Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektrobranche

Zoff um Rekordinflation: Metaller fordern 8 Prozent mehr Lohn 

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Die Inflation wirkt bedrohlich. Die Löhne müssen rauf, sagen Gewerkschafter und fordern für Metall- und Elektroindustrie ein Plus von 8 Prozent.

Hannover – Heute beginnt in Hannover die erste Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektrobranche. Die Lage in den Betrieben ist so angespannt wie nie zuvor. Aufgrund der hohen Inflation und gestiegenen Energiekosten ächzen bereits die Unternehmen. Den Mitarbeitern geht es nicht anders, daher fordern sie ein Lohnplus von 8 Prozent von den Arbeitgebern. Ein langwieriger Streit scheint bei den Tarifverhandlungen vorprogrammiert, denn über die Inflationsprämie aus dem 3. Entlastungspaket der Bundesregierung wurde noch überhaupt nicht gesprochen. Die Stimmung unter den Metallern ist ausgesprochen aufgeheizt. Ab Ende Oktober drohen Streiks.

Zoff um Rekordinflation: Metall- und Elektroindustrie fordert vor erster Tarifrunde 8 Prozent mehr Lohn 

Unter dem Eindruck der rasanten Teuerung starten am heutigen Montag. 12. September 2022, die Tarifgespräche für die deutsche Metall- und Elektrobranche. Arbeitnehmer und Arbeitgeber kommen zum bundesweiten Auftakt in Hannover zusammen, zunächst wird hier für den Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt verhandelt. Vor Beginn der Beratungen wollen Vertreter der IG Metall und des Verbands Niedersachsen-Metall am frühen Nachmittag noch einmal ihre Erwartungen erläutern.

Bereits vor der ersten Verhandlungsrunde ist die Stimmung unter den Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie aufgeheizt. Viele wissen bereits jetzt schon nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. (Archivbild)

Es zeichnet sich ein zähes Ringen um die Höhe der künftigen Löhne in der Schlüsselindustrie ab. Die Region ist diesmal die erste in Deutschland, in der die Tarifpartner konkret miteinander sprechen. Am Wochenende gingen allein in Leipzig mehr als 2000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße, um ihrer Lohnforderung Nachdruck zu verleihen.

Insgesamt geht es um die Arbeitsbedingungen von fast vier Millionen Beschäftigten. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Geld und will diese Steigerung in einem neuen, möglichst über zwölf Monate laufenden Tarifvertrag verankern. Einmalzahlungen steht sie skeptisch gegenüber – nötig sei vielmehr ein länger angelegtes Lohnplus, um die Kaufkraft zu erhalten und die Verbraucher zu entlasten.

Metall- und Elektroindustrie fordert 8 Prozent mehr Lohn – Arbeitgeber sehen kaum Spielraum

Das Arbeitgeberlager wiederum hatte bereits mehrfach betont, dass man deutliche Einkommenszuwächse derzeit kaum stemmen könne. Zahlreiche Betriebe seien wegen der enormen Zunahme der Kosten für Energie und Rohstoffe schon stark belastet, teilweise sogar insolvenzbedroht.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann deutete an, dass die Gewerkschaft in den Verhandlungen offen für Kompromisse sein werde, wenn es um die kritische Lage besonders betroffener Unternehmen geht. Daneben führe jedoch kein Weg an einer grundsätzlichen, kräftigen Entgelterhöhung vorbei. Wegen der Verteuerung von Energie, Sprit und Lebensmitteln sei die Stimmung unter den Mitgliedern „ausgesprochen aufgeheizt“.

Viele Menschen merkten die Inflation im Alltag. „Das staut sich in einer Erwartungshaltung.“ Die Wirtschaft müsse Verantwortung zeigen, so Hofmann. „Sonst sehe ich, dass die Gesellschaft in dieser Frage zusammenbricht, auseinanderbricht – und wir das Feld Populisten überlassen, die bei dieser Frage keinen Platz haben sollten.“

Metall- und Elektroindustrie fordert 8 Prozent mehr Lohn: Viele Betriebe bereits in Existenz bedroht

Niedersachsen-Metall-Chef Volker Schmidt sprach sich für Vorsicht und Augenmaß in den bevorstehenden Verhandlungen aus. „Viele Betriebe sind bereits massiv in ihrer Existenz gefährdet“, berichtete er über aktuelle Rückmeldungen aus Mitgliedsunternehmen. „Die Unsicherheiten sind größer denn je.“ Das gelte für Beschaffungs- und Energiepreise oft gleichermaßen wie für die Versorgung mit wichtigen Zulieferungen.

Schmidt wies die Darstellung zurück, Firmen könnten Erhöhungen der Preise einfach weiterreichen. Das treffe in den meisten Fällen nicht zu. „Auch die Unternehmen sind stark betroffen“, sagte er zu den Folgen der Inflation, die jetzt nach einer langen Phase der Nullzinspolitik auch wieder zu Zinsanhebungen der Notenbanken führen.

Die regionalen Entgelt-Tarifverträge in der Branche laufen in den Bezirken zum 30. September aus. Warnstreiks wären ab dem 28. Oktober möglich. In der Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart, dessen Abschluss dann die übrigen Regionen übernehmen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa

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