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Die Deutsche Bahn bietet der Gewerkschaft GDL moderierte Gespräche an. Kritik gibt es an der Höhe der Tarifforderungen. Die GDL könnte in der Weihnachtszeit streiken.
Frankfurt – Die Deutsche Bahn will Streiks der Lokführergewerkschaft GDL in der Weihnachtszeit verhindern. DB-Personalvorstand Martin Seiler schlägt der Gewerkschaft deshalb „moderierte Verhandlungen“ vor. „Wir wollen raus aus der Konfliktspirale und rein in einen konstruktiven Lösungsmodus“, sagte Seiler am Freitag in Berlin. Das sei das Beste für die Beschäftigten und die Bahn-Kundschaft.
Streik droht: Weselsky lehnt Deutsche Bahn-Vorschlag eines „Weihnachtsfriedens“ ab
Am 31. Oktober läuft der Tarifvertrag zwischen der GDL und der Deutschen Bahn aus. Damit endet die Friedenspflicht. Am 9. November soll die erste Verhandlungsrunde stattfinden. Die Gewerkschaft hatte angekündigt, dass es rasch größere Arbeitskampfmaßnahmen geben werde, wenn Arbeitgeber versuchten, auf Zeit zu spielen.
Innerhalb der Gewerkschaft wird sogar eine Urabstimmung vor der ersten Verhandlungsrunde diskutiert. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky will sich nicht lange mit kürzeren Warnstreiks aufhalten und stattdessen die Mitglieder zügig über unbefristete Streiks abstimmen lassen. Den Bahn-Vorschlag eines „Weihnachtsfriedens“ hatte Weselsky zuvor bereits abgelehnt.
Deutsche Bahn will schnell mit Gewerkschaft GDL verhandeln
Darauf reagierte nun die Bahn am Freitag. Seiler schlägt vor, „unverzüglich“ mit den Verhandlungen zu beginnen. Das solle „in einem geschützten Raum“ passieren, moderiert von erfahrenen Konfliktberatern. Für die Zeit dieser Verhandlungen solle eine Friedenspflicht herrschen, so Seiler. Die GDL dürfte also nicht streiken. Im Gegenzug stellte Seiler die Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1500 Euro noch im Dezember in den Raum. „Quasi ein kleines Weihnachtsgeld“, sagte der DB-Vorstand.
Die GDL fordert eine allgemeine Entgelterhöhung um 555 Euro. Auszubildende sollen mindestens 324 Euro pro Monat mehr bekommen. Die Zulagen sollen um 25 Prozent steigen. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit sinken: auf eine 35-Stunden-Woche. Auch die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie soll ausgezahlt werden: 3000 Euro für Voll- und Teilzeitarbeitskräfte, 1500 Euro für Azubis. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll aus Sicht der GDL zwölf Monate betragen.
GDL-Forderungen für Bahn „unerfüllbar“
Für DB-Personalvorstand Seiler sind die Forderungen der Gewerkschaft „unerfüllbar“. Sie würden eine Steigerung der Personalkosten von mehr als 50 Prozent bedeuten, sagte Seiler. Auch müsste man bei der Umsetzung der 35-Stunden-Woche bei vollen Lohnausgleich rund 10 000 neue Mitarbeiter:innen einstellen. „Derart unerfüllbare Forderungen kennen wir von keiner anderen DGB-Gewerkschaft.“
Tarifverträge der GDL gelten laut DB für rund fünf Prozent der Bahn-Beschäftigten. Die GDL konkurriert innerhalb des Konzerns mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die sich im August nach einer Schlichtung mit der Bahn auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt hatte.
Zum Vorschlag der Bahn äußerte sich die Gewerkschaft am Freitag skeptisch. „Wenn ein Schlichter von vornherein reingezogen wird, nimmt sich der Verhandlungsführer selbst aus dem Rennen“, sagte Weselsky der Südwest Presse. (Steffen Herrmann)
