VonChristoph Gschoßmannschließen
Bayern lehnt die weitere Finanzierung des Deutschlandtickets ab. Der Freistaat verlangt, dass der Bund das Ticket ohne die Länder zahlt.
München - Wie sieht die Zukunft des Deutschlandtickets aus? Ein Bundesland deutet nun an, dass es künftig nicht mehr für das Ticket aufkommen will: Bayern. Der Freistaat spricht sich für einen Kurswechsel bei der Finanzierung aus. Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Für die Länder war es ein Kraftakt, den Bund dazu zu bringen, seine Finanzierungszusagen für das Deutschlandticket einzuhalten. Für 2025 ist das Ticket gesichert, aber langfristig muss die neue Bundesregierung über die Zukunft des Tickets entscheiden.“
Bayern will nicht mehr für das Deutschlandticket bezahlen
Die Lösung sei aus bayerischer Sicht klar: Der Bund müsse die Kosten künftig ganz übernehmen. Denn, so Bernreiter: „Schließlich war das Deutschlandticket - wie der Name schon sagt - ein Wunsch des Bundes.“ Bernreiter ist aktuell zugleich Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz.
Im Mai 2023 wurde das Deutschlandticket eingeführt. Es erlaubt bundesweit Fahrten in sämtlichen Bussen und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs zum einheitlichen Monatspreis. Zum Januar stieg der Monatspreis um fast ein Fünftel von 49 Euro auf 58 Euro. Zuletzt war sogar eine Erhöhung auf 69 Euro im Gespräch. Fast jeder fünfte Bayer hat indes ein Ticket.
Nur noch bis Jahresende gibt es eine gesicherte Finanzierung für das Deutschlandticket
Ob oder in welcher Form es das Ticket aber in Zukunft geben wird, ist offen, denn nur noch für dieses Jahr sind Bundesmittel festgeschrieben. Der Bund gibt pro Jahr einen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro, um Einnahmeausfälle bei Verkehrsbetrieben auszugleichen - denn die meisten ÖPNV-Abos waren zuvor deutlich teurer. Die Länder geben ebenfalls insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Die Union hatte die Zukunft des Tickets bereits offen gelassen.
Dass das Deutschlandticket nach wie vor äußerst beliebt ist, daran gibt es keinen Zweifel. Trotz der deutlichen Preiserhöhung beim Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland sind die meisten Nutzerinnen und Nutzer dem Abo treu geblieben. „Wir sehen definitiv keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann. Die Kündigungsquote lag dem Verband zufolge im Januar 2025 bei 8,1 Prozent. Im Jahr 2024 lag sie monatlich bei rund sieben Prozent.
VDV fordert mehr Planbarkeit beim Deutschlandticket
Auch die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr allgemein sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen: Rund 9,8 Milliarden Menschen hierzulande nutzten Bus und Bahn, 2023 waren es 9,4 Milliarden, wie der VDV mitteilte. Zwar kletterten auch die Einnahmen der Unternehmen, gleichzeitig verwies der VDV aber auf gestiegene Kosten. Der Verband forderte von der Politik mehr Planbarkeit. Insbesondere sprach der Verband hierbei das Deutschlandticket an.
Die Einnahmen der Verkehrsunternehmen stiegen von rund 14,2 Milliarden Euro 2023 auf etwa 16,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Allerdings hätten die Unternehmen mit steigenden Personalkosten, weiter hohen Energiekosten und auch dem Fachkräftemangel zu kämpfen, erklärte der VDV.
13,5 Millionen Deutsche nutzen das Deutschlandticket
Mittlerweile 13,5 Millionen Menschen nutzten 2024 das Deutschlandticket. Die Einnahmen daraus und die Zahlungen von Bund und Ländern für den öffentlichen Nahverkehr machten vergangenes Jahr den Großteil aller Einnahmen aus. Auch daher forderte der VDV „ein klares Signal von Bund und Ländern“, dass es stabil weitergeht. „Sonst werden wir das Deutschlandticket nicht mehr halten können“, sagte Wortmann.
Der VDV legte kürzlich ein „100-Tage-Programm“ für die neue Bundesregierung vor. Er fordert darin unter anderem die langfristige Sicherung des Deutschlandtickets, einen „Masterplan ÖPNV“ für einen „leistungsfähigen, modernen und sicheren ÖPNV“ und die Förderung des automatisierten Fahrens. (cgsc mit dpa und afp)
Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

