Weltkonzern verschlankt sich

Autozulieferer ZF Friedrichshafen will in Deutschland bis zu 14.000 Stellen streichen

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Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen stellt sich neu auf und rechnet damit, allein in Deutschland bis 2028 bis zu 14.000 Mitarbeiter weniger zu beschäftigen.

Friedrichshafen - Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen ist auf Sparkurs und hat bereits angekündigt, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu müssen. Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres ist zudem immer wieder die Sorge vor einem drastischen Personalkahlschlag beim Stiftungskonzern vom Bodensee laut geworden; Betriebsratschef Achim Dietrich ging von tausenden Arbeitsplätzen aus, die der Konzern in den kommenden Jahren abbauen will. „Der Vorstand will 12.000 Stellen in Deutschland in den nächsten sechs Jahren streichen“, sagte er im Januar.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

ZF-Konzernchef Holger Klein hatte den Ernst der Lage kürzlich unterstrichen; konkrete Zahlen wurden vom Vorstand des schwäbischen Weltkonzerns bislang allerdings nicht bestätigt. Nun erklärt die ZF Friedrichshafen in einer Pressemitteilung (26. Juli, 11 Uhr), ihre Strukturen neu ausrichten zu wollen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Nach eigenen Angaben geht der Konzern davon aus, dass man bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Mitarbeiter weniger beschäftigen wird.

ZF Friedrichshafen will für betroffene Mitarbeiter eine „bestmögliche Lösung finden“

Die Gründe für die aktuelle Schieflage der ZF Friedrichshafen sind vielfältig. Zum einen ist der Konzern durch milliardenschwere Übernahmen hoch verschuldet, zum anderen ist auch die Transformation zur Elektromobilität für die ehemalige Zahnradfabrik eine große Herausforderung. Das Unternehmen wird deshalb zum ersten Mal in der Firmengeschichte mit dem Werk in Gelsenkirchen zum Jahresende einen deutschen Standort schließen und das Werk in Eitorf soll in naher Zukunft ebenfalls geschlossen werden. In der aktuellen Mitteilung kommuniziert der größte Arbeitgeber vom Bodensee nun erstmals eine konkrete Zahl für den Stellenabbau in Deutschland.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Konkret sollen die deutschen Standorte perspektivisch effizienter aufgestellt und zu mehreren Standortverbünden zusammengeführt werden. Deshalb geht der Konzern auch davon aus, dass bis 2028 schrittweise bis zu 14.000 Arbeitsplätze entfallen werden. „Unsere unternehmerische Verantwortung ist, ZF zukunftsfähig auszurichten und die Standorte in Deutschland so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltig wettbewerbsfähig und solide aufgestellt sind“, erklärt ZF-Chef Holger Klein. „Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen. Dabei wollen wir bestmögliche Lösungen für alle Beteiligten finden.“

ZF will Standorte zukunftssicher machen: Schließungen sind aber nicht ausgeschlossen

In der Mitteilung betont die ZF Friedrichshafen, dass das oberste Ziel sei, die deutschen Standorte zukunftssicher aufzustellen und die Personalplanung konsequent am erwartbaren Bedarf zu orientieren. Die bereits angekündigte Prüfung der einzelnen Standorte hält aber weiterhin den Extremfall vor, bestimmte Werke – für die keine langfristige Perspektive gefunden oder deren Wettbewerbsfähigkeit nicht nachhaltig verbessert werden kann – zu restrukturieren oder sogar ganz zu schließen. „Der Ernst der Lage verlangt nach entschiedenem Handeln, um das Unternehmen an das verschärfte Markt- und Wettbewerbsumfeld anzupassen und dem Stiftungsauftrag der Zukunftssicherung nachzukommen“, betont Klein.

Die ZF Friedrichshafen stellt sich neu auf und rechnet bis 2028 damit, in Deutschland bis zu 14.000 Mitarbeiter weniger zu beschäftigen.

Für ZF arbeiten nach Konzernangaben derzeit 54.000 Menschen an den deutschen Standorten; die Zahl könnte sich bis 2028 demnach auf bis zu 40.000 verringern. Mit den Maßnahmen soll der Kern des Unternehmens weiter gestärkt werden. „Auch deshalb arbeiten wir an einer agileren Aufstellung des Unternehmens, um besser auf die schnellen Marktveränderungen reagieren zu können“, erklärt Konzernchef Klein. „Mit den nun beschlossenen Maßnahmen wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und unsere Position als eines der weltweit führenden Zulieferunternehmen festigen.“ Auch Bosch hat jüngst eine konkrete Zahl für den Stellenabbau in einem Geschäftsfeld genannt.

Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen AG

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