100 Millionen von Bund und Bayern geplatzt

„Wir bedauern die Insolvenz zutiefst“: Nach Absage des Bundes steckt das Flugtaxi-Unternehmen Lilium in der Krise

  • schließen

Die E-Lufttaxi-Firma Lilium schlittert in die Insolvenz, nachdem der Bund staatliche Finanzhilfen in Millionenhöhe abgelehnt hat. Was bedeutet dies nun?

Weßling – Die Krise beim Flugtaxi-Hersteller Lilium spitzt sich weiter zu. Die Zukunft des Tech-Unternehmens steht auf immer wackligeren Beinen, dem Unternehmen fehlt es an Geld. Eigentlich hätten Lilium staatliche Kredite in der Höhe von 100 Millionen Euro retten sollen, dann wollten auch bestehende Investoren noch einmal Geld zuschießen. Doch der Haushaltsausschuss des Bundes erteilte dem Start-up eine Absage. Nun gibt das Unternehmen bekannt, Insolvenz für zwei deutsche Tochterunternehmen anmelden zu müssen – und auch CEO Klaus Roewe meldet sich zu Wort.

Flugtaxi-Startup Lilium rutscht nach Absage vom Bund in Krise – und warnt vor Insolvenz

Der elektrisch betriebene Lilium Jet kann vertikal starten und landen, eine Strecke von bis zu 250 Kilometern zurücklegen und Geschwindigkeiten von 280 Kilometern pro Stunde erreichen. Ein erster bemannter Flug war für nächstes Jahr geplant, die Markteinführung für 2026 angesetzt. Das 2015 von Absolventen der TU München gegründete Unternehmen weist Verluste von fast 1,5 Milliarden Euro auf. In einem Halbjahresbericht an die US-Börsenaufsicht meldete das Unternehmen finanzielle Engpässe und warnte vor einer Insolvenz – für die Weiterentwicklung fehle es an nötigem Kapital.

Nun scheint das Worst-Case-Szenario eingetreten zu sein. Ursprünglich hätten staatliche Finanzhilfen in der Höhe von 100 Millionen Euro – je zur Hälfte von Bund und Bayern garantiert und über eine Wandelanleihe der Staatsbank KfW finanziert – dem Unternehmen über die Durststrecke helfen sollen. Während Bayern die 50 Millionen locker machte, erteilte der Bund der nötigen Co-Finanzierung in der Höhe von 50 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt in Form einer Wandelanleihe zuletzt die Absage. Als Grund wurden Zweifel an den wirtschaftlichen Perspektiven des Unternehmens sowie die Sorge genannt, dass bereits in Kürze erneut ein Liquiditätsengpass drohen könnte. Außerdem soll nicht gut angekommen sein, dass bestehende Investoren ihre Bereitschaft zu weiteren Kapitalspritzen von der Unterstützung durch staatliche Mittel abhängig machten.

So schön kann Fliegen sein: Die Firma Lilium bastelt an vollelektrischen Flugtaxis. Unterstützungen in Höhe von 50 Millionen Euro vom Bund bekommen die Bayern dafür nicht.

Lilium hatte mit den Staatshilfen von Bund und Bayern, das sich für eine Unterstützung des Startups im Vorfeld eingesetzt hatte, gerechnet, nach der Absage schien eine Insolvenz unvermeidlich: „Die internationale Konkurrenz von Lilium erhält Zuschüsse und Darlehen aus den USA, Frankreich, China, Brasilien und dem Vereinigten Königreich. Daher wurde die Unterstützung der deutschen Regierung von den Lilium-Investoren als entscheidend angesehen, um das Vertrauen des Marktes und potenzielle zukünftige Investitionen zu erhalten“, schreibt das Unternehmen in seiner Aussendung. Am 24. Oktober 2024 gab das Unternehmen nun auf seiner Website bekannt, dass seine wichtigsten deutschen Tochtergesellschaften, die Lilium GmbH und die Lilium eAircraft GmbH, in den nächsten Tagen beim zuständigen Gericht in Deutschland ein Verfahren zur Eigenverwaltung beantragen werden.

Flugtaxi-Startup Lilium kündigt Insolvenzen für Tochterunternehmen an: Statement des CEO

Die Absage des Bundes habe nun zu diesem drastischen Schritt geführt. „Unser Plan war es, in einer neuen Finanzierungsrunde, die durch ein staatliches Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro unterstützt wird, eine Beteiligung der Anteilseigner zu erhalten“, so Lilium-CEO Klaus Roewe. „Wir hatten uns bereits bedingt zusätzliches privates Kapital gesichert, um das KfW-Darlehen zu ergänzen. Der Haushaltsausschuss konnte sich jedoch nicht auf das Darlehen einigen, und Bayern konnte es nicht allein schaffen.“ Lilium sei keine andere Wahl geblieben, als die beiden deutschen Tochtergesellschaften in die Eigenverwaltung zu überführen. Sofern diese vom Gericht bewilligt wird, erklärt Lilium, würde die Geschäftsführung die Kontrolle behalten und das Unternehmen unter Aufsicht weiterführen.

Lilium plane weiterhin, 2026 mit der Auslieferung seiner bisher gesammelten Aufträge zu starten. Über 780 Lilium Jets sind bereits durch Festbestellungen, Reservierungen, Optionen und Absichtserklärungen bestellt und sollen an Betreiber in den USA, Südamerika, Europa, Asien und dem Nahen Osten ausgeliefert werden, heißt es. Daher habe die Unterstützung des Insolvenzverfahrens für Lilium nun „oberste Priorität“.

„Wir bedauern die Insolvenz und ihre Folgen für alle Beteiligten in einer so entscheidenden Phase der Entwicklung unseres Unternehmens zutiefst“, so Lilium-Vorstandsvorsitzender Klaus Roewe. „Auch wenn es in einem Insolvenzverfahren keine Erfolgsgarantie gibt, hoffen wir, dass Lilium Jet nach Abschluss des Eigenverwaltungsverfahrens eine Chance für einen Neuanfang erhält.“ Man sei außerdem der festen Überzeugung, „dass elektrisches Fliegen unsere beste Hoffnung für die Dekarbonisierung der Luftfahrt ist“. Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer werden demnächst über die weiteren Schritte informiert, heißt in einer Mitteilung.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare