VonLisa Mayerhoferschließen
Gestiegene Zinsen und Baukosten belasten den Wohnungsbau – und sorgen auch für hohe Mieten. Doch die Lage könnte sich bald bessern, heißt es in einer aktuellen Studie. Bauministerin Geywitz hat Pläne.
Frankfurt/Main – Der Wohnungsbau in Deutschland steckt in der Krise – es wird zu wenig gebaut. Die Folgen: Hohe Mieten und auch der Bau eines Eigenheims gestaltet sich als schwer und teuer. Nach Einschätzung der Strategieberatung EY-Parthenon ist aber ab nächstem Jahr Besserung in Sicht.
Studie: Kräftiger Rückgang beim Wohnungsbau erwartet
Die enorm gestiegenen Kredit- und Materialkosten erschwerten es zwar weiter, Bauprojekte zu finanzieren, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Prognose, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Der Markt dürfte aber mit sinkender Inflation ein neues Gleichgewicht finden und die Politik könnte bei einer anhaltenden Baukrise eingreifen. Derweil dürften sich die historisch gestiegenen Baupreise zumindest normalisieren, hieß es.
EY-Parthenon erwartet, dass der gesamte Hochbau in Deutschland 2023 erstmals seit Jahren kräftig schrumpft. So dürfte das preisbereinigte Bauvolumen um 2,6 Prozent auf gut 301 Milliarden Euro sinken, etwas weniger als vor der Corona-Pandemie. 2024 dürfe das Bauvolumen dann stagnieren und 2025 um 1,9 Prozent wachsen. Dabei stütze der hohe Bedarf an energetischen Sanierungen, sei es beim Heizungstausch oder bei der Installation von Photovoltaikanlagen, die Baubranche.
Für den Wohnungsbau sehen die Autoren dieses Jahr einen kräftigen Rückgang von 3,1 Prozent, der sich ab 2024 „langsam, aber stetig zu einem positiven Wachstum entwickeln wird“. „Wir glauben, dass sich der Einbruch im Wohnungsbau 2024 nicht fortsetzt“, sagte Volkmar Schott, Partner bei EY-Parthenon. Baukosten und Kreditzinsen dürften sich normalisieren und die Politik im Notfall einschreiten – etwa mit mehr Neubauförderung oder neuen Abschreibungsmöglichkeiten am Bau.
Geywitz will Steuererleichterungen bei Neubauten
So etwas scheint Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) auch zu planen: Sie will einem Bericht zufolge mit einem neuen Anreiz-Programm den Wohnungsbau ankurbeln. Ihr Vorschlag: Die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten ab dem kommenden Jahr und befristet bis Ende des Jahres 2030 massiv zu erweitern, berichtete am Mittwoch das Nachrichtenportal The Pioneer unter Berufung auf einen Ergänzungsvorschlag der Bauministerin für das Wachstumschancengesetz von Finanzminister Christian Lindner (FDP).
Demnach sollen in den ersten vier Jahren jeweils sieben Prozent der Baukosten abgeschrieben werden können. Nach der aktuellen Regelung sind es drei Prozent. Die sogenannte degressive AfA (Absetzung für Abnutzung) würde dann in den darauffolgenden vier Jahren noch einmal eine Abschreibung von fünf Prozent ermöglichen. Der Plan sei allerdings innerhalb der Bundesregierung „nicht unumstritten“, berichtete The Pioneer. Finanzminister Lindner müsste wahrscheinlich zunächst mit Milliardenausfällen rechnen.
Bauherren könnten bald vor besseren Zeiten stehen
Beim Wohnungsbau muss sich aber bald etwas ändern: Dieser ist wegen des starken Zinsanstiegs bei Krediten ins Stocken geraten – das belastet die Baukonjunktur. Der Bauverband ZDB erwartet dieses Jahr preisbereinigt ein Umsatzminus von rund sieben Prozent. Wegen hoher Kosten werden laut ifo Institut viele Projekte storniert. Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft erwarten, dass dieses Jahr nur 245.000 Wohnungen fertig werden (2022: gut 295.000). Damit würde das Ziel der Bundesregierung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen weit verfehlt – schlechte Vorzeichen im Kampf gegen Wohnungsmangel und hohe Mieten.
Bauherren dürften unterdessen vor etwas besseren Zeiten stehen, glaubt EY-Parthenon. Die Baupreise, die 2022 zwischen 16 und 18 Prozent je nach Bereich hochgeschossen waren, dürften sich an die allgemeine Inflation angleichen, nicht aber sinken. Rasant steigende Preise für Baudienstleistungen ließen sich nicht mehr durchsetzen, sagte Partner Björn Reineke, doch Baumaterialien blieben teuer.
Die Studie sieht Hebel für mehr Effizienz, kürzere Bauzeiten und weniger Kosten auf Baustellen, etwa mit digital optimierten Prozessen, seriellem Bauen und industriell vorgefertigten Bauteilen. Bis zu 15 Prozent mehr Wohneinheiten pro Jahr seien möglich bei bis zu 10 Prozent Kostenersparnis. Ein Vorbild sei Schweden. Dort würden vorgefertigte Holzelemente etwa neunmal so oft eingesetzt wie hierzulande. „Einige schwedische Firmen können so innerhalb von acht Tagen circa 30 neue Wohnungseinheiten bereitstellen.“ (lma/dpa)
Mit Material der AFP
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