VonFabian Hartmannschließen
35.000 Stellen streicht Volkswagen langfristig. Betriebliche Kündigungen sind dabei ausgeschlossen. VW setzt auf alternative Personalabbau-Strategien.
Wolfsburg – Nach intensiven Tarifverhandlungen mit der IG Metall im Dezember des Vorjahres (20. Dezember 2024) hat sich Volkswagen auf ein umfassendes Sparprogramm verständigt. Obwohl betriebsbedingte Kündigungen und kurzfristige Werksschließungen vermieden werden konnten, hat die „Vereinbarung Zukunft“ dennoch erhebliche Auswirkungen auf viele Mitarbeiter von VW. Der Konzern plant, bis 2030 insgesamt 35.000 Stellen an seinen deutschen Standorten abzubauen. Auf diesem Weg macht der Wolfsburger Autobauer offenbar stetige Fortschritte.
Wegen Beschäftigungssicherung regelt VW das Ausscheiden von Beschäftigten vertraglich
In den kommenden fünf Jahren plant Volkswagen, etwa ein Viertel seiner deutschen Kapazitäten abzubauen, was rund 35.000 Stellen entspricht. Dieser Abbau erfolgt jedoch nicht durch Kündigungen, sondern durch vertragliche Vereinbarungen mit den Mitarbeitern, wie mitunter das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und das Handelsblatt am Dienstag meldeten. VW-Peberichtetenrsonalchef Arne Meiswinkel erklärte dem RND: „Insgesamt sind bis zum Jahr 2030 bereits mehr als 25.000 Austritte vertraglich fixiert.“
Das Sparprogramm von VW umfasst neben dem Stellenabbau auch den Verzicht auf Lohnerhöhungen und Boni – und das bis in die Führungsetage. Europas größter Autobauer strebt an, seine Arbeitskosten laut dem Branchenmagazin autohaus.de um 1,5 Milliarden Euro zu reduzieren. Im Zuge der Tarifverhandlungen wurde die Beschäftigungssicherung bis 2030 erneuert. Neben vertraglichen Regelungen setzt VW deshalb auch auf Altersteilzeit und Aufhebungsverträge mit Abfindungen.
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VW nutzt Abfindungen und Altersteilzeit beim Stellenabbau
Laut dem Handelsblatt erfolgen etwa 18.000 der bereits vertraglich vereinbarten Personalabgänge über Vorruhestandsregelungen. Der Konzern nutzt zudem die Altersteilzeit, um den Ausstieg für die Mitarbeiter attraktiver zu gestalten. Beschäftigte in Altersteilzeit erhalten zwischen 78 und 95 Prozent ihres vorherigen Nettogehalts. VW übernimmt zudem die Arbeitgeberbeiträge zur Renten- und Altersvorsorge und gleicht die Rentenlücke später zur Hälfte lebenslang aus.
Mitarbeiter, die freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden, können mit einer großzügigen Abfindung rechnen. Selbst in den niedrigsten Entgeltstufen 1 und 2 beträgt die Abfindung nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit etwa 47.000 Euro und nach 20 Jahren rund 100.000 Euro. Bisher wurden knapp 2000 Aufhebungsverträge abgeschlossen. VW-Markenchef Thomas Schäfer äußerte gegenüber dem RND: „Es ist gut zu sehen, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen.“ Die geplante Einsparung von 1,5 Milliarden Euro bei den Personalkosten sei gesichert.
VW verzeichnet Erfolge bei Fabrikkosten und Gremienabbau
VW konnte die Fabrikkosten an drei deutschen Standorten bereits um 30 Prozent reduzieren: in Emden, Wolfsburg und Zwickau. Zudem hat VW auch bei der Reduzierung seiner Gremien Fortschritte gemacht: „Jedes dritte Gremium innerhalb der Marke wurde abgebaut“, so Schäfer weiter gegenüber dem RND.
Diskussionen gibt es derzeit über die geplante Verlagerung der Produktion des Golf nach Mexiko. Ursprünglich sollte die Produktion des Golf 8 ab 2027 im mexikanischen Puebla-Werk stattfinden, das seit 1964 in Betrieb ist, und nicht mehr im Wolfsburger Stammwerk. Doch laut einem Bericht des britischen Branchenmagazins Autocar vom 14. November wird dieses Vorhaben nun erneut überdacht.
Verzögerungen bei der Entwicklung der Scalable-Systems-Plattform (SSP) sind ein Grund für die Überlegungen. Diese Plattform sollte im Wolfsburger Werk für neue E-Modelle genutzt werden, darunter die elektrische Version des VW Golf. Der Produktionsstart des E-Autos war ursprünglich für 2029 geplant, verzögert sich jedoch voraussichtlich auf 2030, wie die Braunschweiger Zeitung am 8. Oktober berichtete.(Quellen: Redaktionsnetzwerk Deutschland, Handelsblatt, dpa, Autocar, autohaus.de) (fh)
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