ZF Friedrichshafen steht zu größtem deutschen Standort – kündigt aber „Einschnitte“ an
VonJulian Baumann
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Am größten Produktionsstandort von Autozulieferer ZF Friedrichshafen kehrt keine Ruhe ein. Der Vorstand bekannte sich jetzt zwar zum Werk, blieb bezüglich der Zukunft aber vage.
Friedrichshafen/Saarbrücken – Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen, der nach dem Stuttgarter Bosch-Konzern der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer ist, befindet sich inmitten einer großangelegten Umstrukturierung, die bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland betreffen soll. Am größten Produktionsstandort in Saarbrücken (Saarland) steht ein Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen bereits fest, aufgrund von mehreren Entwicklungen könnte sich die Zahl aber noch deutlich erhöhen. Ein Vorstandsmitglied bekannte sich nun zwar deutlich zu dem Standort, blieb in Bezug auf die Zukunftsperspektive aber vage.
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Die ZF mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee (Baden-Württemberg) hatte im Rahmen seines „eMobility Tech Day“ in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) seine neuen Innovationen für die Mobilitätswende vorgestellt. Am Rande dieser Veranstaltung im Vorfeld der Mobilitätsmesse IAA in München erklärte Mathias Miedreich, der seit Anfang des Jahres Vorstandsmitglied der ZF ist und die wichtige Antriebssparte verantwortet, im Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) die Wichtigkeit des Standorts Saarbrücken. Allerdings kündigte er auch „schwierige Einschnitte“ an.
ZF Friedrichshafen am Standort Saarbrücken – könnten 2025 noch weitere 1.000 Stellen abgebaut werden?
Der Produktionsstandort Saarbrücken ist der Hauptsitz der Division Antriebstechnik der ZF Friedrichshafen, an dem unter anderem Getriebe und Antriebskomponenten gefertigt werden. Damit ist das Werk de facto das Herzstück des Weltkonzerns, der als Getriebespezialist bekannt wurde. In der saarländischen Hauptstadt beschäftigt ZF rund 8.500 Mitarbeiter, was den Standort zum größten Arbeitgeber im Bundesland macht. Miedreich bezeichnete den Standort als „Flagship Factory“ und erklärte, dass das dort vorhandene Know-how für den Konzern unverzichtbar sei.
Name
ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr
1915
Hauptsitz
Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Mitarbeiterzahl
161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte
168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t
19 in neun Ländern
Umsatz
41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\t
Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner
93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung
Allerdings muss sich der stark verschuldete Stiftungskonzern vom Bodensee auch am größten Produktionsstandort auf die Kosteneffizienz fokussieren. „Ich glaube, dass wir gut daran beraten sind, sehr offen und transparent über diese in der Tat sehr herausfordernde und schwierige Situation zu sprechen“, sagte Mathias Miedreich. „Es wird nicht ohne schwierige Einschnitte funktionieren in der Welt, in der wir leben, in dem Wettbewerb, in dem wir uns befinden.“ SR-Informationen zufolge könnten zusätzliche 1.000 Stellen wegfallen.
ZF Friedrichshafen will Infos zur Ausgliederung der Division E kommunizieren, „wenn wir soweit sind“
Nachdem lange spekuliert wurde, dass die ZF Friedrichshafen ihr „Herzstück“, die Antriebssparte (Division E) verkaufen könnte, gibt es seit der Bilanzpressekonferenz am 20. März Gewissheit. Demnach soll die Division E aus dem Konzern ausgegliedert, aber nicht verkauft werden. „Wir verstehen, dass diese Überlegungen Emotionen bei den Menschen auslösen, die in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien arbeiten“, hatte Konzernchef Holger Klein erklärt. „Uns ist wichtig: Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen, nicht herausreißen.“
In Bezug auf diese Ausgliederung, die eben auch den Standort Saarbrücken betrifft, blieb Vorstandsmitglied Miedreich aber eher vage. „Wir werden in dem Moment darüber kommunizieren, wenn wir so weit sind“, erklärte er in Bezug auf mögliche neue Informationen, die es bei der Verkündung der Halbjahreszahlen im Juli geben könnte. „Wichtig ist auch, dass wir uns nicht in einen Zeitdruck begeben wollen. Wir wollen unsere eigene strategische Ausrichtung gut definieren und dann den richtigen Partner auswählen.“