Teufel im Detail

Wärmepumpe oder doch lieber Fernwärme? Die Vor- und Nachteile beider Systeme

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In den kommenden Jahren werden sich viele Menschen fragen, wie sie in Zukunft heizen wollen. Zwei klimafreundliche Systeme werden aktuell viel debattiert: die Fernwärme und die Wärmepumpe.

Berlin – Bei der Frage nach der Wahl einer neuen Heizung, sind viele Menschen mittlerweile überfordert. Die politischen Debatten der vergangenen Wochen haben Hauseigentümer verunsichert. Was vielen mittlerweile klar sein sollte, ist aber, dass das Heizen mit fossilen Brennstoffen keine Zukunft mehr hat. Für viele Haushalte, die derzeit noch mit Öl oder Gas heizen, muss nun also eine Alternative her.

In den Diskussionen der vergangenen Wochen haben vor allem Fernwärmenetze und Wärmepumpen große Rollen gespielt. Beide gelten als sichere, klimafreundliche Heizoption. Bei beiden hängt der Erfolg am Hochlauf der Verfügbarkeiten: Wärmenetze müssen vielerorts noch gebaut, Wärmepumpen müssen in viel größeren Stückzahlen hergestellt werden. Worin unterscheiden sich die beiden aber? Welches System eignet sich für wen? Hier ein Überblick der Vor- und Nachteile beider Systeme.

Fernwärme: Eine komfortable Lösung

Wärmenetze versorgen mittels Rohrleitungen alle angeschlossenen Haushalte mit Wärme. Woher diese Wärme kommt, kann sehr unterschiedlich sein und hängt vom regionalen Versorger ab. Die Wärme kann aus Kohle, Öl und Gas hergestellt werden, zunehmend wird aber auf andere Quellen wie Biomasse (z.B. Holzhackschnitzel), Biogas, Müllverbrennung, Geothermie oder industrielle Abwärme gesetzt. Der Umstieg auf Erneuerbare ist gerade in vollem Gange.

In der Regel entsteht die Wärme in einem Heizkraftwerk, das mittels Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. So wird aus einer Energiequelle zwei Nutzen erzeugt: Strom und Wärme. Das macht Wärmenetze besonders effizient.

Fernwärme soll eine echte Alternative zu Wärmepumpen und Co. werden.

Der Vorteil bei der Fernwärme liegt also zum einen im Komfort: Als Hausbesitzende müssen Sie im Grunde nichts weiter tun, als das Gebäude ans Netz anschließen lassen. Der Anschluss kostet zwischen 5000 und 10.000 Euro und wird auch noch gefördert. Es gibt also keine großen Investitionssummen, die Wärme kommt dann von ganz alleine ins Haus. Zudem ist die Versorgungssicherheit gewährleistet.

Sorge um Monopol der Versorger

Wärmenetze haben aber auch Nachteile. Der größte: Versorger sind auf dem Markt sogenannte „natürliche Monopolisten“. Da es unwirtschaftlich wäre, mehrere Netze zu bauen und betreiben, gibt es in einer Region auch nur einen einzigen Anbieter. Den kann man auch nicht wechseln. Wer sich also für einen Fernwärmeanschluss entscheidet, ist dann langfristig an den Versorger gebunden.

Der Markt wird in Deutschland auch noch zu wenig reguliert – darauf machen Verbraucherschützer seit Jahren aufmerksam. Die Preise werden vom Versorger gesetzt und Kunden haben keinen Einfluss darauf. Zudem sind diese nicht transparent gestaltet, sodass dem Abnehmer nicht immer klar ist, wie sich der Preis zusammengesetzt hat. All das bietet die perfekten Bedingungen für Missbrauch.

Ein weiterer Nachteil der Wärmenetze in Deutschland betrifft den Ausbau. Aktuell sind in Deutschland nur zehn Prozent der Gebäude angeschlossen. Im Nachbarland Dänemark sind es 63 Prozent. Auch wenn wir hier mit dem Ausbau der Netze schnell vorankommen: Es wird noch viele Jahre dauern, bis annähernd so viele Menschen mit Fernwärme versorgt werden können. Nicht für jeden wird es sich rechnen, solange zu warten.

VorteileNachteile
Effizient und klimafreundlichVersorger sind Monopolisten
KomfortabelLangsamer Ausbau der Netze
Keine hohen Anschaffungskosten

Die Wärmepumpe: Unabhängigkeit gewährleistet

Die Wärmepumpe benutzt die Umgebungswärme, um die Wohnung oder das Haus zu heizen. Die Wärme wird dabei entweder der Luft, der Erde oder aus dem Grundwasser entzogen. Die verschiedenen Wärmepumpen-Arten funktionieren alle nach demselben Prinzip. Sie unterscheiden sich aber zum Teil erheblich darin, wie sie eingebaut werden: Die Erdwärmepumpe braucht also zum Beispiel eine Sonde, die ziemlich tief ins Erdreich ragt. Die Luft-Wasser-Wärmpumpe kann hingegen vor dem Haus stehen.

Der große Vorteil der Wärmepumpe: Sie arbeitet extrem effizient und senkt daher die Heizkosten teils erheblich. Je nachdem, wie effizient sie arbeitet – was unter anderem vom Sanierungszustand des Gebäudes abhängt – werden für ein Einfamilienhaus durchschnittliche Heizkosten von 1500 bis 2300 Euro im Jahr veranschlagt.

Wer den Strom mit einer Solaranlage auf dem Dach sogar selbst produzieren kann, wird noch viel günstiger wegkommen – und hat die Wärme zu 100 Prozent aus Erneuerbaren hergestellt. Das ist ein weiterer Vorteil: die Unabhängigkeit. Plötzliche Preisschwankungen an den Märkten berühren einen dann gar nicht mehr.

Praktische Sache: eine Photovoltaik-Anlage am Balkon.

Hohe Investitionskosten schrecken ab

Was Eigenheimbesitzer an der Wärmepumpe abschreckt, sind die hohen Anschaffungskosten. In Deutschland kosten Wärmepumpen aktuell mindestens 20.000 Euro, tendenziell eher 35.000 Euro oder mehr. Das wird aber sehr wahrscheinlich nicht immer so sein: Schon jetzt sind in anderen EU-Ländern die Preise wesentlich niedriger. In Großbritannien kosten Wärmepumpen im Schnitt 8000 Euro. Erwartet wird, dass die Preise in den kommenden Jahren auch hier deutlich sinken werden.

Ein weiterer Nachteil betrifft jedoch nicht die Wärmepumpe selbst, sondern der allgemeine energetische Zustand des Gebäudes. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten in einem sanierten Haus. Altbauwohnungen mit schlechter Dämmung sind nicht ganz ausgeschlossen – hier werden die Heizkosten aber höher ausfallen. Wer ein solches System einbauen will, sollte sich daher vorher über Sanierungsmaßnahmen informieren – was die Investitionskosten weiter nach oben treiben wird.

VorteileNachteile
Sehr effizient und klimafreundlichHohe Investitionskosten (aktuell)
Wer Strom selbst erzeugt, ist 100% unabhängigNicht für jeden Haustypen geeignet
Sehr niedrige HeizkostenHängt von sicherer Stromversorgung ab

Rubriklistenbild: © Christian Charisius / dpa

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