VonMarcel Reichschließen
Am Montag steht der Nahverkehr in vielen Städten still. Verdi fordert bessere Zuschläge und Arbeitsbedingungen. Die Verhandlungen stocken weiterhin.
Die Gewerkschaft Verdi hat für Montag zu einem umfangreichen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. In zahlreichen Großstädten sollen Busse und Bahnen weitgehend stillstehen. Dadurch werden Millionen Fahrgäste betroffen sein.
In Baden-Württemberg sind nach Angaben der Gewerkschaft die kommunalen Verkehrsunternehmen in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz betroffen. Eine Übersicht für Baden-Württemberg finden Sie hier. Auch in Hessen wird gestreikt: Beschäftigte der Verkehrsbetriebe in Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg sollen mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niederlegen. Nordrhein-Westfalen wird ebenfalls bestreikt, betroffen sind unter anderem Köln, Düsseldorf und Bonn.
In Bayern sind die Kommunen betroffen, für die der entsprechende Tarifvertrag Nahverkehr (TVN) gilt. Vor allem in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt rechnet die Gewerkschaft mit erheblichen Auswirkungen.
Massive Streikwelle rollt an: Verdi stoppt Nahverkehr in Baden-Württemberg und Hessen – „Keine Annäherung“
Verdi rechnet damit, dass der Nahverkehr in den betroffenen Städten nahezu vollständig zum Erliegen kommt. Ob einzelne Linien fahren oder Notfahrpläne angeboten werden, war zunächst offen. Fest steht jedoch, dass der Arbeitskampf Hunderttausende Fahrgäste treffen dürfte.
In den laufenden Tarifverhandlungen geht es nicht um höhere Grundlöhne, sondern um den Manteltarifvertrag, der zentrale Arbeitsbedingungen regelt. Bei den bisherigen Gesprächen habe es keine Annäherung gegeben, teilte Verdi mit. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem bessere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Einsätze an Wochenenden. Zudem sollen Zulagen stärker an die jeweilige Entgeltstufe gekoppelt werden.
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Verdi begründet die Forderungen damit, dass Überstunden derzeit für Arbeitgeber günstiger seien als Neueinstellungen. Die Folge sei eine zunehmende Arbeitsverdichtung für das vorhandene Personal. Höhere Zuschläge sollen nach Angaben der Gewerkschaft dazu beitragen, Überstunden zu begrenzen, neue Fachkräfte zu gewinnen und den öffentlichen Personennahverkehr langfristig zu stabilisieren.
Tarifstreit eskaliert: Kommunen verweisen auf knappe Kassen – Verdi droht mit Verkehrsstillstand
Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert betonte, man habe Verständnis für die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Zugleich warnte er davor, Beschäftigte mit der Aussicht auf Leistungsabbau oder steigende Fahrpreise unter Druck zu setzen. Dies sei kein tragfähiger Umgang im Tarifkonflikt.
Die kommunalen Arbeitgeber legten in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vor. Sie begründen dies mit der schwierigen Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden. Sinkende Einnahmen, steigende Ausgaben und teils nicht genehmigte Haushalte ließen kaum Spielräume zu. Vorrang habe derzeit, den bestehenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Zusätzliche Kosten durch höhere Zuschläge seien aus ihrer Sicht nicht finanzierbar.
Zugleich verwiesen die Arbeitgeber auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte der Beschäftigten im Nahverkehr – inklusive Zuschlägen – um mehr als 20 Prozent gestiegen, weitere Erhöhungen seien beschlossen. Die Tarifverhandlungen sollen am 9. Februar fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht in dem Konflikt war bereits zum 1. Januar ausgelaufen. (Verwendete Quellen: dpa, AFP)
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