Ukraine-Krieg: EU-Land widersetzt sich Trump – und kauft weiter Putins Öl
VonLars-Eric Nievelstein
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Die Slowakei kauft weiter Öl in Milliardenhöhe von Russland. Das soll nun ein Ende finden. Allerdings gibt es Komplikationen mit einer Pipeline.
Bratislawa – US-Präsident Donald Trump fordert eine NATO, die komplett ohne russisches Öl und Gas auskommt. Sobald das gewährleistet ist, will er sich dem Westen wieder anschließen, was etwa Strafmaßnahmen gegen Russland angeht. Sein Finanzminister Scott Bessent sprach gar von einem „Kollaps“ für Russlands Wirtschaft. Dabei gibt es jedoch ein gravierendes Problem: Zwei NATO-Länder, die zugleich in der EU sind, sind noch in hohem Maße abhängig von den Energieexporten des Kreml-Chefs Wladimir Putin.
Slowakei will sich nicht von Putins Öl lösen – und fordert weitere Energiequellen
Die Idee hinter Trumps Plan ist simpel: Wenn Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf zu sehr zurückgehen, müsste das die Kriegskassen des Kremls austrocknen. Der Energiesektor ist mit die wichtigste finanzielle Quelle für Putin. Die Slowakei aber widersetzt sich dem Plan. Pellegrini gab an, es gebe zu hohe technologische Hürden und die alternativen Routen (derzeit bezieht die Slowakei vorrangig durch die Druschba-Pipeline ihr Öl) böten nicht die ausreichenden Kapazitäten.
Abhängig von Putins Öl – wie die Slowakei Russlands Wirtschaft speist
Wie sieht diese Abhängigkeit aus? Für den slowakischen Strombedarf spielt Öl keine allzu große Rolle mehr; laut der Internationalen Energieagentur (IEA) kommt der meiste Strom aus der Kernkraft. So oder so war die Slowakei im August 2025 der zweitgrößte Importeur russischer fossiler Brennstoffe, nur Ungarn hat mehr importiert. Der Wert der importierten Brennstoffe belief sich auf 276 Millionen Euro.
74 Prozent davon entfielen auf Rohöl, das durch die Druschba-Pipeline ins Land floss. Pipeline-Gas in einem Wert von 72 Millionen Euro kaufte die Slowakei ebenfalls ein. Das berichtete das Center for Research on Energy and Clean Air (CREA). Eine Ausnahmeregelung der Europäischen Union erlaubt es der Slowakei und Ungarn, trotz der Sanktionen Öl und Gas aus Russland zu kaufen.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Zahlen des Observatory of Economic Complexity (OEC) zufolge lieferte Russland im Jahr 2023 Rohöl im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro) in die Slowakei. Der am schnellsten wachsende Exportmarkt von Rohöl in die Slowakei ist jedoch Kasachstan: 2023 legten die Exporte aus diesem Land um 22,2 Millionen US-Dollar zu (18,9 Millionen Euro).
Fast zu 100 Prozent von Russland abhängig – Slowakei verweist auf Öl-Infrastruktur
Das spült Milliarden von US-Dollar in die Kriegskasse des Kremls. Seit Kriegsbeginn sollen die beiden betroffenen europäischen Länder allein 5,4 Milliarden Euro an Steuergeldern auf Rohöl allein gezahlt haben. Das wäre umgerechnet genug, um 1800 Raketen vom Typ Iskander-M zu kaufen.
Die Studienautoren glauben nicht daran, dass die zwei EU-Länder tatsächlich aus technischen Gründen an der Druschba-Pipeline hängen. „Der weiterlaufende Import von russischem Öl und Gas nach Ungarn und in die Slowakei ist nicht das Resultat von technischen oder infrastrukturellen Nadelöhren“, zitierte das Nachrichtenportal Politico Martin Wladimirow, Direktor des Energie- und Klimaprogramms beim Center for the Study of Democracy. Beide Länder könnten nicht-russisches Öl aus Kroatien kaufen – das würde dann durch die Adria-Pipeline fließen.
Ukraine mischt sich bei der Ölfrage ein – und greift wichtige Pipeline an
Dabei stellt sich die Frage: Sind die beiden Pipelines tatsächlich so unterschiedlich in ihrer Kapazität? Die Druschba-Pipeline schafft pro Tag maximal zwei Millionen Barrel, was unter der Annahme, dass ein Barrel 159 Litern entspricht, ungefähr 318.000 Tonnen pro Tag sind (im Schnitt sind es jedoch eher 1,2 bis 1,4 Millionen Barrel). Die Pipeline verläuft von Russland aus durch Weißrussland und teilt sich dort in einen Nord- und einen Südstrang, die jeweils durch Polen und die Ukraine verlaufen. Der Ukraine-Strang wiederum teilt sich im Westen des Landes und führt von dort aus nach Ungarn und in die Slowakei.
Die Adria-Pipeline wiederum hat ihren Anfang in Kroatien und führt einmal gen Osten nach Serbien und ein zweiter Strang läuft durch Ungarn bis in die Slowakei. Hier hatte ein Test eines ungarischen Energieunternehmens zuletzt einige Probleme gezeigt. Die Pipeline müsste täglich ein Volumen von 40.000 Tonnen pro Tag an Rohöl durchleiten – hatte dies aber während des Langzeittests nicht geschafft.
Die ganze Diskussion wird jedoch hinfällig, wenn man bedenkt, dass auch die Ukraine langsam die Geduld verliert. Seit Monaten greift sie gezielt russische Infrastruktur an und hat wiederholt für einen Stillstand der Druschba-Pipeline gesorgt. Sollte es ihr gelingen, die Pipeline ganz zu zerstören, könnten Ungarn und die Slowakei so oder so dazu gezwungen sein, sich der Adria-Pipeline zuzuwenden.