Ab Dezember

Autozulieferer ZF kürzt Arbeitszeit an deutschem Standort – Großteil der 9.800 Mitarbeiter betroffen

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Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf eine Arbeitszeitkürzung an einem bayerischen Standort geeinigt. Die Maßnahme tritt im Dezember in Kraft.

Friedrichshafen/Schweinfurt - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen hat Ende Juli angekündigt, bis 2028 allein in Deutschland bis zu 14.000 Arbeitsplätze abzubauen. Allerdings muss der Stiftungskonzern aus Baden-Württemberg aufgrund der aktuellen Marktlage an deutschen Standorten bereits jetzt Maßnahmen ergreifen und hatte im Oktober bekannt gegeben, am Standort Schweinfurt (Bayern) die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu reduzieren. Damit soll die Überkapazität ausgeglichen und zugleich ein Stellenabbau vermieden werden. Wie der Konzern nun in einer Pressemitteilung schreibt, wurde diesbezüglich eine Einigung getroffen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die besagte Einigung zwischen der ZF Friedrichshafen und den Arbeitnehmervertretern am Standort Schweinfurt konnte eine Arbeitszeitreduzierung zwar nicht verhindern, es wurde aber ein Kompromiss gefunden, mit dem sich laut der Mitteilung beide Seiten zufriedengeben. Konkret soll die Arbeitszeit ab dem 1. Dezember 2024 und bis zum 30. Juni 2025 auf 32,5 Stunden pro Woche abgesenkt werden. Betroffen ist nach Konzernangaben der Großteil der rund 9.800 Mitarbeiter am Standort. Auch Bosch hatte jüngst angekündigt, an mehreren deutschen Standorten die Arbeitszeit zu senken.

ZF Friedrichshafen senkt Arbeitszeit von Mitarbeitern in Schweinfurt – Gehalt kann ausgeglichen werden

Wegen des hohen Spardrucks bei der ZF Friedrichshafen stehen aktuell alle deutschen Standorte auf dem Prüfstand. Konzernchef Holger Klein hatte jüngst den Abbau von 1.800 Stellen an einem Werk im Südwesten bestätigt, an einem anderen Standort soll sogar rund die Hälfte der Belegschaft entlassen werden. Am wichtigen Multidivisionsstandort Schweinfurt soll die Reduzierung der Arbeitszeit einen Stellenabbau verhindern, gleichzeitig aber auch die Überkapazitäten durch die sinkende Nachfrage ausgleichen. Ausgenommen sind nach Unternehmensangaben Auszubildende, duale Studierende, Mitarbeiter in Altersteilzeit sowie die Konzernbereiche Aftermarket und ZF Engineering.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

„Wir mussten uns den rückläufigen Umsätzen stellen, gleichzeitig wollten wir betriebsbedingte Kündigungen unbedingt vermeiden“, erklärt Manfred Süß, Standortleiter bei ZF Schweinfurt. „Mit dieser Betriebsvereinbarung beweist das Schweinfurter Team einmal mehr seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, aber auch seinen ausgezeichneten Zusammenhalt.“ Damit die Herabsenkung der wöchentlichen Arbeitszeit nicht mit einem sinkenden Monatsgehalt einhergeht, soll den Mitarbeitern das Angebot gemacht werden, nach Wunsch das Zeitguthaben aus ihren betrieblichen Arbeitszeitkonten einzubringen.

Einigung bei ZF Schweinfurt bringt „vorerst“ Ruhe in den Standort

Mit der Reduzierung der Arbeitszeit für sieben Monate kann die ZF Friedrichshafen demnach auf die Überkapazität reagieren und hat dennoch genug Personal vor Ort, um alle Projekte weiterzuführen. Ursprünglich hatte der Autozulieferer vom Bodensee eine umfassendere Reduzierung vorgesehen, durch die Einigung fällt die Herabsetzung aber geringer aus. „Das ist im Wesentlichen auf den solidarischen Beitrag der außertariflichen Arbeitnehmer und Führungskräfte zurückzuführen“, so Personalleiter Marcus Giek. Die würden sich nämlich mit einer deutlichen Reduzierung ihres Jahresentgelts einbringen.

In Bezug auf die Arbeitszeitkürzung am ZF-Standort Schweinfurt wurde ein Kompromiss gefunden.

Die ZF schreibt in der Mitteilung zwar explizit, dass sich der Konzern und die Arbeitnehmervertreter „vorerst“ auf die Maßnahme geeinigt haben – was eine potenzielle Verschärfung in Zukunft nicht ausschließt – die rund 9.800 Mitarbeiter müssen zunächst aber keine drastischeren Folgen der aktuellen Schieflage befürchten. Das kommende Urlaubsgeld soll übrigens auf Basis der regulären Arbeitszeit ausgezahlt werden; zudem können sich die ZF-Mitarbeiter in Deutschland auch im Krisenjahr 2024 über ein Weihnachtsgeld freuen, das mit dem Novembergehalt ausbezahlt wird.

Rubriklistenbild: © Laurenz Weipert/ZF Friedrichshafen AG

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