Raumfahrt

Nasa warnt vor chinesischen Ambitionen auf dem Mond

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Der Mond steht in der Raumfahrt so sehr im Fokus wie schon lange nicht mehr. (Archivbild)
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Die Nasa will wieder Menschen auf den Mond bringen, China will ebenfalls auf dem Mond landen. Aus den USA sind warnende Stimmen zu hören.

Washington D.C. – Die US-Raumfahrtorganisation Nasa ist auf dem Weg zurück zum Mond. Mit dem erfolgreichen Abschluss der „Artemis 1“-Mission, bei der eine Raumkapsel den Mond umrundete, liegt der Fokus nun auf der Rückkehr von Menschen zum Mond: Die Mission „Artemis 2“, die derzeit für das Jahr 2024 geplant ist, soll eine Crew um den Erdtrabanten kreisen lassen, für frühestens 2025 ist die erste Landung von Menschen auf dem Mond seit 1972 geplant.

Doch genau wie im „Space Race“ genannten Wettlauf zum Mond in den 1960er Jahren sind die USA auch dieses Mal nicht die einzige Nation, die den Mond erreichen will. China hat sich vorgenommen, bis zum Ende des Jahrzehnts erstmals mit Menschen auf dem Mond zu landen. In der Vergangenheit hat das Raumfahrtprogramm des Landes einige wichtige Fortschritte gemacht – beispielsweise die Landung eines Rovers auf der Rückseite des Mondes sowie der Aufbau einer eigenen Raumstation, die von einer Langzeitcrew bewohnt wird.

USA und China im „Wettlauf ins Weltall“: Wer erreicht den Mond zuerst?

Angesichts dieser Entwicklungen warnte Nina Armagno von der US Space Force bereits im vergangenen Monat: „Es ist absolut möglich, dass sie uns einholen und überholen.“ Bei einer Veranstaltung in Australien betonte sie angesichts der Entwicklungen rund um die chinesische Raumstation: „Die Fortschritte, die sie gemacht haben, sind erstaunlich – erstaunlich schnell.“

Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten

Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern.
Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern. © Imago/MiS
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht.
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht. © Imago/Alan Dyer
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt.
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt. © Imago/Gottfried Czepluch
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist.
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist. © Imago/Riccardo Fabi
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller.
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller. © Imago/Pixsell
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot.
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot. © Imago/ANE Edition
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird.
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird. © imago/Silas Stein
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet.
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet. © Imago/Jon G. Fuller
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt.
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt. © Imago/imagebroker
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche.
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche. © imago/Deutzmann
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste.
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste. © imago/Nasa
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren.
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren. © Imago/UIG
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond.
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond. © imago
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa.
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa. © Imago/Cover-Images

Auch die Nasa schlägt nun Alarm: „Es ist eine Tatsache: Wir sind in einem Space Race“, erklärt der Nasa-Chef Bill Nelson in einem Politico-Interview. „Und es ist wahr, dass wir besser aufpassen sollten, dass sie nicht unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung an einen Ort auf dem Mond gelangen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sagen: ‚Bleibt draußen, wir sind hier, das ist unser Territorium.‘“

Um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen, führt Nelson ein irdisches Beispiel aus dem südchinesischen Meer an, in dem es Dispute um die Spratly-Inseln gibt: „Wenn Sie das bezweifeln, sehen Sie sich an, was sie mit den Spratly-Inseln gemacht haben“, betont Nelson, der China bereits im Juli 2022 ähnliche Vorwürfe gemacht hatte.

Mond-Programm der Nasa: Jeder Fehler könnte China helfen

Derzeit stehen die USA in Sachen Mondlandung gut da: Die „Artemis 1“-Mission war erfolgreich, der US-Kongress hat der Nasa ausreichend Mittel für die wichtigen Mond-Missionen zur Verfügung gestellt. Doch jeder Fehler und jedes Problem könnte dazu führen, dass die chinesische Raumfahrt aufholt, denn die Nasa plant mit Systemen und Ausrüstungen, die noch in der Entwicklungsphase sind – beispielsweise soll als Mondlandefähre das „Starship“ von SpaceX zum Einsatz kommen, das bisher noch nie im Erdorbit geflogen ist. Auch die Raumanzüge für den Ausstieg auf den Mond existieren noch nicht.

Der frühere Nasa-Astronaut und ISS-Kommandant Terry Virts ist sich gegenüber Politico sicher, was China plant: „Sie wollen die dominierende Macht auf der Erde sein, also ist der Flug zum Mond ein Weg, um zu zeigen, dass ihr System funktioniert. Wenn sie uns bei der Rückkehr zum Mond schlagen, zeigt das, dass sie besser sind als wir.“

Chinas Mond-Ambitionen machen USA nervös

Doch Virts sieht auch noch einen anderen, sicherheitspolitischen Aspekt: „China kann auf dem Mond potenziell Unheil anrichten“, so der Nasa-Veteran und frühere Air-Force-Pilot. „Wenn sie dort eine Infrastruktur errichten, könnten sie zum Beispiel die Kommunikation unterbinden. Dass sie dort sind, macht die Sache nicht einfacher. Es gibt echte Bedenken, dass sich die Chinesen einmischen könnten“.

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Diese Vorwürfe weist ein chinesischer Sprecher in einer Stellungnahme jedoch zurück: „Das Weltall ist kein Schlachtfeld.“ China setze sich für die friedliche Nutzung des Weltraums ein und lehne die Bewaffnung und das Wettrüsten im Weltraum ab.

Den ersten „Space Race“ haben die USA gegen die Sowjetunion gewonnen

Bleibt die Frage, wer die Neuauflage des „Space Race“ gewinnen wird. Im Kalten Krieg hatte die Sowjetunion lange die Führungsposition, da ihr der Start des ersten Satelliten und des ersten Menschen ins All gelang. Doch letztendlich schafften es die USA, 1969 die ersten Menschen auf dem Mond landen zu lassen – der Wettlauf zum Mond war beendet. (tab)

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