VonJulian Baumannschließen
Eberspächer will die Produktion in einem Werk einstellen, wodurch 200 Mitarbeiter den Job verlieren. Eine Klage gegen die Kündigungen ist gescheitert.
Update vom 30. Januar, 7.45 Uhr: Nachdem der baden-württembergische Autozulieferer Eberspächer die Schließung seines Standortes in Herxheim bei Landau (Rheinland-Pfalz) angekündigt hat, gingen die betroffenen rund 200 Mitarbeiter mithilfe eines Anwalts vor Gericht gegen die betriebsbedingten Kündigungen vor. Dabei ging es in erster Linie darum, dass der Betriebsrat nicht frühzeitig über die Pläne des Unternehmens unterrichtet worden sei. Wie der SWR berichtet, sind die Angestellten am Landauer Arbeitsgericht mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Kündigungen gescheitert, die somit weiterhin Bestand haben.
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Der Amtsrichter wies dem Bericht zufolge aber darauf hin, dass noch immer geklärt werden müsse, ob Eberspächer Catem in Herxheim Kündigungen aussprechen hatte können, obwohl ein Tarifvertrag solche bis Ende 2026 ausschließt. Für die Mitarbeiter gibt es demnach noch Grund zum Hoffen, der Standort in Rheinland-Pfalz soll im Herbst geschlossen werden.
Kahlschlag bei großem deutschen Autozulieferer: Anwalt soll gegen Kündigungen vorgehen
Erstmeldung vom 15. Januar: Esslingen/Herxheim - Ende 2024 hatte der Esslinger Autozulieferer Eberspächer angekündigt, die Produktion in seinem Werk in Herxheim bei Landau (Rheinland-Pfalz) im Herbst dieses Jahres einstellen zu müssen. Als Grund wurde angegeben, dass das Werk von Konzerntochter Eberspächer Cartem, das Hochvolt-Heizer für Elektroautos produziert, zu stark von der nachlassenden Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen betroffen sei. Die Produktionseinstellung betrifft nach den Angaben der IG Metall Landau rund 200 Mitarbeiter.
Die Gewerkschaft hatte bereits unmittelbar nach der Verkündung im Dezember Widerstand angekündigt und will um die Arbeitsplätze in der ohnehin wirtschaftlich gebeutelten Region im südlichen Rheinland-Pfalz kämpfen. Zuvor hatte nämlich auch der Autozulieferer Ronal angekündigt, sein Werk mit rund 540 Mitarbeitern in Landau 2025 schließen zu wollen. Wegen einer Vereinbarung im Tarifvertrag soll der Streit um die Arbeitsplätze bei Eberspächer Ende Januar sogar vor dem Gericht landen.
Anwalt geht mit einstweiliger Verfügung gegen Kündigungen an Eberspächer-Standort vor
Zu Beginn des Jahres, am 9. Januar, wurde im Werk von Eberspächer Cartem in Herxheim bereits eine erste Betriebsversammlung einberufen, um der Belegschaft die bisherigen Entwicklungen mitzuteilen. Wie die IG Metall in einer Mitteilung erklärt, wurde dabei deutlich, dass die Mitarbeiter die Schließung der Produktion nicht ohne Widerstand hinnehmen wollen. Marc Tinger, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Landau, machte deutlich, dass es für den Standort einen gültigen Tarifvertrag gebe, der betriebsbedingte Kündigungen über das Jahr hinaus ausschließt.
| Name | Eberspächer GmbH & Co. KG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1865 |
| Hauptsitz | Esslingen am Neckar, Baden-Württemberg |
| Branche | Automotive, Klimatisierungssysteme, Abgastechnik |
| Produkte | Heizsysteme, Klimasysteme, Abgasnachbehandlungssysteme, Fahrzeugbatteriesysteme |
| Umsatz | 6,4 Milliarden Euro (2023) |
| Mitarbeiterzahl | 11.171 (2023) |
Michael Steigelmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht, der die Belegschaft in Herxheim vertritt, präzisierte gegenüber dem SWR, dass für den Eberspächer-Standort gemäß dem Tarifvertrag eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2026 bestehe. Da der Konzern die Produktion aber bereits im Herbst 2025 schließen und damit die 200 Mitarbeiter vor die Tür setzen will, sieht der Anwalt einen Verstoß gegen geltendes Recht und hat deshalb eine einstweilige Verfügung gegen die Kündigungen beantragt. Unter anderem darüber soll das Arbeitsgericht in Landau am 29. Januar verhandeln.
Eberspächer verteidigt Schließungspläne und Stellenabbau – „Kündigungen sind möglich, wenn ...“
Bei der besagten Verhandlung geht es aber auch darum, bestimmte andere Punkte zu klären. Steigelmann zufolge habe der Esslinger Konzern bei den Schließungsplänen den Betriebsrat übergangen, da dieser nicht frühzeitig informiert worden sei. Zudem habe Eberspächer nach Angaben des Anwalts bislang keine Belege dafür vorgelegt, dass der Standort Herxheim wirklich unwirtschaftlich sei. „Wenn der Arbeitgeber diese Frage nicht klärt, dann werden wir das für ihn tun“, so Steigelmann.
Die Eberspächer-Gruppe erklärte auf SWR-Anfrage dagegen, dass die Schließungsabsichten rechtmäßig seien. „Der Haustarifvertrag sieht vor, dass betriebsbedingte Kündigungen grundsätzlich möglich sind, wenn es aufgrund eines Konjunkturrückgangs zu Auslastungsproblemen kommt“, führte eine Sprecherin aus. „Aus Sicht des Unternehmens liegen diese Voraussetzungen am Standort vor.“ Ob damit die Produktion in Herxheim im Herbst geschlossen werden kann, wird sich am 29. Januar zeigen. Eberspächer hatte Mitte 2024 bereits in Herxheim und Landau Stellen abgebaut.
Rubriklistenbild: © Eberspächer GmbH & Co. KG

