Russisches Volkswagen-Werk verkauft: Wer profitieren könnte
VonMarkus Hofstetter
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Westliche Autohersteller haben sich aus Russland zurückgezogen. VW hat sein Werk in Kaluga verkauft, das nun ein chinesischer Hersteller übernehmen könnte.
Kaluga - Der Ukraine-Krieg hat westlichen Autobauern die Geschäfte in Russland zunichtegemacht. Betroffen ist auch VW. Der Wolfsburger Konzern hatte bereits kurz nach dem Angriff auf die Ukraine im März 2022 die Produktion in seinen damals zwei Werken in Russland eingestellt. Auch der Export von Fahrzeugen in das Land war für alle Konzernmarken gestoppt worden. Profitiert davon haben chinesischen Automarken, die ihre Verkäufe in dem Riesenland vervielfachten.
Im Juni dieses Jahres schließlich zog sich VW aus der Produktion im russischen Montagewerk Nischni Nowgorod an der Wolga zurück, wo gemeinsam mit dem heimischen Autobauer Gaz VW- und Skoda-Modelle gefertigt wurden. Einen Monat zuvor hat der Wolfsburger Konzern angekündigt, das eigene Werk in Kaluga, in dem die Modelle Polo, Tiguan sowie der Skoda Rapid gefertigt wurden, zu veräußern. Käufer ist laut Handelsblatt die Finanzgesellschaft Art Finance, hinter der die russische Avilon-Gruppe stehen soll.
Was mit dem Werk in Kaluga geschehen soll, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Nun berichtet das Handelsblatt, dass es seit längerem Verhandlungen mit dem chinesischen Autohersteller Chery geben soll. Chery gehört zum Händlernetz von Avilon und ist nach AvtoVazs mit der Marke Lada die meistverkaufte Automarke in Russland. Die Chinesen haben in den ersten sieben Monaten 77.000 Fahrzeuge verkauft, darunter die Modelle Tiggo oder Arrizo. Das entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
In Kaluga könnte Chery als Produktionspartner für Avilon fungieren, das über kein Know-how in der Fahrzeugproduktion verfügt. Die Chinesen könnten dort die Limousine Omeda S5 bauen, die der Konzern bisher nur in Russland vertreibt.
Produktion in Russland: Chery umgeht hohe Recyclinggebühr
Chery würde von einer Produktion in Russland gleich mehrfach profitieren. So hat der russische Präsident Wladimir Putin die Behörden angewiesen, keine im Ausland produzierten Fahrzeuge zu kaufen. Die in Kaluga produzierten Chery-Modelle wären von dieser Order nicht betroffen.
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Zudem würde die zuletzt drastisch erhöhte sogenannte Recyclinggebühr für importierte Fahrzeuge wegfallen. Diese richtet sich laut Handelsblatt nach Hubraum und Alter des importierten Autos. Bei einem Neuwagen mit drei Litern Hubraum wären das umgerechnet 8.300 Euro. Steuern und Zölle sind dabei noch nicht berücksichtigt.