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Der Asteroid 2024 YR4 hat derzeit eine ungewöhnlich hohe Wahrscheinlichkeit, die Erde zu treffen. Doch das könnte sich bald ändern, beruhigen Fachleute.
Update vom 4. Februar 2025, 12.30 Uhr: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Asteroid 2024 YR4 die Erde im Dezember 2032 trifft, steigt leicht und liegt jetzt laut Esa-Risikoliste bei 1 zu 65, also bei etwa 1,5 Prozent. Das heißt, sie ist immer noch sehr gering – die Chance, dass der Asteroid die Erde nicht trifft, liegt immerhin bei 98,5 Prozent. Trotzdem wird der Asteroid weiter beobachtet, um den möglichen Einschlag so bald wie möglich ausschließen zu können.
Einschlag von Asteroid 2024 YR4 auf der Erde ist weiterhin nicht ausgeschlossen
Update vom 30. Januar 2025, 9.40 Uhr: Der Asteroid 2024 YR4 kann nach aktuellen Berechnungen die Erde treffen – und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 81. Zwar wird der mögliche Asteroideneinschlag erst für Dezember 2032 erwartet, trotzdem sind nun zahlreiche Astronomen und Organisationen damit beschäftigt, den Asteroiden möglichst genau zu beobachten. Denn erst durch weitere Daten kann seine Flugbahn genauer berechnet werden – und ein Einschlag hoffentlich ganz ausgeschlossen werden.
Doch dabei gibt es ein Problem: In den kommenden Monaten wird der Asteroid langsam aus dem Blickfeld der Erde verschwinden – bis 2028 kann er dann nicht mehr beobachtet werden. „Es ist möglich, dass der Asteroid 2024 YR4 aus dem Blickfeld verschwindet, bevor wir die Möglichkeit eines Einschlags im Jahr 2032 vollständig ausschließen können“, schreibt die europäische Raumfahrtorganisation Esa auf ihrer Website. „In diesem Fall wird der Asteroid wahrscheinlich auf der Esa-Risikoliste verbleiben, bis er im Jahr 2028 wieder beobachtet werden kann.“ Derzeit befindet sich der Asteroid 2024 YR4 auf Platz eins der Risikoliste.
Neu entdeckter Asteroid 2024 YR4 steht auf der Esa-Risikoliste jetzt ganz oben
Erstmeldung vom 29. Januar 2025: München – Ein neu entdeckter Asteroid mit dem Namen 2024 YR4 könnte im Dezember 2032 die Erde treffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der etwa 40 bis 100 Meter große Steinbrocken aus dem Weltall tatsächlich unseren Planeten trifft, wird von Richard Moissl, dem Leiter der Esa-Asteroidenabwehr derzeit mit 1:81 angegeben. „Gegenwärtig liegt die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags bei 1,2 Prozent, allerdings verändert sich die Zahl jeden Tag leicht“, erklärt der Experte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.
Momentan ist der Asteroid allerdings noch weit von der Erde entfernt: etwa 27 Millionen Kilometer liegen zwischen den beiden Himmelskörpern. Doch am 22. Dezember 2032 sieht das anders aus: Aktuellen Berechnungen zufolge könnte der Asteroid der Erde dann sehr nahe kommen oder sie sogar treffen. David Rankin, der am Teleskopsystem Catalina Sky Survey arbeitet, betont auf BlueSky: „Dies ist eine der höchsten Wahrscheinlichkeiten, die es je gab.“ Doch Rankin beruhigt gleichzeitig auch: „Das wahrscheinlichste Ergebnis ist immer noch ein knappes Verfehlen der Erde.“
Was könnte Asteroid 2024 YR4 mit einem Einschlag auf der Erde anrichten?
Sollte der die Erde tatsächlich im Dezember 2032 treffen – was derzeit sehr unwahrscheinlich ist – könnte es zu einer Explosion in großer Höhe kommen, einem sogenannten Airburst. Die daraus resultierende Druckwelle und Hitze könnten auf der Erde für Schäden sorgen – zum Vergleich: Der Asteroid, der 2013 über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodierte, war nur etwa 20 Meter groß.
