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Kurz vor Kriegsbeginn: Wie Putin seine Luxusjacht aus Hamburg gerettet hat

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Wladimir Putins 100-Millionen-Dollar-Jacht wurde kurz vor Kriegsbeginn in Sicherheit gebracht. Das zeigen geleakte Dokumente zur überstürzten Abreise aus dem Hamburger Hafen.

Hamburg – Mit dem Beginn des Ukraine-Krieges wurden etliche Vermögenswerte russischer Oligarchen in Europa festgesetzt. Dazu zählt nicht nur das Geld auf den Konten, sondern auch Luxusobjekte wie etwa Jachten. Bis heute liegen in europäischen Häfen, wie beispielsweise im italienischen Carrara, die teuren Mega-Schiffe, die dort festgesetzt wurden. Eine Luxusjacht wurde jedoch noch kurz vor Kriegsbeginn in Sicherheit gebracht – und sie gehört offenbar keinem geringeren als dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Putins Luxusjacht: Indoor-Pool und 5000 Euro teures Backgammon

Die Graceful ist 82 Meter lang und der Wert des Luxusschiffs wird auf 100 Millionen US-Dollar (etwa 92,3 Millionen Euro) geschätzt. An Bord gibt es unter anderem einen Indoor-Pool, der zur Tanzfläche umfunktioniert werden kann, mehrere Schlafzimmer und Bäder mit teurer Luxusausstattung, aber auch für Unterhaltung ist gesorgt. So kann man sich die Langeweile dort mit einer Runde Backgammon vertreiben. Selbst bei der Unterhaltung hat der Besitzer nicht gespart – das Spielbrett kostete gut 5000 Euro.

Im Jahr 2021 lag die Graceful im Hamburger Hafen in der Werft von Blohm + Voss, um das Schiff nachzurüsten. Doch kurz bevor Russland die Ukraine angegriffen hat, wurde die Graceful aus Deutschland geschafft, obwohl die Umbauarbeiten wohl noch nicht fertig waren.

Putins Jacht auf dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs nach Russland. Das Bild entstand am 7. Februar – nur 17 Tage vor Beginn des Ukraine-Krieges.

Russische Jacht kurz vor dem Ukraine-Krieg aus Hamburg geschafft

Das zeigen nun Dokumente, die der russischen Journalistin Maria Pevchikh vorliegen. Die Investigativjournalistin ist Teil einer Anti-Korruptions-Stiftung, welche vom bekannten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny gegründet wurde. In der Mail an den Werft-Manager heißt es: „Der Eigentümer der Graceful ist mit der Durchführung des Umbaus nicht zufrieden.“ Er wäre unzufrieden mit der Verzögerung bei den Umbauarbeiten. Außerdem würde ihn die wachsende Zahl an Corona-Fällen besorgen, welche zu noch mehr Verzögerungen führen könnten.

Unter dieser fadenscheinigen Begründung wird dann gefordert: „Der Eigner möchte die Graceful am 1. Februar in die Russische Föderation überführen, um den Umbau abzuschließen.“ Das Schiff wurde also gut drei Wochen vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine nach Russland gebracht. Klar ist auch: Hätte Putin sein Schiff nicht in Sicherheit gebracht, wäre es wohl sanktioniert und in Deutschland festgesetzt worden. (ph)

Rubriklistenbild: © Carl Groll/Imago Images

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