VonSteffen Herrmannschließen
Ältere Beschäftigte könnten in der IT- und Ingenieur-Branche Fachkräfte-Lücken schließen. Dafür müssen Unternehmen aber umsteuern.
Deutschland ist in der Krise, die Wirtschaft schwächelt. Aber keine Sorge: Die Babyboomer werden es richten, zumindest im Ingenieur- und IT-Sektor. Denn in der Gruppe der älteren Beschäftigten sehen der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ein großes Potenzial.
Zwar werden viele Babyboomer, die derzeit als Ingenieure und IT-Expertinnen arbeiten, in den kommenden Jahren in Rente gehen. Das arbeitgebernahe IW-Institut rechnet sogar mit bis zu 340 000 Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen, die bis 2035 aus Altersgründen den Arbeitsmarkt verlassen werden.
Aber wenn es gelingt, einen Teil der im Zeitraum von 1955 bis 1969 Geborenen in Arbeit zu halten, dann ist viel möglich: „Die Babyboomer im Markt zu halten ist eine große Chance für unsere Wirtschaft“, sagte VDI-Direktor Adrian Willig am Dienstag in einem Pressegespräch. „Gezielte Maßnahmen“ für erfahrene Fachkräfte könnten die Beschäftigung im Jahr 2037 um 58 400 Personen steigern und eine zusätzliche Wertschöpfung von 7,2 Milliarden Euro ermöglichen, haben der VDI und das IW-Institut gemeinsam für Ingenieur- und IT-Berufe ausgerechnet. „Erfahrung ist der Motor für Innovation. Dieses Potenzial müssen wir nutzen“, sagte Willig.
Experte: Firmen müssen Babyboomer umwerben
Für den VDI-Direktor sind die Unternehmen in der Verantwortung, denn sie müssten attraktive Arbeitsbedingungen schaffen, die es älteren Beschäftigten leicht machen, länger zu arbeiten. Der Staat solle dabei unterstützen, die Beschäftigten wiederum müssen bereit sein, lebenslang zu lernen.
„In den kommenden Jahren wird die Beschäftigung bunter“, sagte der IW-Experte Axel Plünnecke mit Blick auf die wachsende Anteile von Frauen und Menschen aus dem Ausland an allen Beschäftigten in der Branche. Für die Fachkräftesicherung sei es aber eben auch wichtig, die Erwerbstätigkeit der Älteren zu fördern – durch „Erwerbsanreize“ wie etwa die Umsetzung der Rente mit 67.
Viele offene Stellen für Ingenieure und IT-Profis
Derzeit gibt es laut Ingenieurmonitor von VDI und IW 129 170 unbesetzte Stellen in Ingenieur- und IT-Berufen. Zwar ist die Zahl offener Stellen zuletzt zurückgegangen. Mittel- und langfristig aber wird das Problem größer: Während viele Ältere in Rente gehen, sinkt die Zahl der Uni-Absolventen. Der Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieuren und IT-Expertinnen aber steigt durch Digitalisierung und Dekarbonisierung .