Eine Größe von etwa 50 bis 80 Metern soll dagegen der Asteroid gehabt haben, der im Jahr 1908 in der sibirischen Tunguska-Region explodierte. Das Resultat: Auf mehr als 2000 Quadratkilometern knickten Bäume um und Wald geriet in Brand.
Explodiert der Asteroid 2024 YR4 bei seinem potenziellen Einschlag auf der Erde nicht, könnte er einen Krater mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer schlagen (vergleichbar mit dem Barringer-Krater in den USA). Auch die weitere Umgebung wäre deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Ein „Planetenkiller“, der das Leben auf der Erde auslöscht, ist 2024 YR4 jedoch nicht, betont auch Moissl.
Asteroid 2024 YR4 könnte die Erde im Dezember 2032 treffen
Derzeit ist der Asteroid auf der Turiner Skala mit 3 eingestuft – das bedeutet laut offizieller Definition: „Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen erfordert. Weitere Beobachtungen werden sehr wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen. Falls die Begegnung weniger als ein Jahrzehnt entfernt ist, verdient sie Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von offizieller Seite.“
Doch das alles ist bisher kein Grund zur Besorgnis, sagt auch Moissl. „Es ist kein Grund zur Beunruhigung. Wir gehen davon aus, dass es ein naher oder auch sehr erdnaher Vorbeiflug wird.“ Der Asteroid wurde erst am 25. Dezember 2024 vom ATLAS-Teleskop automatisiert entdeckt, ist also erst seit kurzer Zeit bekannt. Das bedeutet, dass es noch nicht viele Beobachtungen des Asteroiden gibt – und seine Umlaufbahn deshalb noch nicht sehr genau bestimmt werden kann. Im Laufe der Zeit werden weitere Beobachtungen dazukommen – erst recht jetzt, wo der Asteroid als mögliche Gefahr gilt und alle Augen auf ihn gerichtet sind.
Wegen Asteroid 2024 YR4 treten internationale Protokolle in Kraft
„Wir müssen davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit nicht so schnell unter den Schwellenwert zurückgeht“, erklärt Moissl und betont: „Ab einem Prozent treten internationale Protokolle in Kraft.“ Dann schaltet sich das Internationale Asteroiden WarnNetzwerk (IAWN) ein, „konsolidiert Daten aus aller Welt und wird dann ein offizielles Statement geben“, so der Experte.
Weitere Beobachtungen verfeinern die Umlaufbahn von Asteroid 2024 YR4
Weitere Beobachtungen sollen die Umlaufbahn des Asteroiden verfeinern. Dabei wird sich – bisher war das zumindest immer so – wahrscheinlich herausstellen, dass der Asteroid die Erde knapp verfehlen wird. Das bekannteste Beispiel für einen Asteroiden, bei dem die Gefahr anfangs noch größer erschien, ist der Asteroid Apophis. Als er entdeckt wurde, konnte ein Einschlag auf der Erde nicht ausgeschlossen werden – die Wahrscheinlichkeit war sogar noch größer als bei dem aktuellen Asteroiden 2024 YR4, er wurde auf der Turiner Skala vorübergehend in Stufe 4 einsortiert.
Mittlerweile wurde ein Einschlag von Apophis für die nächsten 100 Jahre ausgeschlossen, auf der Turiner Skala steht der Asteroid auf Stufe 0 („keine Gefahr“). Er wird der Erde im April 2029 allerdings sehr nahe kommen – mit etwa 33.000 Kilometern wird er ihr kurzzeitig näher sein als der Ring der geostationären Satelliten, die die Erde umkreisen. Die Forschung macht sich jedoch keine Sorgen deshalb, sondern bereitet Missionen vor, die den Asteroiden bei seinem Vorbeiflug erforschen sollen. Apophis hat einen Durchmesser von etwa 350 Metern, ist also deutlich größer als der Asteroid 2024 YR4. (tab)
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