Zwischen Licht und Dunkel

ZF Friedrichshafen steht zu größtem deutschen Standort – kündigt aber „Einschnitte“ an

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Am größten Produktionsstandort von Autozulieferer ZF Friedrichshafen kehrt keine Ruhe ein. Der Vorstand bekannte sich jetzt zwar zum Werk, blieb bezüglich der Zukunft aber vage.

Friedrichshafen/Saarbrücken – Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen, der nach dem Stuttgarter Bosch-Konzern der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer ist, befindet sich inmitten einer großangelegten Umstrukturierung, die bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland betreffen soll. Am größten Produktionsstandort in Saarbrücken (Saarland) steht ein Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen bereits fest, aufgrund von mehreren Entwicklungen könnte sich die Zahl aber noch deutlich erhöhen. Ein Vorstandsmitglied bekannte sich nun zwar deutlich zu dem Standort, blieb in Bezug auf die Zukunftsperspektive aber vage.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Die ZF mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee (Baden-Württemberg) hatte im Rahmen seines „eMobility Tech Day“ in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) seine neuen Innovationen für die Mobilitätswende vorgestellt. Am Rande dieser Veranstaltung im Vorfeld der Mobilitätsmesse IAA in München erklärte Mathias Miedreich, der seit Anfang des Jahres Vorstandsmitglied der ZF ist und die wichtige Antriebssparte verantwortet, im Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) die Wichtigkeit des Standorts Saarbrücken. Allerdings kündigte er auch „schwierige Einschnitte“ an.

ZF Friedrichshafen am Standort Saarbrücken – könnten 2025 noch weitere 1.000 Stellen abgebaut werden?

Der Produktionsstandort Saarbrücken ist der Hauptsitz der Division Antriebstechnik der ZF Friedrichshafen, an dem unter anderem Getriebe und Antriebskomponenten gefertigt werden. Damit ist das Werk de facto das Herzstück des Weltkonzerns, der als Getriebespezialist bekannt wurde. In der saarländischen Hauptstadt beschäftigt ZF rund 8.500 Mitarbeiter, was den Standort zum größten Arbeitgeber im Bundesland macht. Miedreich bezeichnete den Standort als „Flagship Factory“ und erklärte, dass das dort vorhandene Know-how für den Konzern unverzichtbar sei.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Mitarbeiterzahl161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Allerdings muss sich der stark verschuldete Stiftungskonzern vom Bodensee auch am größten Produktionsstandort auf die Kosteneffizienz fokussieren. „Ich glaube, dass wir gut daran beraten sind, sehr offen und transparent über diese in der Tat sehr herausfordernde und schwierige Situation zu sprechen“, sagte Mathias Miedreich. „Es wird nicht ohne schwierige Einschnitte funktionieren in der Welt, in der wir leben, in dem Wettbewerb, in dem wir uns befinden.“ SR-Informationen zufolge könnten zusätzliche 1.000 Stellen wegfallen.

ZF Friedrichshafen will Infos zur Ausgliederung der Division E kommunizieren, „wenn wir soweit sind“

Nachdem lange spekuliert wurde, dass die ZF Friedrichshafen ihr „Herzstück“, die Antriebssparte (Division E) verkaufen könnte, gibt es seit der Bilanzpressekonferenz am 20. März Gewissheit. Demnach soll die Division E aus dem Konzern ausgegliedert, aber nicht verkauft werden. „Wir verstehen, dass diese Überlegungen Emotionen bei den Menschen auslösen, die in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien arbeiten“, hatte Konzernchef Holger Klein erklärt. „Uns ist wichtig: Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen, nicht herausreißen.“

Autozulieferer ZF Friedrichshafen bekennt sich zum Standort Saarbrücken, bleibt in Bezug auf die Zukunft aber vergleichsweise vage.

In Bezug auf diese Ausgliederung, die eben auch den Standort Saarbrücken betrifft, blieb Vorstandsmitglied Miedreich aber eher vage. „Wir werden in dem Moment darüber kommunizieren, wenn wir so weit sind“, erklärte er in Bezug auf mögliche neue Informationen, die es bei der Verkündung der Halbjahreszahlen im Juli geben könnte. „Wichtig ist auch, dass wir uns nicht in einen Zeitdruck begeben wollen. Wir wollen unsere eigene strategische Ausrichtung gut definieren und dann den richtigen Partner auswählen.“

Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen

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