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Der Zustand der russischen Wirtschaft lässt Alarmglocken schrillen. Schon jetzt ist es laut Experten schwierig, den Ukraine-Krieg weiterzuführen. Kremlchef Putin wiegelt alle Warnungen ab.
Moskau – Die kriselnde Wirtschaftslage in Russland ruft immer mehr Top-Ökonomen auf den Plan. Jüngst warnte der Sberbank-Chef, German Gref, vor einer Rezession. Die ausbleibende Zinssenkung der Zentralbank bremse das Wachstum aus. Präsident Wladimir Putin lässt sich davon nicht beirren. Doch Experten sind sich einig: Ab jetzt wird es für Russlands Wirtschaft richtig hart.
Russlands Wirtschaft droht Rezession – Chef der Sberbank warnt Putin
Putin gibt selbst zu, dass in Russlands Wirtschaft die Unzufriedenheit über die hohen Zinsen wächst. Auf einer Podiumsdiskussion am Freitag räumte Putin ein, dass die hohen Zinsen zur Bekämpfung der Inflation notwendig seien. Die russische Wirtschaft stagniere aber nicht. Er teile die Sorgen von Sberbank-Chef Gref über eine bevorstehende Rezession nicht. Gref hatte am Rande des Wirtschaftsforums in Wladiwostok mitgeteilt, die Wirtschaft befinde sich im zweiten Quartal in einer Phase der „technischen Stagnation.“
Mit Blick auf die Inflation dürften im Finanzsektor die Ängste weiter wachsen. Die hartnäckige Inflation setzte die russische Zentralbank in der Vergangenheit unter Druck. Im Juni 2025 senkte die Zentralbank den Zinssatz auf 20 Prozent, im Juli sogar seit langem auf unter 20, also auf 18 Prozent. Doch das reicht laut Gref nicht, nur ein Zinssatz von zwölf Prozent könne die Wirtschaft stabilisieren.
Vor allem Unternehmen, die unter den hohen Kreditkosten leiden, hoffen auf niedrigere Zinsen. Weil viele russische Firmen die Kreditkosten nur schwer tilgen können, droht einigen sogar die Zahlungsunfähigkeit. Solch hohe Zinsen könne sich kein mittlerer, schon gar kein Kleinunternehmer leisten, sagte Russland-Experte Andrey Gurkov im Gespräch mit der Tagesschau.
Inflation belastet russische Wirtschaft – Firmen befürchten Zahlungsprobleme
Die hohe Inflation ist Resultat von Putins Kriegswirtschaft. Der Kremlchef pumpt seit Jahren primär Geld in das Militär und in die Rüstungsindustrie. Inzwischen rächen sich die Investitionen und das russische Wachstum verlangsamt sich. Die Wachstumswirkung der nicht nachhaltigen Staatsinvestitionen in Kriegsgüter verpufft allmählich.
Zwar hält Putin mit seiner eigenen Darstellung der russischen Wirtschaft dagegen, doch Experten wie Gurkov sprechen über eine verschlechterte Finanzsituation der russischen Wirtschaft. Der Ukraine-Krieg werde immer teurer, und Zivilbranchen gingen ins Minus.
Sanktionen und ukrainische Angriffe dämpfen Einnahmen der russischen Wirtschaft – harter Winter kommt
Hinzu kommen westliche Sanktionen und ukrainische Angriffe auf die Energieinfrastruktur, die die Einnahmen der russischen Wirtschaft schmälern. Sanktionen, etwa das EU-Ölembargo, drücken die Gewinne aus dem Ölgeschäft. Seitdem die westlichen Sanktionen gegen Russlands Öl und LNG gelten, fließt russische Energie nur noch in wenige EU-Länder, wie Ungarn oder Slowakei. Der Großteil der EU kommt ohne russische Energieimporte aus.
Derweil setzt die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf große Raffinerien fort, was in einigen russischen Regionen offenbar zur Treibstoff-Knappheit führte. Beispielsweise berichten Autofahrer aus der Region Primorje laut russischen Lokalmedien seit Anfang August 2025 über Versorgungsengpässe beim Kraftstoff. Besonders betroffen sind die russischen Städte Arsenjew, Ussurijsk und das Dorf Tschugujewka. Dort sei der Kraftstoff aus den Zapfsäulen „verschwunden“, berichtet das Portal PrimaMedia.
Wie lange Putin unter den strauchelnden wirtschaftlichen Umständen noch einen Krieg gegen die Ukraine führen kann, lässt sich schwer einschätzen. Laut Gurkov wird es für Putin jetzt schon schwieriger, die besonders harte Phase komme aber im Winter. Gegenüber der Tagesschau erklärt er, dass der Winter auch Putins Verhandlungsbereitschaft im Frühjahr beeinflussen werde. Der Westen, vor allem die Ukraine, hofft auf einen Waffenstillstand.
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