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Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen stellt sich neu auf und rechnet damit, allein in Deutschland bis 2028 bis zu 14.000 Mitarbeiter weniger zu beschäftigen.
Friedrichshafen - Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen ist auf Sparkurs und hat bereits angekündigt, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu müssen. Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres ist zudem immer wieder die Sorge vor einem drastischen Personalkahlschlag beim Stiftungskonzern vom Bodensee laut geworden; Betriebsratschef Achim Dietrich ging von tausenden Arbeitsplätzen aus, die der Konzern in den kommenden Jahren abbauen will. „Der Vorstand will 12.000 Stellen in Deutschland in den nächsten sechs Jahren streichen“, sagte er im Januar.
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ZF-Konzernchef Holger Klein hatte den Ernst der Lage kürzlich unterstrichen; konkrete Zahlen wurden vom Vorstand des schwäbischen Weltkonzerns bislang allerdings nicht bestätigt. Nun erklärt die ZF Friedrichshafen in einer Pressemitteilung (26. Juli, 11 Uhr), ihre Strukturen neu ausrichten zu wollen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Nach eigenen Angaben geht der Konzern davon aus, dass man bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Mitarbeiter weniger beschäftigen wird.
ZF Friedrichshafen will für betroffene Mitarbeiter eine „bestmögliche Lösung finden“
Die Gründe für die aktuelle Schieflage der ZF Friedrichshafen sind vielfältig. Zum einen ist der Konzern durch milliardenschwere Übernahmen hoch verschuldet, zum anderen ist auch die Transformation zur Elektromobilität für die ehemalige Zahnradfabrik eine große Herausforderung. Das Unternehmen wird deshalb zum ersten Mal in der Firmengeschichte mit dem Werk in Gelsenkirchen zum Jahresende einen deutschen Standort schließen und das Werk in Eitorf soll in naher Zukunft ebenfalls geschlossen werden. In der aktuellen Mitteilung kommuniziert der größte Arbeitgeber vom Bodensee nun erstmals eine konkrete Zahl für den Stellenabbau in Deutschland.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Konkret sollen die deutschen Standorte perspektivisch effizienter aufgestellt und zu mehreren Standortverbünden zusammengeführt werden. Deshalb geht der Konzern auch davon aus, dass bis 2028 schrittweise bis zu 14.000 Arbeitsplätze entfallen werden. „Unsere unternehmerische Verantwortung ist, ZF zukunftsfähig auszurichten und die Standorte in Deutschland so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltig wettbewerbsfähig und solide aufgestellt sind“, erklärt ZF-Chef Holger Klein. „Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen. Dabei wollen wir bestmögliche Lösungen für alle Beteiligten finden.“
ZF will Standorte zukunftssicher machen: Schließungen sind aber nicht ausgeschlossen
In der Mitteilung betont die ZF Friedrichshafen, dass das oberste Ziel sei, die deutschen Standorte zukunftssicher aufzustellen und die Personalplanung konsequent am erwartbaren Bedarf zu orientieren. Die bereits angekündigte Prüfung der einzelnen Standorte hält aber weiterhin den Extremfall vor, bestimmte Werke – für die keine langfristige Perspektive gefunden oder deren Wettbewerbsfähigkeit nicht nachhaltig verbessert werden kann – zu restrukturieren oder sogar ganz zu schließen. „Der Ernst der Lage verlangt nach entschiedenem Handeln, um das Unternehmen an das verschärfte Markt- und Wettbewerbsumfeld anzupassen und dem Stiftungsauftrag der Zukunftssicherung nachzukommen“, betont Klein.
Für ZF arbeiten nach Konzernangaben derzeit 54.000 Menschen an den deutschen Standorten; die Zahl könnte sich bis 2028 demnach auf bis zu 40.000 verringern. Mit den Maßnahmen soll der Kern des Unternehmens weiter gestärkt werden. „Auch deshalb arbeiten wir an einer agileren Aufstellung des Unternehmens, um besser auf die schnellen Marktveränderungen reagieren zu können“, erklärt Konzernchef Klein. „Mit den nun beschlossenen Maßnahmen wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und unsere Position als eines der weltweit führenden Zulieferunternehmen festigen.“ Auch Bosch hat jüngst eine konkrete Zahl für den Stellenabbau in einem Geschäftsfeld genannt.
Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen AG

