Einbruch auf dem Markt

Verluste für Russlands Wirtschaft: Sanktionen drehen Putin den Geldhahn ab

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Die USA verhängen Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil. Die Märkte reagieren prompt – es kommt zu Verlusten. Putins Ölhandel wankt.

Moskau – Die jüngsten US-Sanktionen sind ein Schlag für Russlands Wirtschaft. Um Russlands Kriegseinnahmen weiter zu dezimieren und Kremlchef Wladimir Putin endlich zu einer Friedenslösung im Ukraine-Krieg zu zwingen, setzt US-Präsident Donald Trump noch stärker beim Öl an. Die Sanktionen gegen die russischen Ölraffinerien Rosneft und Lukoil beunruhigen wichtige Käufer und könnten Putins Ölausfuhren begrenzen. Auch auf den Märkten gibt es erste Reaktionen auf die US-Maßnahmen.

Sanktionen gegen Putins Ölraffinerien treffen Russlands Wirtschaft – Markt reagiert

Die sanktionierten Ölraffinerien Rosneft und Lukoil haben von Donnerstag (23. Oktober 2025) auf Freitag einen Werteverlust erlitten. Der Gesamtwert der Aktien beider Raffinerien brach zwischen Donnerstag und Freitag laut der Online-Zeitung Moscow Times um 424 Milliarden Rubel ein. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf Börsendaten.

Die Märkte reagieren prompt auf die Ankündigung der US-Sanktionen gegen die Raffinerien Rosneft und Lukoil

Die Rosneft-Aktie wurde demnach zu 389,85 Rubel pro Aktie gehandelt, also drei Prozent weniger als vor Verhängung der US-Sanktionen. Der Marktwert des Unternehmens sank um 127 Milliarden Rubel oder 1,56 Milliarden Dollar. Die Lukoil-Aktie brach innerhalb der beiden Tage um 7,2 Prozent ein. Für Aktionäre sind das keine guten Nachrichten, so verlor der Hauptaktionär und Milliardär Vagit Alekperov, der einen Anteil von 28 Prozent der Lukoil-Aktie innehält, innerhalb von zwei Tagen 83 Milliarden Rubel (etwas mehr als eine Milliarde Dollar).

Verluste für Russlands Wirtschaft – Indien und China wollen Ölkäufe einstellen

Es dürften nicht die einzigen Verluste sein, die die beiden Raffinerien langfristig erleiden werden. Auch bei den Ölausfuhren zeichnen sich Änderungen ab. Indische und chinesische Raffinerien, die bislang von Lukoil und Rosneft mit Öl beliefert wurden, haben infolge der US-Sanktionen Importeinschränkungen angekündigt. Unter besonders großem Druck steht Indien – Trump verhängte bereits Zusatzzölle als Reaktion darauf, dass Indien weiterhin russische Energie bezieht.

Staatliche Raffinerien, darunter Indian Oil Corp, Bharat Petroleum Corp und Hindustan Petroleum Corp, wollen durch Prüfungen sicherstellen, dass sie keine Lieferungen von Rosneft und Lukoil mehr erhalten. Man gehe aber nicht davon aus, dass die Importmenge nicht sofort eingestellt werde. Zudem sei eine Neukalibrierung im Gange und man halte sich vollständig an Richtlinien der indischen Regierung, sagte der Sprecher auf Reuters-Anfrage.

Laut Reuters-Informationen haben auch chinesische staatliche Energiekonzerne den Kauf russischen Öls auf dem Seeweg ausgesetzt. Die staatlichen Ölgesellschaften PetroChina, Sinopec, CNOOC und Zhenhua Oil wollen vom Handel mit russischem Öl absehen. China importiert täglich rund 1,4 Millionen Barrel auf dem Seeweg. Der Großteil wird von unabhängigen Raffinerien gekauft.

Im russischen Haushalt klafft eine Lücke – Putin will russische Kriegswirtschaft weiter befeuern

Jegliche Importkürzungen, die den russischen Ölhandel betreffen, sind ein Dämpfer für den russischen Haushalt. Die Ölverkäufe brachten dem Kreml wichtige Einnahmen ein, die für die Finanzierung des Ukraine-Kriegs wichtig sind. Insbesondere in Zeiten finanzieller Krise ist der Haushalt umso mehr auf verlässliche Einnahmequellen angewiesen.

Die Haushaltsdefizite im Jahr 2025 werden sich laut Schätzungen des russischen Finanzministeriums auf 5,737 Billionen Rubel belaufen, das entspricht 2,6 Prozent des BIP. Ursprünglich plante der Kreml für das laufende Jahr mit einem Defizit von 1,173 Billionen Rubel. Im Frühjahr wurde jedoch ersichtlich, dass die Lücken größer ausfallen werden und dass das Defizit voraussichtlich 3,792 Billionen Rubel steigen wird.

Trotz der Finanzprobleme im Haushalt will Putin Geld ins Militär und in die Rüstungsindustrie pumpen. Es stellt sich allerdings die Frage, wie er bei kontinuierlichen hohen Staatsausgaben mögliche Einnahmeeinbrüche infolge der jüngsten US-Sanktionen kompensieren will. (Quellen: Moscow Times, Reuters, Interfax (bohy))

Rubriklistenbild: © ITAR-TASS/imago/Alexander Kazakov/dpa

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