetrag um 1.000 Euro zu erhöhen. Davon würden Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen sowie Familien überproportional profitieren“, heißt es. Je höher der Grundfreibetrag ist, desto mehr Geld kann man verdienen, ohne darauf Steuern zahlen zu müssen.
| Musterhaushalt | Jahresbrutto | Monatsbrutto | Mögliche Steuerlast |
| Alleinverdienerpaar, 2 Kinder | 60.000 Euro | 5.000 Euro | 8.258 Euro |
| Doppelverdienerpaar, 2 Kinder | 78.000 Euro | 6.500 Euro | 8.778 Euro |
| Single, kinderlos | 48.000 Euro | 4.000 Euro | 6.433 Euro |
| Single, kinderlos | 72.000 Euro | 6.000 Euro | 13.268 Euro |
Quelle. Bund der Steuerzahler
Entlastungspläne auf dem Tisch – viele Projekte sind jedoch teuer
Viele Entlastungsmaßnahmen der Union und SPD stehen jedoch unter Finanzierungsvorbehalt. Merz stellte eins jedoch klar: „Wir werden verantwortungsvoll umgehen mit dem Steuergeld, wir werden einen soliden Bundeshaushalt aufstellen.“ Allerdings regen sich kritische Stimmen aus Sorge um die Finanzierung teurer Projekte.
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