Autozulieferer ZF Friedrichshafen kürzt Arbeitszeiten und Gehälter von 2.800 Mitarbeitern
VonJulian Baumann
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Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust verzeichnet. Dem steuert der Konzern mit der Senkung von Arbeitszeit und Gehaltsverzichten gegen.
Friedrichshafen – Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen, der sich in einer finanziell schwierigen Lage befindet, plant, in der Konzernzentrale in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) vorübergehend die Arbeitszeiten zu verkürzen. Ab dem 15. Mai soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 32,5 Stunden reduziert werden, und ab dem 1. Juni soll sie grundsätzlich auf 31,5 Stunden sinken. Diese Informationen wurden sowohl vom Konzern als auch vom Betriebsrat in separaten Mitteilungen bekannt gegeben. Von dieser Maßnahme sind 2.800 Beschäftigte betroffen, deren Gehalt entsprechend angepasst wird. ZF beabsichtigt, durch diese Maßnahme einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen.
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Die Regelung ist bis spätestens 31. März 2026 gültig. Es besteht die Möglichkeit, eine Vier-Tage-Woche zu wählen, was dem Betriebsrat ein besonderes Anliegen war, erklärte Franz-Josef Müller, der Vorsitzende des Arbeitnehmergremiums des betroffenen Betriebs Z. Dieser umfasst unter anderem die zentrale Forschung und Entwicklung sowie verschiedene divisionale Entwicklungsabteilungen. ZF hatte bereits im vergangenen Jahr die Arbeitszeit der Mitarbeiter am Standort Schweinfurt temporär gesenkt.
ZF kürzt Arbeitszeit am Stammsitz - Modell für die anderen Standorte in Deutschland?
Arnd Hermann, der Standortleiter, bezeichnete die Maßnahme als solidarische Lösung, die es ermögliche, auf die angespannte Lage des Unternehmens sozialverträglich zu reagieren. Ein Sprecher von ZF äußerte, dass dies möglicherweise als Modell für weitere der 40 bis 50 ZF-Standorte in Deutschland dienen könnte. Welche Standorte betroffen sein könnten, wurde bisher nicht bekannt gegeben, jedoch laufen bereits Verhandlungen darüber.
Im vergangenen Jahr hatte ZF, einer der größten Automobilzulieferer weltweit, erhebliche Verluste verzeichnet, die knapp über eine Milliarde Euro lagen. Den finanziellen Problemen steuert der Stiftungskonzern vom Bodensee bereits mit einem umfassenden Stellenabbau entgegen, der bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Stellen betreffen soll. „Wir setzen alles daran, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und notwendige Stellenreduzierungen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, hatte Konzernchef Holger Klein bei der Bilanzpressekonferenz am 20. März betont. (dpa/jul)