Fahrgäste in NRW müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu Streiks aufgerufen. Das Schulministerium fällt eine Entscheidung.
Update von 18.14 Uhr: Weil Verdi nun für kommenden Montag, 2. Februar, die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe zu Streiks aufgerufen hat, fallen vermutlich viele Bahnen und Busse aus. Pendler, Schüler und andere müssen sich auf Verspätungen und Ausfälle einstellen.
Der Streik soll mit Beginn der Frühschicht losgehen. Bis auf wenige Ausnahmen gelte das flächendeckend, wie eine Verdi-Sprecherin laut dpa sagte. Busse und Straßenbahnen führen laut Verdi voraussichtlich in vielen Städten nicht. S-Bahnen, Regio- und Fernverkehr sind davon ausgenommen.
Schulministerium verweist auf Schulpflicht: „Besteht auch weiterhin“
Das NRW-Schulministerium hat auf die Ankündigung der Gewerkschaft reagiert. „Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin“, teilte das Ministerium auf Facebook mit. Eltern und Erziehungsberechtigte müssen aufgrund der Schulpflicht dafür sorgen, dass ihre Kinder zur Schule kommen.
[Erstmeldung] Verdi droht mit Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen noch vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. März. „Wir werden darüber nachdenken müssen, ob vor der zweiten Verhandlungsrunde noch etwas passiert“, wird Heinz Rech, Verhandlungsführer der Gewerkschaft in NRW, von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert. Der Tarifkonflikt betrifft rund 30.000 Beschäftigte in mehr als 30 kommunalen Verkehrsbetrieben des Bundeslandes.
Verdi kritisiert fehlendes Angebot von Arbeitgebern
Die erste Verhandlungsrunde am 21. Januar blieb ohne Ergebnis. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt hätten, obwohl die Forderungen bereits seit November auf dem Tisch liegen. Im Zentrum des Konflikts stehen Arbeitszeiten und Zuschläge für die Beschäftigten.
Betroffen wären bei möglichen Streiks nahezu alle großen Verkehrsbetriebe in NRW – von Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Bielefeld. Eine der wenigen Ausnahmen bilden die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen.
Verdi droht mit Warnstreiks im NRW-Nahverkehr
Verdi fordert eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von derzeit 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die genaue Zielstundenzahl will die Gewerkschaft noch konkretisieren. Zudem soll die Ruhezeit zwischen zwei Schichten von 10 auf 11 Stunden angehoben werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll laut Rech von bisher 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.
Die Gewerkschaft argumentiert, dass ohne spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Personalmangel im Nahverkehr nicht zu beheben sei. Verdi NRW verlangt deutlich mehr Investitionen in die Infrastruktur und das Personal. Beim vorangegangenen Tarifkonflikt um die Entgelte legten Warnstreiks den Nahverkehr in vielen Großstädten lahm, teilweise über mehrere Tage.
Die Arbeitgeber entgegnen die Forderungen von Verdi und werfen vor, die Gewerkschaft würde die Augen vor der Realität der desolaten Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen verschließen. Die Tarif- und Endgeltbedingungen hätten sich in NRW bereits deutlich verbessert, so dass die Nahverkehrsunternehmen nun attraktive Arbeitsplätze anbieten würden. (mit dpa)
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