Verschiedene Gründe

Weiterer deutscher Autozulieferer ist insolvent – wie geht es weiter?

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Die aktuell unaufhaltsame Insolvenzwelle hat erneut einen deutschen Automobilzulieferer erwischt. Wie geht es für den Betrieb und die Mitarbeiter weiter?

Göppingen – Die Insolvenzwelle scheint auch zur Jahresmitte nicht abebben zu wollen. Nachdem es jüngst einen familiengeführten Schuh-Händler und ein strukturrelevantes Unternehmen erwischt hat, meldete nun erneut ein deutscher Automobilzulieferer Insolvenz an. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen der Länder hervorgeht, hat das Amtsgericht Göppingen (Baden-Württemberg) am 1. Juni das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Kick GmbH eröffnet und den Rechtsanwalt Michael Wahl von der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei Pluta zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Laut der Firmenseite wurde das Unternehmen im Jahr 1960 unter dem Namen Schleith & Kick als Hersteller von Spritzgussformen für die Spielwarenindustrie gegründet. Den Spritzgussformen ist das seit 1982 am heutigen Hauptsitz in Göppingen bei Stuttgart ansässige Unternehmen bis heute treu geblieben, beliefert damit aber verschiedene Branchen wie eben auch die Automobilindustrie. Wie geht es nach der Insolvenzanmeldung für den Betrieb und die Mitarbeiter weiter?

Autozulieferer rutscht in Zahlungsunfähigkeit – Insolvenzverwalter sieht gute Chancen für Sanierung

Im Zuge eines ordentlichen Insolvenzverfahrens sind die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter in der Regel für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt. Das ist auch bei der Kick GmbH der Fall und wie die Südwestpresse (SWP) auf Anfrage von einem Pluta-Sprecher erfuhr, soll der Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen weiterlaufen. „Derzeit prüfe ich intensiv die Möglichkeiten einer übertragenden Sanierung“, erklärte Insolvenzverwalter Wahl. „Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu erhalten und einen Investor zu finden. Hierzu laufen Gespräche mit Interessenten.“

Name Kick GmbH
Gründung 1960
Sitz Göppingen, Baden-Württemberg
Branche Autozulieferer
Mitarbeiter 7

Die Autoindustrie und ganz besonders die Zulieferer haben aktuell mit hohen Kosten, einem steigenden Konkurrenzdruck und einem sinkenden Auftragsbestand zu kämpfen. Diese Gründe führten unter anderem auch bei der Kick GmbH zu finanziellen Schwierigkeiten, wie der Sprecher von Pluta erklärte. „Hauptursachen für die wirtschaftlichen Probleme sind der hohe Wettbewerbsdruck mit rückläufigen Umsätzen seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie sowie die deutlich gestiegenen Energiekosten als Folge des Ukrainekriegs“, führte er aus.

Die Kick GmbH, die unter anderem auch die Autoindustrie beliefert, hat Insolvenz angemeldet. (Symbolfoto)

Probleme der Autoindustrie haben im Kreis Göppingen bereits ihren Tribut gefordert

Die genannten Probleme haben in den vergangenen Monaten viele Unternehmen aus der Branche in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Beispielsweise meldeten die traditionsreichen Allgaier-Werke mit Sitz in Uhingen im Kreis Göppingen bereits Mitte 2023 Insolvenz an und wurden ebenfalls von der Ulmer Anwaltskanzlei Pluta bei einer Sanierung unterstützt. Während die Allgaier Process Technologie GmbH kurz vor Weihnachten 2023 von einem Investor gerettet wurde, gehen bei der zentralen Allgaier Automotive Ende 2025 die Lichter ganz aus.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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