- VonTheresa Breitschingschließen
Das Flugtaxi-Unternehmen Lilium steht vor der Insolvenz. Staatliche Finanzhilfen in Millionenhöhe sollen es retten, nur dann wollen die Investoren mitgehen. Doch es dürfte zu einer Absage vom Bund kommen.
Wessling – Krisenstimmung beim Flugtaxi-Hersteller Lilium. Die Zukunft des Tech-Unternehmens steht auf wackligen Beinen, denn dem Unternehmen fehlt es an Geld. Staatliche Kredite in der Höhe von 100 Millionen Euro von Bund und Bayern sollen die Durststrecke des Elektro-Flugzeugbauer überbrücken – sofern dies eintritt, wollen auch bestehende Investoren neues Kapital bereitstellen. Doch nun scheint alles anders zu kommen.
Flugzeugbauer warnt vor Insolvenz und hofft auf Staatsbürgschaften in Höhe von 100 Millionen Euro
Der Lilium Jet, der elektrisch angetrieben wird, kann senkrecht starten und landen. Bis zu 250 Kilometer weite Strecken kann er zurücklegen und dabei 280 Kilometer pro Stunde erreichen. Ein bemannter Erstflug sollte nächstes Jahr stattfinden, die Markteinführung war für 2026 anberaumt. In einem Halbjahresbericht an die US-Börsenaufsicht warnte das Unternehmen jedoch vor einer Insolvenz, denn für die Weiterentwicklung fehlt das nötige Kapital. Lilium wurde 2015 von TU München-Absolventen gegründet und weist nunmehr Verluste in der Höhe von fast 1,5 Milliarden Euro vor.
Staatliche Finanzhilfen in Höhe von 100 Millionen Euro, die je zur Hälfte von Bund und Bayern garantiert und über eine Wandelanleihe der Staatsbank KfW finanziert sind, sollen Lilium aus der Krise heraus helfen. Vom Erfolg des Deals hängt laut eigenen Aussagen einiges ab: Bestehende Investoren wollen weitere 30 Millionen investieren, wenn das Darlehen von Bund und Bayern klappt – und falls dem nicht so ist, drohen drastische Einschnitte im Geschäftsbetrieb, bis hin zur Anwendung des „geltenden Insolvenzrechts“.
Bayern macht 50 Millionen Euro für Flugtaxi-Firma Lilium frei, doch Bund zögert bei Zusage
Nun die Überraschung: Laut Medienberichten wie der FAZ soll es vom Bund zu keiner Zusage kommen. Die nötige Co-Finanzierung in der Höhe von 50 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt in Form einer Wandelanleihe wird nicht gewährt. Und das, obwohl Bayern bereits einer Haftungsübernahme von 50 Millionen Euro zugesagt hat. Doch Bayern wird voraussichtlich nicht ohne Bund die Garantie übernehmen, sondern nur in einer Co-Position.
Im Vorfeld wurde bereits berichtet, dass der Haushalt aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven Vorbehalte habe. Auch, dass die private Finanzierung von den staatlichen Hilfen abhänge, sei bei einigen Abgeordneten nicht gut angekommen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte für eine Kreditbürgschaft des Bundes Stimmung gemacht, sehe er doch „großes Potenzial in dieser Form der Luftmobilität“. Doch laut FAZ befürchten die Haushaltspolitiker, dass bei Lilium spätestens in einem Jahr wieder ein Liquiditätsengpass zu erwarten sei. Außerdem hätten nur wenige private Investoren Interesse gezeigt.
Bayern macht Druck bei der Unterstützung für Lilium: „Tag der Wahrheit“
Am Mittwoch sei im Bundestag der „Tag der Wahrheit“, meint Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) zur Deutschen Presse-Agentur. Dies bestätigte auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler): „Schön langsam ist es fünf nach zwölf. Wenn die noch was tun wollen, dann müssten die das jetzt tun“. Unterstützung erhält das Tech-Unternehmen aus Bayern.
Der dortige Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder nahm am Freitag vor dem CSU-Parteitag dazu Stellung: „Wir haben im Kanzleramt nachgefragt – es ist noch nicht abschließend entschieden. Wenn es so wäre, wäre es ein weiterer Fall, wie Bayern bewusst benachteiligt wird.“ Denn Söder will verhindern, dass Lilium ins Ausland abwandert. Sein Argument: Auch alte Technologien wie Schiffswerften werden gerettet, da müsste Geld auch für neue Technologien da sein. Er hoffe, dass es noch zu einer Lösung komme.
Zieht Lilium jetzt ins Ausland? „Wir brauchen Deutschland und Europa nicht“
Lilium verweist darauf, dass ausländische Konkurrenten ebenfalls Hilfe von heimischen Regierungen bekämen. „Alle unsere internationalen Wettbewerber haben längst Fördergelder erhalten – und zwar Zuschüsse und keine Darlehen“, sagte ein Lilium-Sprecher dem Spiegel. „Es gibt in der Luftfahrtindustrie kein erfolgreiches Flugzeugprogramm ohne Staatshilfe.“ Das Unternehmen hatte noch im Sommer dieses Jahres davor gewarnt, sich aus Deutschland zurückzuziehen. „Wir brauchen Deutschland und Europa nicht“, hieß es aus dem Management.
Sofern der Bund absagt und die Staatsbürgschaft damit scheitert, bleiben dem Unternehmen nur zwei Szenarien: „Wenn wir am Mittwoch ein Nein bekommen, werden wir das Unternehmen in der jetzigen Form nicht in Deutschland halten können“, meinte Lilium-Co-Founder Daniel Wiegand zu Bild. Lilium müsse entweder ins Ausland abwandern – oder schlittert in die Insolvenz.
Rubriklistenbild: © -/Lilium/dpa
