VonAmy Walkerschließen
Ein brisanter Fund treibt das Umweltbundesamt seit einigen Wochen um. Ein in der EU verbotener, gesundheitsschädlicher Stoff ist in Sonnencremes gefunden worden.
Berlin – Seit Wochen treibt das Umweltbundesamt ein besorgniserregender Fund um. In zahlreichen Urinproben, darunter denen von Kindern, wurde ein gesundheitsschädlicher Stoff gefunden, der eigentlich in der EU verboten ist. Anfang Februar gab die Behörde bekannt, dass der Schadstoff vermutlich durch Sonnencremes in die Bevölkerung gelangt ist. Und wie der Spiegel und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichten, führt diese Spur nun zum Konzern BASF. Besonders pikant: BASF soll schon seit Jahren Bescheid gewusst haben.
Weichmacher in Kosmetika entdeckt
Konkret geht es um den Stoff MnHexP (Mono-n-hexyl-Phthalat), der zu den Weichmachern gehört. „In unseren ersten, sondierenden Analysen sehen wir einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit MnHexP und Kosmetika, darunter insbesondere Sonnenschutzmitteln“, sagte Toxikologin Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt (Uba) Anfang Februar. Auch viele Cremes, darunter Nachtcremes, enthalten Sonnenschutzmittel. „Man sollte nun aber auf gar keinen Fall auf Sonnenschutzmittel verzichten“, warnte sie zugleich. Die Krebsgefahr durch Sonnenstrahlen sei zu hoch. „Unsere Erkenntnisse reichen zu diesem Zeitpunkt nicht für eine Maßnahmenempfehlung“, sagte sie.
Das Uba habe in einer noch laufenden Umweltstudie zur Gesundheit nach neuesten Daten in etwa 37 Prozent der Proben den Metabolit MnHexP entdeckt, sagte Kolossa-Gehring. Er ist nach Uba-Angaben ein Abbauprodukt des nicht zugelassenen Weichmachers DnHexP (Di-n-hexyl-Phthalat). Der fortpflanzungsschädigende Stoff MnHexP sei erstmals 2023 entdeckt worden. Das Uba hatte ihn im Urin Erwachsener nachgewiesen, eine Behörde in Nordrhein-Westfalen in dem von Kindergartenkindern.
Der Stoff DnHexP darf laut Uba in der EU seit 2023 ohne Zulassung grundsätzlich nicht mehr verwendet werden. Zulassungsanträge seien nicht gestellt worden. Nicht auszuschließen sei, dass er in Altlasten oder DnHexP-haltigen Importerzeugnissen stecke. Schon seit vielen Jahren ist DnHexP in der EU stark beschränkt beziehungsweise verboten.
BASF meldete 2021 ein Patent an
Wie der Spiegel nun berichtet, gibt es Hinweise, dass BASF über die Schadstoffe in einiger seiner Produkte Bescheid wusste – oder das zumindest billigend in Kauf genommen hat. So habe das Unternehmen 2021 ein Patent angemeldet, das den Schadstoff als „Nebenprodukt“ erwähnt. Auch die WAZ berichtet, dass BASF bei der Anmeldung des Patents die schädigenden Weichmacher erwähnt, die bei der Herstellung entstünden. Dies sei „unvermeidbar“, heißt es in BASF-Dokumenten, doch das Unternehmen erkennt an, dass die Belastung gering zu halten ist, da der Stoff die Fruchtbarkeit sowie Kinder im Mutterleib schädigen könne.
BASF weist die Vorwürfe zurück und schreibt: „Auf Grundlage der derzeit vorliegenden Daten kann kein Zusammenhang zwischen Sonnenschutz und den Urinwerten abgeleitet werden“. Und weiter: „Wir nehmen unsere Verantwortung als Hersteller sehr ernst und berücksichtigen neben den gesetzlichen Vorgaben auch eigene weitergehende Sicherheitsbewertungen. Wir vermarkten nur solche Produkte, die den strengen Kriterien für Qualität, Sicherheit und Gesundheit gerecht werden“.
MnHexP ist nach Angaben der Uba ein fortpflanzungsschädigender Stoff. Er wirke vor allem auf die Fortpflanzungsorgane männlicher Föten im Mutterleib. Stoffe dieser Gruppe könnten aber auch für Erwachsene schädlich sein und das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Fettleibigkeit erhöhen, was aus weiteren Tierversuchen hervorgehe. In einzelnen Menschen seien nun Konzentrationen entdeckt worden, „die so hoch sind, dass eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen ist“, so die Toxikologin Marike Kolossa-Gehring.
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