Weight Watchers-Insolvenz: Deutsche Tochterfirma sagt, wie es für Kunden weitergeht
VonUlrike Hagen
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Das Abnehm-Unternehmen Weight Watchers ist insolvent. Jetzt äußerte sich die deutsche Tochterfirma darüber, wie es für die Kunden weitergeht.
New York/Düsseldorf – Das einst weltberühmte Diätunternehmen Weight Watchers steckt schon länger in der Krise. Nun gab das Unternehmen mit Hauptsitz in New York am Dienstag (6. Mai) bekannt, dass es Insolvenz angemeldet hat. Der Kurs der Aktie, die seit Jahren im Sinkflug ist, stürzte nach der Bekanntgabe weiter ab. Millionen Mitglieder weltweit, darunter auch Hunderttausende Kundinnen und Kunden in Deutschland, stellen sich die Frage: Wie geht es weiter beim Abnehm-Giganten? Jetzt äußert sich die deutsche Tochterfirma.
Das Abnehm-Imperium Weight Watchers steht vor dem Aus. Oprah Winfrey zog sich bereits aus dem Unternehmen zurück. Betroffen ist auch die deutsche Tochterfirma mit Sitz in Düsseldorf. (Archivfoto)
Schuldenschnitt geplant: Weight Watchers will sich in Insolvenzverfahren sanieren
Wie das Unternehmen in einer Mitteilung bekanntgab, beantragte es ein Insolvenz-Verfahren nach Chapter 11 (Kapitel 11) beim US-amerikanischen Konkursgericht für den Bezirk Delaware: „Weight Watchers ergreift strategische Maßnahmen zur Tilgung von 1,15 Milliarden US-Dollar (rund 1 Milliarde Euro) Schulden und stärkt damit seine Finanzlage für langfristiges Wachstum und Profitabilität“, heißt es. Das Unternehmen gehe davon aus, dieses Verfahren zügig abzuschließen und das gerichtlich überwachte Reorganisationsverfahren in etwa 45 Tagen, wenn nicht sogar früher, abzuschließen.
Die beliebtesten Diäten – Einige können aber auch gefährlich werden
Weight Watchers meldet Insolvenz an: Das gilt jetzt für die Mitglieder mit Abos
„Der Betrieb wird ohne Auswirkungen auf die mehr als drei Millionen Mitglieder weltweit fortgesetzt“, erklärt Weight Watchers. Das Unternehmen sei während der „organisierten Umstrukturierung“ seiner Bilanzen voll betriebsbereit. Es komme zu keinen Auswirkungen auf die Mitglieder und ihre Programme zur Unterstützung ihrer Gewichtsreduktionsziele, verspricht das 1963 gegründete Unternehmen.
„Das ganzheitliche Betreuungsmodell von WeightWatchers“ – einschließlich des „ärztlich empfohlenen Abnehmprogramms“, des Telemedizin-Angebots mit Zugang zu Adipositas-spezialisierten Ärzten, verschreibungspflichtigen Abnehmmedikamenten sowie Workshops und Coachings – bleibe für die Mitglieder mit Abos ohne Einschränkungen voll verfügbar.
„Weiter wie bisher“: Weight Watchers Deutschland gibt Statement ab
Gestern (7. Mai) hat nun auch die deutsche Tochterfirma mit Hauptsitz in Düsseldorf ein Statement veröffentlicht: „Wir haben kürzlich eine Vereinbarung mit unseren wichtigsten Finanzpartnern getroffen, die uns helfen wird, langfristig erfolgreich zu bleiben“. Aus diesem Prozess werde man gestärkt und mit einem gesünderen finanziellen Fundament hervorgehen: „Es wird keine Unterbrechungen Ihres Services oder Ihrer Mitgliedschaft geben“, heißt es und: „Wir stehen Ihnen weiterhin wie gewohnt zur Seite und unterstützen Sie auf Ihrem Weg zu einem gesünderen Leben.“
Diät-Imperium mit über 1 Milliarde Dollar in der Kreide: Insolvenzverfahren soll den Neustart sichern
Jahrzehntelang war Weight Watchers der Inbegriff erfolgreicher Gewichtsabnahme – mit Punktesystem, Gruppenmotivation und prominenter Unterstützung. Allen voran: Oprah Winfrey, Talkshow-Legende und US-Medienmacht, die 2015 nicht nur als Werbegesicht, sondern auch als Investorin einstieg. Doch die Moderatorin, die als Aushängeschild des Unternehmens galt, stieg bereits im letzten Jahr aus. Nun ist von Glanz und Gloria kaum noch etwas übrig – der Abnehm-Spezialist steht vor dem Aus.
Weight Watchers sind pleite – das sind die Gründe für die Insolvenz
Die zunehmende Konkurrenz durch kostenlose Online-Programme, Fitnessarmbänder und Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy haben es dem Diät-Giganten zunehmend schwer gemacht, Mitglieder zu rekrutieren und zu halten. 2018 versuchte das Unternehmen, mit einer Neuausrichtung unter dem Namen WW und dem Claim „Wellness that Works“ das Ruder herumzureißen: „Das, was Netflix für Filme, Spotify für Musik und Amazon fürs Einkaufen sind, möchten wir für Wellness sein“, erklärte die damalige Konzernchefin Mindy Grossman. Doch die Umsätze brachen nach einem kurzfristigen Hoch ein.
Abnehm-Gigant verliert an Gewicht: Aktienkurse fielen rasanter als die Pfunde der Mitglieder
Allein im Geschäftsjahr 2024 sank der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent auf 785,9 Millionen US-Dollar. Dem operativen Gewinn von 22,3 Millionen Dollar im Jahr 2023 stand ein Verlust von 236,2 Millionen Dollar entgegen. Auch der Aktienkurs der Firma WW International – alias Weight Watchers – der im Jahr 2018 bei „fetten“ 100 Dollar lag, wie die Wirtschaftswoche berichtet, purzelte rasanter als die Pfunde der Weight-Watchers-Jünger. Nach der Insolvenz-Bekanntgabe ist er auf magere 43 Cent abgespeckt (Stand: 8. Mai, 10 Uhr).